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Der Israelit · 1879-03-26 · Heft 13 (26.3.1879) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 13 (26.3.1879)
Date
1879-03-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
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330 Entgelt oder irgend ein Aequivalent zu fordern oder zu erwarten, der wird überhaupt nicht am Besitz hangen, er wird die niederen Leidenschaften und Triebe beherrschen, er wird dem Besitze weder als Selbstzweck noch als Mittel zum Genüsse Gewalt über sich einraumen, er wird durch nichts auf Erden käuflich fein und durch keine irdische Macht sich bestimmen lassen, vom Pfade der Tugend und des Rechts zu weichen. So sollen wir Gott dienen - - nicht wie Knechte, die da dem terrn dienen, um Lohn zu empfangen. So diente braham seinem Gotte, als er bereit war den geliebten Sohn, an den sich die Verheißung knüpfte, hinzugeben; so diente Jizchak seinem Gotte, als er seinen Hals ausstreckte dem Opfermesser; so diente Jakob seinem Gotte, als er. aus dem Baterhause fliehend, das Gelübde that, das er später so herrlich erfüllte. Der Gedanke, welcher dem heiligen Opferdienste zu Grunde liegt, und der in Sühn-, Dank- und Freudenopfern rc. zum Ausdrucke kam, der Gedanke, daß wir. die uns umgebende Thier- und Pflanzenwelt (Schlacht-, Speise- und Tranke opfer) unserm Gotte weihen, in einem Theile unseres Besitzes uns selbst heiligend, dieser Gedanke wirkte mächtig auf den Opfernden und erhob ihn auf eine Stufe sittlicher Reinheit und innerer Heiligung, die wir heute zu ermessen gar nicht im Stande sind. Daher ist uns auch der prophetische .Geist abhanden gekommen, und der &mpn nn, der heilige Geist, die da ehedem auf hervorragenden israelitischen Männern und Frauen ruheten. Diesem prophetischen Geiste ist das Räucherwerk zu vergleichen us1? mrar? Vy mittp:! Di«n to nnyn;n«n ransn Dem Dufte des Räucherwerkes gleich, der da auf dem Altäre vor dem Scheidetepuich an der Lade des Zeugnisses emporstieg. erhob sich der Menschengeist zu Gott, und ein Hauch von Gott stieg wiederum hernieder zum Menschen, ihn anhaucheno mit Gottesfurcht, mit Rath und Weisheit und Heldenkraft, ihn schauen lassend die verborgensten Tiefen, die lichten Höhen, ihm offenbarend unergründliche Weisheit, die Geheimnisse Gottes (vn""h 'n no). So ist der Bau des Heiligthums, dessen genaue Beschreibung die Thora-Abschnitte der jüngstverflossenen Sabbate uns gebracht haben, ein Bild, ein Symbol der Heiligung des gesammten Menschen, seines vegetabilischen, seines animalischen, seines geistigen Lebens, derart, daß der Israelit werde ein Heiligthum Gottes, in dem der Allheilige thront, wie eS heißt: P&nir' cv^np aterr »np nr*r „Und Du, o Heiliger, thronst auf den Lobpreisungen Israels!" Aischuß. IV. 8. Wir gehen mit schwerem Herzen daran, einen Mann denen von der Juden-Jdiosynkrasie nicht Freien zuzählen zu müssen, welcher sich so viele Verdienste um die Wissenschaft erworben, der so vorurtheilsfrei und unbestechlich in seinen Uriheilen, die er mit anerkennenSwerther Offenheit und Freimüthigkeit abgibt, sein kann. Aber gerade die Erscheinung dieses Mannes liefert uns den besten Beweis, mit welcher Zähigkeit die althergebrachte Vorstellung, die Juden seien doch eigentlich Fremde, sich auch bei den Fortgeschrittensten behauptet, und diese Vorstellung das Urtheil auch der Scharfdenkendsten trübt. Es ist der durch viele geistreiche Werke berühmte hochgelehrte Henne Am-Rhyn, dessen berühmtes Werk „Culturgeschichte der neuern Zeit' *) von jedem nach Bildung Strebenden studirt zu werden verdient. Das Rechts- und Freiheitsgefühl dieses Mannes läßt ihn nicht wie so manchen Andern (wir erinnern hier beiläufig an Weber in seinem Geschichtswerk) ruhig an den Judenverfolgungen vorübergehen; wo der Gang der Geschichte ihn zur Besprechung derselben führt, theilt er sie nicht einfach als Factum mit, sondern er gießt die Schale seines Zornes über die Häupter derjenigen aus, welche die Wehrlosen niedergemetzelt oder sie Mordbrennern und Raublustigen zur Vernichtung überliefert haben; für die Gleichstellung der Juden tritt er ein, indem er den Widerstand gegen dieselbe als Reaktion und das zumeist gegen sie gebrauchte Argument als „widersinnig" bezeichnet. Doch hören wir ihn selbst: „Die Glaubens- und Culturfreiheit der früher nicht anerkannten Religionsgesellschaften hat in unserer Zeit langsame Fortschritte gemacht. Die meisten Schwierigkeiten gab es dabei stets gegenüber den Israeliten. Das Verlangen einer „Emancipation" derselben, d. h. ihrer Gleichstellung mit den Christen, ging stets von den liberalen und radikalen Kreisen aus. Obschon viele Juden sich an den deutschen Befreiungskriegen in aufopfern- ) Kulturgeschichte der ueuern Heil. Bon Otto Henne Am- Nhyn. t'eipug 1870—72. 3 Bde. Wigand.

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