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Der Israelit · 1879-02-12 · Heft 7 (12.2.1879) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 7 (12.2.1879)
Date
1879-02-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XX. Jahrgang. Erste Anlage zu Nr. 7 -es Israelit. Leitende» Artikel. Ale Israeliten in der Krim. n. Das häusliche Leben der Karäer. Die Karaer leben mit ihren Frauen größtentheils in einträchtiger Liebe zusammen; aber diese Liebe ist eine verborgene. Niemals läßt^ ein Karäer diese Liebe durch äußere Zeichen zu Tage treten. Kommt ein Fremder in's Haus, so spricht er mit seiner Frau nur, wenn ein ganz dringender Anlaß vorliegt, er geht aber nie mit ihr zusammen über die Straße. In Folge ihrer großen Geldgier können sie es nicht über sich gewinnen, häusliche Dienstboten zu halten, deßhalb müssen selbst reiche Frauen wie gewöhnliche Dienstmädchen arbeiten. Die Frauen sind noch heute so uncivilistrt, wie bei ihrer einstigen Auswanderung ans Asien. Wie tartarifche Frauen ergreifen sie die Flucht, wenn ein Fremder ein karäisches Haus betritt, und haben nicht den Muth, in seiner Gegenwart ein Wort zu reden. Es ist spaßhaft, zu sehen, wie die Frauen beim Herannahen eines Fremden pfeilgeschwind sich verkriechen, damit sie kein fremdes Auge sieht, und mt ftt, mm der Fremde die Thüre wieder hinter sich hat, aus Fenstern und Thüren hervorlugen unp ihn mit ihren Blicken so lange begleiten, bis er ihren Augen entschwunden ist. Wendet der Fremde jedoch sein Gesicht um, um rückwärts zu schauen, so schließen sie schnell wieder die Thüre, um ihm zum zweiten Male nachzusehen, wenn er seinen Weg wieder fortsetzt. Die Frauen der Karaer bestreichen wie die tartarischen Frauen ihre Fingernägel mit rother Schminke, die Jungfrauen bestreichen sogar ihr aupthaar damit, um seinen Glan z zu erhöhen, iese Farbe wird außerdem noch für heilig gehalten. Bon ihrem Haupthaar machen die Frauen oft 40—50 Zöpfe, mit welchem sie schleierartig das Gesicht derart umgeben, daß es kaum zu sehen ist. Kenntnisse und Fertigkeiten, die außerhalb der häuslichen Arbeiten liegen, sind ihnen fremd. Nicht eine einzige unter ihnen versteht in einem Gebetbuche zu beten und nur einige wenige besuchen am Sabbat und an Festtagen ihre Bethäuser. Die Frauen der Karaer haben einen hohe« Wuchs, kräftig gebauten Körper, schwarze, häßliche Gesichter, lange Nasen und Ohren, große rabenschwarze Augen und einen schwerfälligen, unbeholfenen Gang und eine häßlche Haltung. Ihre Sprache ist gedämpft, kommen aber mehrere Frauen an einem Orte zusammen. dann hört sich ihr Reden wie Gänsegeschnatter an. Die innere Einrichtung der karäischenkHäuser gleicht der der Tartaren. Der Fußboden »st mit Teppichen belegt, wer das Haus betritt, zieht seine Schuhe aus, damit der Fußboden nicht beschmutzt wird. Rings um die Wände sind niedere, mit weichen Sitzpolstern belegte Bänke angebracht. DüM Tische sind klein und niedrig wie unsere FußschemeW und befinden sich in einer Ecke des Zimmers, zu? Essenszeit stellt man den Tisch in die Mitte und alle Hausleute setzen sich um ihn herum auf die Erde, obwohl er nicht mehr als 3/< Ellen im Geviert hat. Alle Hausleute schlafen bei Nacht auf dem Fußboden. — Wie die Karäer das Silber lieben, lieben die Karäerivnen das Gold, auch die Armen schmücken sich^ckit goldenen Ringen und Ketten, welche aus der Türkei importirt werde». Die Gebräuche in der Synagoge. In verschiedenen Städten der Krim trage« die Karäer dieselbe Meldung rvlr Ut lixtacea, diese Tracht gilt als heilig bei ihnen und sie vertauschen sie niemals gegen die europäische. auch nicht im geringsten Stücke. In andern Städten achten sie darauf, in europäischer Kleidung nicht in'S BethauS zu kommen. Bei ihrem Eintritt in die Synagoge fallen sie auf's Knie und berühren wie die Tartaren mit ihrer Stirne den Fußboden. Ebenso knien siemehreremale bei jedem Gebete nieder, ganz wie die Tartaren. Der Vorbeter hüllt sich in den Talith, und fängt die erste Hälfte eines Verses zu singe« an, worauf die Gemeinde die zweite Hälfte anftimmt. Der Fußboden des Bethauses ist mit Teppiche« belegt und wird von der Gesammtgemeinde niemals betreten, denn es ist verboten, mil beschuhten Füße« einzutreten und die Besucher wollen gewöhnlich

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