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Der Israelit · 1879-02-12 · Heft 7 (12.2.1879) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 7 (12.2.1879)
Date
1879-02-12
Page
– (sequence 19)
Language
German
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179 gehöre. Depretis glaubt, daß diese Frage demnächst ihre Lösung finden werde.. Australien. Melbourne, 27. Dec. Geehrter Herr Redakteur! Wenn Sie oder Ihre geehrten Leser etwa glaubten, daß wir hier in dem weit entfernten Australien von den Neuerungsversuchen der modernen Reformritter unbelästigt blieben, so sind Sie sehr im Jrrthum. Die verdefferte und beschleunigte Schifffahrt der letzten Jahrzehnte hat uns den andern Erdtheilen viel näher gebracht und wenn man früher vier Monate brauchte, um nach England zu reisen, so kann man jetzt diese Reise in fast eben so vielen Wochen machen. Freilich bat das australische Judenthum von England aus nichts zu befürchten; von den englischen Juden läßt es sich Gott Lob sagen! D’in rrp dhidd; allein America ist uns viel näher, und daher erhalten wir wenige ermunternde Beispiele. Ein Freund, der sich auf einer Reise durch Nord- America befindet, schrieb mir vor Kurzem: „Ich habe einige der größten amerikanischen Synagogen besucht und mir alles wohl gemerkt, was ich dort gesehen und gehört, worüber ich Ihnen seiner Zeit mündlich Bericht erstatten werde. Damit 4vie aber nicht neidisch auf diese großartigen Tempel werden, will ich gleich bemerken, daß, wenn dieselben ihrer prächtigen Orgeln und wirklich schönen Chöre beraubt würden, der Gottesdienst in denselben mit dem in der einfachen Synagoge zu St. K.... in Australien nicht zu vergleichen sei. Orgel und Chor werden in America nicht als Hilfsmittel zum, sondern als der eigentliche Gottesdienst betrachtet, und ohne dieselben würden die Frauen und Kinder, aus denen das „Auditorium" meistens besteht, sich auch nicht in solcher Zahl versammeln." So schreibt ein australischer Jude, der nicht gerade;u den Orthodoxen gehört, dem aber dennoch das amerikanische Judenthum nicht zugesagt hat; „Sabbatentweihung", sagt er weiter, „ist in America an der Tagesordnung, und ein guter, bescheidener und religiöser Jude ist iu diesem Lande ein rura avis." Dennoch zweifle ich nicht daran, daß mancher australischer Jude mit „aufgeklärten" Ideen aus dem glücklichen America zurückkommt. Das hat sich vor Kurzem in Sydney gezeigt. Diese Gemeinde wird hier, oder wurde vielmehr, stets als die frömmste in Australien angesehen. Dort findet man äußerst wenige Geschäfte am Sabbat offen und Alt und Jung eilt zu der neuen, prächtigen Synagoge. Alle übrigen Gemeinde-Institutionen werden ebenfalls in der alten guten Weise verwaltet, und in Bezug auf Wohlthätigkeit gebührt der Gemeinde der erste Rang unter allen australischen Gemeinden. Und doch fand dort am 1. d. M. eine General-Versammlung in der Synagoge statt, um über die Einführung einer Orgel zu berathen, die von einer nicht unerheblichen Zahl, der Mitglieder gewünscht und befürwortet wurde. Ich kann mir den Ursprung dieser Agitation nur dahin erklären, daß das alte Wort unsrer v'OIrn rroy nn« m:ay sich wieder einmal bewährt hat. Seit einigen Jahren existirt in der Synagoge zu Sydney, trotz der Remonstrationen unsres Oberrabbiners ein Damen- Chor, und am letzten mm rmOw- Abend wurden die Gesänge auf einem Harmonium begleitet. Es war daher vorauszusehen, daß eine permanente Orgel der nächste Schritt sein müsse, und wenn es auch vorerst noch nicht dazu gekommen ist, so ist das Verdienst. eS verhindert zu haben, nur einer kleinen Anzahl gesetzestreuer Mitglieder zuzuschreiben, unter denen sich Herr Moritz Gotthelf besonders sehr wacker zeigte. Hat denn aber die Gemeinde keinen Seelsorger? werden Sie fragen. O ja, der Rev. A. B. Davis ist ein tüchtiger Prediger und hat vielen Einfluß, hat aber alle früheren Reformen gebilligt und sich nur in der Orgelfrage neutral gehalten. Er sagt, er sei dagegen, konnte aber seine Meinung ungefragt nicht abgeben. Nun, ich halte dafür, daß, wenn eine solche Agitation in der Gemeinde vorgeht, der Prediger sagen sollte moj/x by und gefragt oder ungefragt, von der Kanzel herab m zu verkünden verpflichtet sei. Dem Meeting wurden die Gutachten der Revds. M. Rintel und E. Blaubaum (Melbourne) vorgelegt, die sich beide gegen die Einführung der Orgel anssprachen, und schließlich gelang es der Minorität die Vertagung der Angelegenheit durchzusetzen. Damit ist die Sache nun vorerst abgethan, allein es steht zu befürchten, daß deren Durchführung mit der Zeit dennoch zu Stande kommen werde. Natürlich würden sich dann die Orthodoxen separiren, was aber im Interesse des Judenthums durchaus nicht zu wünschen wäre. »T.T. /

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