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Der Israelit · 1879-04-23 · Heft 17 (23.4.1879) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 17 (23.4.1879)
Date
1879-04-23
Page
– (sequence 18)
Language
German
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442 W int umfassenden Sinne des Wortes nicht nur das wirksamste Bildungsmittel des jugendlichen Geistes, sondern auch des Charakters und der vaterländischen Gesinnung. — Unsere Zöglinge denken und reden und fühlen deutsch und werden, — aus dem Borne des nationalen wie des jüdischen Schriftthums in gleichem Maaße und mit gleicher Liebe getränkt, — indem beide Bildungs-Elemente sich zur innigsten Harmonie im Geiste und Gemüthe verschmelzen, als gesetzestreue und glaubensinnige Juden und begeisterte Baterlands^reunde sich selbst erfahren und in treuester Hingebung im Leben bewähren. Wir durften und dürfen dieses glückliche Er gebniß um so zuversichtlicher erwarten, als diese scheinbar und äußerlich zwiefache, im Seelengrunde jedoch nur eine und einheitliche Lebensaufgabe, bereits in unserer Bildungs-Anstalt ihre vorbildliche und vorbereitende Lösung gefunden. Mit dem Beginne des Winter-Semesters war es uns vergönnt, wiederum acht neuen Zöglingen den Eintritt in unsere Anstalt zu gewähren, so daß jetzt dreizehn interne und drei externe Schüler am Unterrichte theilnehmen. Indem wir unsern Freunden und Vereins-Mitgliedern den schuldigen Tribut unseres innigsten Dankes darbringen, müssen wir ihnen zugleich die dringende Bitte an's Herz legen, uns durch ihren Einfluß neue Gönner und reichere Mittel zuzuführen, damit wir unsere Aufgabe immer vollständiger genügen können. Es berührt uns um so schmerzlicher, die Aufnahme-Gesuche zahlreicher lernbegieriger und wohlbefähigter, aber unbemittelter Jünglinge, sowie die aus allen Theilen unseres Vaterlandes uns zugehenden stets sich mehrenden Bitten jüdischer Gemeinden um Zuwendung von Lehrern nur zum kleinsten Theile berücksichtigen zu können, als wir mit den uns zu Gebote stehenden Lehrkräften und Unterrichtsmitteln einer bei weitem größeren Schülerzahl die Wohlthat des Unterrichtes könnten angedeihen lassen, wenn uns die zu ihrer Verpflegung erforderlichen Geldmittel in reicherem Maaße als bisher dargeboten würden. Mögen die Reichbegüterten in Israel sich und ihren Heimgegangenen Angehörigen zu ihrem ewigen Seelenheile ein dauerndes Andenken unter ihren Glaubensbrüdern erhalten, indem sie unsere Pflanzstätte jüdischer Glaubenswissenschaft durch fromme Stiftungen bedenken. Die aus ihr hervorgehenden Jünger werden gebildete, glaubensinnige und begeisterte Träger und Verkündiger der alten Gotteslehre sein, die wir gleich unseren Vätern auf die kommenden Geschlechter zu vererben haben, und Alle, die unser frommes Werk gefördert, werden das Verdienst mit hinübernehmen in die Ewigkeit. Die Einnahmen betrugen 35397 M., die Ausgaben 15097 M. Oefterreichisch-Ungarifche Monarchie. Wien. Herr Dr. Güdemann, Rabbiner (njn!) der hiesigen Cultusgemeinde erlaubte sich in seiner ntp*n Pim natp, die er in der Schönlatern-Synagoge hielt, gegen die Jeschiba-Jünger im Allgemeinen , und gegen die Preßburger naw insbesondere in einer Weise loszrziehen, die jeden Zuhörer, der noch Gefühl und Sinn für ntpnpn nmiri hat, aufs Tiefste verletzen mußte. Wir könnten dem Herrn Doctor zurufen '2 nu ns-ui nsnn denn dieser Repräsentant der Breslauer P. A. hat, indem er Ausdrücke, wie „verkrüppelte a'iirn" u. dgl. gebrauchte, nicht einmal als anständiger Prediger gesprochen, um Sätze, wie „sie wollen auf den ohnehin so hohen Berg gi2p noch Sandkörner tragen", und „ereifern sich wegen des Tragens D’inn nuna am naverrathen auch das Credo dieses Herrn „Rabbiners". Aber wir möchten doch Se. Ehrw. daran ermahnen, daß er es nicht einmal wagen dürfte mit dem Kleinsten der Jünger dieser ma’izn es aufzunehmen, Bescheid in einer nur halbwegs schwierigen Stelle im zu geben. Weit entfernt den Herrn Doctor Anstand lehren zu wollen, wollen wir ihm nur rathen, sich wenigstens an seinem College» Hrn. Dr. Jellinek, dem man doch gewiß keine Sympathien für unser orthod. Judenthum zumuthen wird, der aber doch die größte Achtung jedempö2 und freundliche Aufnahme den von Hrn. Dr. G. so arg verlästerten Jeschiba-Jüngern erweist, ein Beispiel zu nehmen, anstatt D”n D’ppN nimj/D *pn*? 1 Aber Herr Dr. Jellinek hat doch eine Jeschibr gesehen, daher der Unterschied. Rußland. Moskau. Einige unbekannte Hetzer hatten vor einigen Tagen dem Pöbel das Märchen eingeredet, ein jüdischer, an der Krimbrücke postirter Polizeisoldat habe mit Wissen der Polizei-Organe zwölf christliche Kinder abgeschlachtet und deren Blut seinen Glaubensgenossen zu rituellen Zwecken während des Osterfestes verkauft. Um den gedachten Polizisten vor der durch den bekannten Kutaiser Proceß und die unbekannten Hetzer aufgestachelen Wuth des Pöbels zu schützen, wurde er abgelöst und durch einen andern Mann ersetzt. Sofort verbreitete sich das Gerücht, die Schuld des „Verbrechers" sei erwiesen und dieser vom Gerichte zum Tode verurtheilt worden. Alle Versicherungen der herbeigeeilten Polizei- Organe, daß an der Sache kein wahres Wort sei, fruchteten nichts; das erbitterte Volk wollte es nicht glauben und erhob einen Sturm von Drohungen und Schmähungen gegen die Polizei. Rufe wurden laut.

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