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Der Israelit · 1879-01-29 · Heft 5 (29.1.1879) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 5 (29.1.1879)
Date
1879-01-29
Page
– (sequence 17)
Language
German
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<«M«»TsWf» tl' > >>z>>t!">IV«r-A' XX. Jahrgang. Zweite Leitagc zu Nr. 5 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. Das „Berliner Tageblatt" erzählt: „Die Damen Berlins können erleichtert aufathmen. Der von uns mehrfach erwähnte Mensch, welcher seit einiger Zeit an ihm vorübergehende Damen dadurch insultirte, daß er ihnen mit einem laut ausgerufenen „Pfui!" seinen Geifer ins Gesicht spie, ist seit gestern früh in polizeilichem Gewahrsam und wird fürs Erste wohl Niemanden mehr behelligen können. Nachdem er seit einer Woche sein empörendes Unwesen ungestraft getrieben — mehr als ein Dutzend Beschwerdebriefe insultirter Damen liegen uns in diesem Augenblicke vor — ereilte ihn endlich gestern früh die Strafe. Eine in der Königgrätzerstraße wohnende höchst respectable junge Dame ging in der Potsdamerftraße, zwischen Lützow- und Steglitzerstraße entlang, als der von uns mehrfach beschriebene Mann mit schwarzem Kalabreser ihr beim Vorübergehen zweimal hintereinander ins Gesicht spie. Aber das Bewußtsein seines Unrechts mußte er wohl haben, denn als er sah, daß die Dame sich schnell faßte und ihn durch einen in der Nähe befindlichen Schutzmann verhaften lassen wollte, entfloh er und versteckte sich in dem Keller eines in der Nähe befindlichen Weingeschäftes. Glücklicher Weise gelang es, seine Identität, nachdem man ihn dort hervorgeholt, leicht festzustellen, da er das Attentat auf die Dame unmittelbar nach Verlassen seiner in der Potsdamerstraße Nr. 37 gelegenen Wohnung ausgeführt hatte. Er wurde zur Pvlizei-Wache in der Frobenstraße gebracht und dort behalten. Die insultirte Dame, welch? sich dorthin ebenfalls begeben hatte, brach bei der Erzählung der ihr angethanen Schmach vor Erregung ohnmächtig zusammen. Der Polizeilieutenant hatte inzwischen aus Allem, was er hörte, die Ueberzeugung gewonnen, daß er es mit einem Irrsinnigen zu thun habe und ließ den Armenarzt des Reviers ersuchen, den Verhafteten zu untersuchen. Wir haben über den seltsamen Menschen ferner Folgendes ermittelt: Joseph Mendelssohn ist jetzt 53 Jahre alt. Er stammt aus der Gegend von Deutsch Eylau. In Berlin hat er keine Angehörigen. Seine Bildung ist eine durchaus mangelhafte. Ueber sein Vorleben ist wenig bekannt. Er verließ die Heimath, wie er selbst sagt, „weil er sich mit der Polizei nicht vertragen konnte." Dann brachte er lange Zeit in England und Amerika zu. In letzterem Lande ernährte er sich durch Hausiren und scheint dort den Grund zu einem hübschen Vermögen gelegt zu haben. Er erwarb dort das Bürgerrecht und kehrte vor drei Jahren nach Deutschland zurück, um sich in Berlin niederzulassen. Aber ganz so, wie er gewesen, kehrte er doch nicht wieder. Er ging als Jude und kam als Christ. In Amerika hatten Missionäre sich seiner „angenommen'- und ihn bekehrt. Mag sein, daß diese Verwandlung später ihm viel Grund zum Nachdenken gegeben, genug, sein Geist, der im Uebrigen durchaus klar geblieben, verwirrte sich gerade in Bezug auf Alles, was die Religion berührt. Er bildet sich nicht nur ein, niemals Jude gewesen zu sein, sondern hält eS auch für seine heilige Aufgabe, zur Ausrottung der Juden beizutragen. So ist er denn ein eifriger Kirchengänger geworden — er besucht täglich die Kirche, gleichviel ob eine protestantische oder katholische, und ist auch eifriger Gast in Gebetversammlungen — im Uebrigen geifert er gegen die Juden. In seinem Zimmer liegen die dicken Hefte voll von ihm selbst verfaßten Judenhetzartikeln, die in entsetzlichem Deutsch geschrieben sind und zu denen er das Material aus den bei ihm zahlreich vertretenen Büchern schöpft, die im Verlage von weiland Marc Anton Niendorf erschienen sind. „Ich spucke auf die Juden" war sicher bei ihm nur eine Redensart, durch welche er seine Geringschätzung ausdrücken wollte. In letzterer Zeit hat er diese Redensart ins Praktische übersetzt. Jede Dame, die ihm begegnet und die er für eine Jüdin hält, wird von ihm angespien. Es ist ein ganz besonderer Zufall, daß trotzdem meistens Nicht-Jüdinnen von diesen schändlichen Angriffen betroffen worden sind. Aber auch Männer begeiferte er in dieser Weise. Von einem Augenzeugen erfahren wir, daß er diesen gegenüber jedoch eine Feigheit an den Tag legt, indem er ihnen auf den Rücken speit, so daß die Betroffenen im Augenblick nichts davon merken. — Seine Wirthin beklagt sich darüber, daß er kürzlich auch angefangen habe, in ihrem Laden die

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