Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1879)
- Date
- 1879-04-16
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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414 ebenso wenig einzugehen als auf die der anderen Culte. Ich lasse auch die Toleranz ganz aus dem Spiele, von der gewiß die ganze Versammlung beseelt ist. Ich sehe nur den Schwachen vor mir, der den Stärkeren um Hilfe bittet. Ich schlage Ihnen die Erhöhung des Fonds auf 80OO M. vor. Definitiv ist das nur eine Vermehrung von 6000 M. im Etat des Cultus, da 2000 M. ungefähr schon in den Vorjahren eingestellt waren. Mitglied Goguel: Sämmtliche Mitglieder der zweiten Commission waren über das einig, was an den Reclamationen der drei isr. Consistorien gerechtfertigt erscheint. Bittsteller weisen vor allem auf die Schwierigkeiten hin, welche sich gegenwärtig der regelmäßigen Ergänzung der Theologieaspiranten entgegenstellen und in Zukunft in noch empfindlicherer Weise entgegenstellen werden. Sicher ist, daß diese Ergänzung ernsthaft bedroht erscheint und die von 'Staatswegen zur Zufriedenstellung der israel. Bevölkerung Elsaß- Lothringens zu ergreifenden Maßregeln baldmöglichst getroffen werden müssen. Der Staat kann sich dieser Verpflichtung nicht entziehen, ohne sich dem Vorwurse der Gleichgültigkeit und sogar der Parteilichkeit gegenüber einem der drei anerkannten Culte auszusetzen. Ohne Zweifel erinnern Sie sich, daß der isr. Cultus vor 1870 eine Rabbinatsschule besaß, für welche auf dem Jahresetat des französischen Staats eine recht hübsche runde Summe vorgesehen war; daß diese Schule mit mehr oder minder gutem Grunde — was wir hier nicht neuerdings zu untersuchen brauchen — im Jahre 1866 nach Paris verlegt wurde, in Folge der Annexion daher die isr. Bevölkerung Elsaß- Lothringens mit einem Schlage dieser unentbehrlichen Anstalt beraubt worden ist. Von diesem Zeitpunkt an datirt für die isr. Cultusgemeinden die Unmöglichkeit, wie zuvor das benöthigte geistliche Personal nachzuziehen. Die Folge davon ist eine peinlich berührende Ungleichheit der Stellung im Vergleich zu den übrigen staatlich anerkannten Culten, welche in verschiedenen meist geistlichen Zwecken bestimmten Stiftungen ausreichende Hilfsquellen besitzen und vom Staate lediglich Vergünstigungen durch Ertheilung von Stipendien fordern, die heute ebensowohl wie unter den vorhergehenden Regierungen bewilligt werden. Ihre Commission hat sich andererseits für Verwerfung der Seitens der drei Consistorien zur Ausfüllung der von denselben nachgewiesenen Lücke vorgeschlagenen Mittel und Wege entschieden. Ihre Commission war der Meinung, daß das nach deren Ansicht zu gründende Institut keine sonderliche Aussicht auf Erfolg verspreche, auch die Schulverwaltung niemals das Bestehen, ja nicht einmal die Errichtung einer Anstalt von so ausgesprochen untergeordnetem Charakter zugeben würde. Diese Erwägungen haben uns dazu veranlaßt, Ihnen einen andern Vorschlag zu machen; wir proponiren Ihnen einfach eine Erhöhung des Budgetpostens von 1920 Mk., welchen die heutige Regierung zu Gunsten isr. Theologie-Aspiranten seinerzeit eingesetzt hat. Gleichzeitig haben wir darauf aufmerksam gemacht, daß alsdann die Benennung des Tit. 5, in welchem der fragliche Credit figurirr, in entsprechender Weise umgewandelt werden muß. In dieser Beziehung gingen die Meinungen innerhalb der Commission aus einander. Bei Bestimmung der Ziffer der Erhöhung waren die Stimmen getheilt; während sich die Mehrheit für Einsetzung der Summe von 4000 Mk. an Stelle der 1020 Mk. des Tit. 5 aussprach, forderte demgegenüber die Minderheit die Verdoppelung des ersteren Betrages. Ich habe mit der Minderheit gestimmt und mich dem gemäß für verpflichtrt gehalten, meine Ansicht, welcher Sie sich, wie ich wünsche, anschließen werden, vor Ihnen zu rechtfertigen. Bei der Frage der Unterstützung religiöser Minoritäten sind die vorhandenen Bedürfnisse von einem höheren Gesichtspunkte als dem ziffermäßig zu gewinnenden nur zu prüfen; ich bestreite daher die Berechtigung beispielsweise der Behauptung, daß der bislang für Stipendien bestimmte Posten von 1920 Mk. im Verhältniß zur Kopfzahl der israel. Bevölkerung schon zu hoch gegriffen sei, und diese demgemäß durch die von der Majorität der Commission festgehaltene Ziffer von 4000 M. mehr als zufrieden gestellt sein müsse. Allein wir dürfen nicht vergessen, meine Herren, daß. je kleiner derartige religiöse Minderheiten sind, um so beträchtlicher die Ausgaben werden und daß es sich im gegebenen Falle um einen Kultus handelt, welcher sich hinsichtlich der zur Ergänzung seines Bedarfs an Religionsdienern anzustrengenden Hilfsmittel im Vergleich zu den beiden andern Kulten in notorisch ungünstiger Lage befindet. Ich sehe mich vergeblich nach Vermächtnissen, Schenkungen und Stiftungen für die Israeliten Elsaß-Lothringens um, dergleichen für Katholiken wie Protestanten im ausgedehntesten Maßstabe vorhanden sind; die israelitische Bevölkerung hiefür verantwortlich machen zu wollen, wäre nach meinem Gefühle ebensowohl eine soziale Ungerechtigkeit als ein historischer Nonsens. Bedürfen Katholiken und Protestanten abgesehen von Stipendien keinerlei staatlicher Hilfe zur Ausbildung ihrer Rcligionsdiener, so trifft dies doch für die Israeliten, wo das Bcdürfniß ein weit größeres und dringenderes ist, keineswegs zu. Wenn die israelitischen Konsistorien bis heute von den