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Der Israelit · 1879-02-26 · Heft 9 (26.2.1879) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 9 (26.2.1879)
Date
1879-02-26
Page
– (sequence 14)
Language
German
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226 Blicken, er saß zurückgelehnt, hatte die Hände über den feisten Bauch gefaltet und ließ die Daumen umeinander kreisen. Einige Minuten vergingen, dann erhob sich der Pfarrer und ging leisen Schritteandem Zimmer, kam jedoch schon nach wenigen Minuten zurück. Jakobine hatte seine Abwesenheit schwerlich bemerkt, sie saß noch immer mit gesenkten Blicken sinnend oder träumend da. Er trat an sie heran und legte seine Hand auf ihre Schulter; sie fuhr zusammen und blickte fast erschrocken zu ihm auf. Er lächelte milde und streichelte ihre Locken. „Wie nur der guten Gräfin die prächtigen Haare gefallen werden. — Sie hat zwar schon graue, aber sie liebt die schönen blonden Locken über die Maßen. — Und Kind, waS soll ich ihr mittheilen? ich dächte, Du hättest Muße gehabt, Deinen Entschluß zu fassen." „Und ist denn gewiß Alles so, wie Sie es mir gesagt haben?" fragte Jakobine schüchtern, „wird die gute Gräfin mich wirklich bei sich behalten wollen und mir Essen und Kleider und Unterricht geben lassen wollen? und Alles umsonst?" „Um des guten Zweckes willen, liebes Kind, hat die fromme Gräfin schon weit mehr gethan. Lege Du nur getrost Dein Geschick in ihre Hand, Du wirst es nimwer bereuen. Du wirst doch nicht an meinen Worten, an denen eines Priesters, zweifeln wollen?" Jakobine wußte nicht, was sie antworten sollte, da ließ sich mit einem Mal Schellengeläute vernehmen. Unwillkürlich lauschte das Kind. Der Geistliche trat zum Fenster und lüftete die Jalousien ein wenig. „Ei, ei, da ist ja der Schlitten der guten Gräfin. Komm her. Kleine, schau Dir den prächtigen Schlitten an und die schönen schlanken Pferde. Bist Du schon ein Mal in einem so schönen Schlitten gefahren?" Jakobine verneinte. „Ach, das ist etwas Herrliche-, wenn man in einen solchen Schlitten sich lehnt und die prächtigen Rosse wie der Sturmwind dahin jagen, da ist es einem als ob man durch die Welt fliegen könnte. Ich wünschte, ich könnte Dir einmal daS Vergnügen verschaffen, in einem solchen Schlitten zu fahren." Da ging die Thür auf und von Beate geleitet, trat ein reich gallonirter Bedienter in'S Zimmer. „Ihre Excellenz die Frau Gräfin Waldenser lassen Hochwürden ersuchen, sich bald möglichst zu ihr begeben zu wollen." „Ich komme schon, ich komme", erwiederte der Pfarrer. „Beate", wandte er sich an diese: „geben Sie rasch dem guten Manne einen warmen Trunk, indessen nehme ich meinen Mantel um, ich bin im Moment bereit." Dir %Vit und der Bediente verließen das Zimmer. Jakobine stand noch immer am Fenster, in Bewunderung des wirklich prächtigen Gefährtes vertieft. Der Pfarrer nahm feinen Mantel vom Nagel und wandte sich dabei an daS Mädchen. „Liebes Kind, ich habe eine grandiose Idee. Ich möchte Dir so gern eine Freude bereiten und muß nun fortfahren in dem schönen Schlitten; wie wär*S, wenn ich Dich milnehmen würde? he?" Jakobine erröthete über und über. „Ich weiß nicht" — stammelte sie. „O, Du wirst der Frau Gräfin willkommen sein, daS weiß ich." „Aber —" „Kein aber, liebes Kind, überlege nicht lange; eine solche Lust wird Dir so bald nicht wieder geboten. Bedenke nur in der Frau Gräfin eigenem Schlitten!" Doch das Mädchen zögerte noch, ihr selber vielleicht unbewußt, glitt ihr Blick über ihre ärmliche Kleidung. „Ja so. Deine Toilette scheint Dir nicht ganz passend. Sie ist freilich etwas leicht. Aber, sieh*, welch glückliches Zutreffen, da hat mein Schwester» sohn mich gestern besucht, er ist ganz von Deiner Größe. Und da hat der Wildfang seinen Menzikoff hier liegen lassen Komm*, nimm ihn um und Du wirst prächtig verwahrt sein." Und als sie noch zögerte, bot er selbst daS erwähnte Kleidungsstück ihr dar und über und über erglühend und den Blick zu Boden gesenkt, steckte das kleine Judenmädchen die zierlichen Arme in die weiten Aermel und freundlich lächelnd, und plaudernd hüllte der Geistliche sie ein, schob die hervorquellenden Haare zurück und die Caputze ihr tief in das rosige Antlitz. „So, jetzt wird mein Mäuschen nicht erfrieren und kein Mensch wird Dich erkennen. Da, schau ein Mal in den Spiegel" Jakobine warf einen schüchternen Blick in daS ihr gegenüberhängende Glas und lachte hell auf über die eigene Gestalt; sie hätte sich selbst nicht wieder erkannt. Der Priester mahnte zur Eile. „Allons, Kind, wir dürfen die Pferde in dieser Kälte nicht lange warten lassen." Er nahm sie an der Hand und ging mit ihr hinaus. In der Nähe war der Schlitten noch weit herrlicher anzuschauen; aber der Geistliche ließ ihr nicht lange Zeit, ihn von außen zu bewundern. er hob sie hinein, stieg dann selbst eiu und pfeilschnell jagten die herrlichen Rosse dahin. (Fortsetzung folgt.)

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