Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1879)
- Date
- 1879-04-23
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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BHSTS5EÜB! XX. Jahrgang. Zweite Leilage zu Ar. 17 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Gorrefpondenzen. Deutschland. Würzburg. Am zweiten Tage des verflossenen PesachfesteS hatte Herr RabbmatSverweser Nathan Bamberger die an diesem Feste dahier übliche Predigt in Gegenwart eines sehr zahlreichen Publikums in der Synagoge gehalten. In den einleitenden Worten bat der ehrwürdige Herr Redner um Nachsicht, indem er zum ersten Male diese Stätte betrete und die Aufgabe eine so schwere sei, da zu sprechen, wo ein so beredter - Mund, ein so gortbegeisterter Mann, wie sein Ij iheurer unvergeßlicher Vater , das Wort Gottes so lange Jahre hindurch gesprochen. Je- - doch auch er verfolge den hohen Zweck der Belehrung, der Begeisterung für unsere heilige Religion, für Gottesfurcht und Tugend und darum möge man auch seinen Worten Gehör und Aufmerksamkeit schenken. Sodann ging er zum eigentlichen Texte der Rede über, besprach die hohe Bedeutung des Pefach als hochwichtiges Nationalfest Israels und wies an den Textworten 5>'2b mp acc-rva^ ‘w tP’K 'nt? inpn nach, wie das jüdische Haus eine Stätte der Heij math, eine Stätte der Belehrung und eine Stätte 1 der Gegenwart Gottes sein soll. Es war dies unseres Herrn Rabbinatsver- I weserS erste zugleich aber sowohl dem Inhalte als der Form nach eine glänzende, äußerst gelungene Rede, welche in Folge dessen auch allgemeine Anerkennung und ungetheilten Beifall bei allen Zu» Hörern gefunden. — Sehr wünschenswerth dürfte v es in der That sein, daß dieser mit reichem Wis- / sen, großen talmudischen Kenntnissen ausgestattete und von wahrhaft echter, reiner Gottesfurcht erfüllte Sohn unseres lieben s. Rabbiners oder einer seiner Brüder, zum Nachfolger des großen, unvergeßlichen BaterS bestimmt werde, womit sicherlich dem Wunsche unseres verklärten großen Rabbi entsprochen würde. Vblrt. Dem Rechenschafts-Bericht des Vereines zur Unterhaltung eines jüdischen Lehrer- Seminarin Rheinland für das zwölfte Jahr seines Bestehens, entnehmen wir: Seit unserer vorjährigen Berichterstattung sind vier Zöglinge nach vollendeter Ausbildung entlassen worden und haben in vier Gemeinden als Religions- und Elementarlehrer Verwendung gefunden. Es sind seit dem 3t. August 1877 acht junge Lehrer aus unserer Anstalt hervorgegangen, welche nach den uns zugehenden sehr erfreulichen Berichten in diesem nur kurzen Zeiträume sich bereits durch treue und gewissenhafte Pflichterfüllung als jüdische Elementarlehrer und segensreiche, auch außerhalb der Schule durch Lehre und Beispiel geübte Wirksamkeit vortrefflich bewährt haben. Der Unterricht ist nach dem bewährten Ausspruche altjüdischer Lebensweisheit das wirksamste Erziehungsmittel. Tnopv H’t> N’DDff iiopnn Die mit dem Schlüsse des Sommer-Semesters entlassenen Zöglinge haben den größten Theil der heiligen Schrift abwechselnd statarisch und kursorisch gelesen, einige talmudische Traktate (17" Folien), sowie eine nicht unbedeutende Partie de» Ritualgesetzes durchgenommen, sind im Stande, eine nicht allzuschwierige talmudische Stelle zu übersetzen und je nach ihrer geistigen Begabung aufzufassen, einen pi im nachzulesen und durch allsabbatliche Vorträge aus hagadisch-homiletischen Werken oder in freier Rede die in der Anstalt gewonnenen Kenntnisse und Erkenntnisse zu verwerthen und auf die religiös-sittliche, human-jüdische Welt- und Lebens-Anschauung auch der erwachsenen, nicht ihrer Schuldisciplin untergebenen Gemeinde-Mitglieder erweckend und belebend einzuwirken. Die deutsche Literatur ist ihnen durch Unterricht und überwachte und geleitete Privatlectüre in nicht unbedeutender Ausdehnung, sowie auch das Wichtigste und Wissenswürdigste aus der Poetik und Literatur-Geschichte bekannt geworden. Ihr Wissen und Können beruht auf fester grammatischer Grundlage, und sie find im Stande, Aufsätze vorzugsweise pädagogischen, ästhetischen und homiletischen Inhaltes (religiöse Vorträge und Wiedergabe des Inhaltes klassischer Stücke) in korrektem und gewandtem Style abzufassen. Wie in unserer Muttersprache nicht nur der gefammte Vorstellungskreis, sondern auch die Geinüthstiefe des deutschen Volkes zum Ausdrucke gelangt, so erblicken wir im sprachlichen Unterrichte