Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1879)
- Date
- 1879-04-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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398 Versammlung französischer Rabbiner sich zu Gunsten einiger sogenannter Reformen aussprach, da verstand es Julienne Bloch, in so feiner und anmuthiger Weise diese Reformversuche ins Lächerliche zu ziehen, daß sie in der That nicht zur Ausführung gelangten. Und dieses edle, hochbegabte Mädchen, der Stolz und die Freude des Vaterherzens, starb in der Blüthe der Jugend. Der Vater mußte sein geliebtes Kind, der Redacteur seinen besten Mitarbeiter missen! Drei und dreißig Jahre lang hat S. Bloch in seiner Zeitschrift unablässig für das orthodoxe Judenthum gekämpft; ihm hat er seine Stellung — er war ehedem Secretär des Central-Consistoriums — geopfert; für seine Ueberzeugung hat er unzählige Angriffe und persönliche Beleidigungen freudig und ergebungsvoll ertragen. Er war einer der geistreichsten und liebenswürdigsten Schriftsteller unsrer Zeit, der Obateanbriand des Judenthums. Seine Werke La foi d’Israel und La semeine Israelite, haben bleibenden Werth. Er schrieb ein mustergiltiges Französisch, war ein tüchtiger Kenner von Bibel, Talmud und Midrasch und war auch vertraut mit den Classikern der deutschen Litaratur, die er oft citirte. Sein Tod ist für das französische Judenthum ein unersetzlicher Verlust. Ja, unersetzlich! Wir müssen uns nunmehr einer uns überaus schmerzlichen Pflicht unterziehen, der wie uns, solange Simon Bloch p"j lebte, entzogen haben, wir müssen es aussprechen, daß der „Univers Israelite" seiner bisherigen Tendenz untreu geworden, ja, noch schlimmer. unter dem Aushängeschilds der Orthodoxie Reformen befürwortet, welche Simon Bloch sein ganzes Leben hindurch mit Geist und Energie auf das Entschiedenste bekämpft hat. Wir haben bisher davon geschwiegen, weil wir hofften, der erkrankte Redacteur würde genesen und die Redaction seiner Zeitschrift wieder übernehmen; wir wollten ihn deßhalb weder materiell schädigen noch ihm auf seinem Schmerzenslager Kummer bereiten; deßhalb haben wir bis jetzt geschwiegen; nun aber bindet uns keine Rücksicht mehr. Seit einigen Monaten hat Herr L. Wogu e, Krand rabbin in partibus infidelium,*) die Redaction des „Univers Israelite" übernommen. Die *) Cbcvrabbinev im (ivbietc der Ungläubigen. Herr W. Zeichner nämlich ^ranä rabbin (Cbevvabbiuer); da er aber in Paris, seinem Wohnorte, weder als dkabbiner noch als ^berrabbiner fnngirt, so haben wir wohl sein Pberrabbinal irgendwo „dahinten bei den Heiden";u suchen. In der katholischen Uirche gibt es ja bekanntlich Bischöfe in partibus iniidulimn, im Gebiete der Ungläubigen! Zeitschrift trägt nach wie vor das Aushängeschild: Journal des principes conservateura du Judaiame, Zeitschrift für die erhaltenden Grundsätze des Judenthums, und dennoch befürwortet Hr. W. die Abschaffung der Piutim, die Einführung des dreijährigen Cyclus beim Thora-Borlesen, die Einführung der Orgel in die Synagoge!!! Möge Herr 28 sein imaginäres Oberrabbinat in China oder Hinter- Jndien aufsuchen und dort solche jüdische Orthodoxie predigen. In Europa wirft man ihn zu den Reformrabbinern! — Und nun noch ein ernstes Wort an Herrn L. Bloch, den Sohn des Heimgegangenen und jetzigen Eigenthümer des „Univers Israelite"! un p, es soll der Sohn das Andenken seines Vaters ehren; deßhalb möge derselbe sofort die Zeitschrift, die sein unvergeßlicher Vater j>"j begründet hat, den unpassenden Händen des Herrn L. Wogue, Oberrabbiner in partibus infidelium, entziehen und sie andern, paffendern Händen übergeben. Sollte sich aber, was wir nicht fürchten wollen, keine passende Persönlichkeit finden, so wäre es besser, die Zeitschrift eingehen zu lassen; solange Herr L. Wogue in ihr seine destructiven Tendenzen als orthodoxes Judenthum ausgibt, wird das Andenken des edlen Kämpfers, der den „Univers Jsr." 33 Jahre lang ruhmvoll geleitet hat, in unverantwortlicher Weise geschmäht, entgegen dem Worte der heiligen Schrift, das da lautet p'-irr uu: nmuS „das Andenken des Gerechten zum Segen ist". K i s ch u h. VI. 8. Es genügt dem Verf. nicht, die Juden als besondere Nation anzusehen, die kein Recht auf ihre Existenz unter anderen Nationen als solche habe; er mußte wohl ahnen, daß solches Argument nicht verfange, und darum tritt er aus dem Kreis wissenschaftlicher Forschung heraus und citirt das Schreckgespenst der jüdischen Weltherrschaft, die das materielle Wohl der ganzen nichtjüdischen Welt unfehlbar vernichten wird. „Ja," so lautet die Brandrede des Herrn Am-Rhyn, „sie sind jetzt nicht nur eine Nation und eine Sekte, sondern auch eine Geldmacht. Die Juden werden immer reicher, die Christen immer ärmer. Werden Jene nicht einst dazu gelangen, eine Aristokratie zu bilden, der die Uebrigen als Leibeigene dienen?" „Die Juden werden immer reicher" — und wenn es wahr wäre? Ist das ein Borwurf? An