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Der Israelit · 1879-01-22 · Heft 4 (22.1.1879) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 4 (22.1.1879)
Date
1879-01-22
Page
– (sequence 27)
Language
German
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99 Berg. Im Jahre 1447 ersucht der Herzog den Rath von Cöln, diesen seinen Leibmedikus -jahraus, jahrein gleich andern bergischen Unterhanen Geleit zu geben, was die Stadt aber ablehnte. — Infolge der Soester Fehde kam Anfangs Mai 1445 eine Schaar Clevischer Reiter sengend und plündernd nach Mühlheim und Deutz, nahmen die Schultheißen und andere Bürger, sowie die reichsten Juden gefangen, steckten die Ortschaften in Brand und zogen sich mit dem Raube nach Westfalen zurück. — Auf die Aussage einer Zigeunerin in Siegburg, ihre Leute hätten bei Blanrenberg ein Christenkind gestohlen, das den Juden verkauft werden sollte, zog sich um 1400 ein abermaliges Gewitter über die Juden dieser Gegend zusammen. Die Bürgermeister sandten sofort Boten nach Deutz, Blankenberg und andern Orten des bergischen Landes, die Zigeuner wurden verhaftet und das peinliche Verhör bestätigte die Erfindung dieses Mährchens und die Juden kamen diesmal mit dem bloßen Schrecken davon. Anno 1588 brach in Deutz ein großer Brand aus,! welcher beinahe alle Judenhäuser einäscherte. Die hart Betroffenen vermochten nur wenig von ihren Hab- 1 seligkerten auf t>ie &d)iffe $n retten — Bei der Einnahme von Deutz durch die truchseffschen Truppen im Jahre 1583 suchten und fanden die Juden gegen die Zahlung einer sehr hohen Steuer Schutz in Cöln. Sie wohnten dort alle in einem Hause der Trankgasse zusammengepfercht und als die Gefahr vorüber war, mußten sie wieder hinaus. — Die stete Unsicherheit in j Deutz war die Veranlassung, daß der Sitz des Land-! rabbinats im 16. Jahrhundert nach Bonn verlegt wurde. Deutz blieb aber nach wie vor der Sitz der Wissenschaft, hier blühten viele jüd. Aerzte und Privatgelehrte. Im 16. Jahrhundert lebte hier der Arzt Sander, dem auf Ansuchen des Ritters Johann von Nesselrode, Herrn zu Palsterbamp, vom Kölner Rath der Eintritt in Cöln gestattet war. Ferner wird in demselben Jahrhundert der Arzt Salomo ben. Jsac Joseph fgeb 1560 gest. 1631) genannt. Dessen Sohn David Jsai (st. 1757) war noch bedeutender und wurde von den Kölner Bügern oft in Anspruch genommen. Im Jahre 1634 ersuchte der Bürger Peter Mahler den Rath um Geleit für den Doktor von Deutz, um ihn in seiner Krankheit zu visitiren Der Rath bewilligte das Geleit dergestalt, daß der Judendoktor jedesmal in Begleitung eines Stadtboten sein müsse und in Cöln nicht übernachten dürfe. In der Folge wurde dem genannten Doktor noch oft der freie Eintritt in Cöln gestattet. Im 17. Jahrhundert lebten in Deutz die Aerzte: Juda Löb ben Nathan (st. 1670), Jakob ben David (st. 1688), Jermia, Sohn des Arztes Salomon aus Coblcnz (st. 1688), Abraham ben ffiafaet, <&d)ivei%er (st. 1730) und selbst eine Aerztin Vogel (st. 1731). Unter den jüdischen Priratgelehrten, die in Deutz blühten, verdient die Familie Koßmann ha Levi besonderer Erwähnung. R. Mose Koßmann und sein Bruder Juda waren in Essen geboren und mußte bei einer zu Anfang des 17. Jahrhunderts durch ganz Westphaten statthabende Verfolgung entfliehen. (For setzung folgt.) ANZEIGEN. Für den folgenden Theil ist die Reduction nicht verantwortlich. Jüachruf! I Durch den Tod unserer lieben und hoch verehrten Collegen, des Herrn Rabbiners Di°. Frenkel in Frankfurt a. M., ist uns einer unserer würdigsten, eifrigsten und thätigsten Mitarbeiter in der Verwaltung der unserer Fürsorge anvertrauten Bildungsstätte jüdischer Lehrer nach Gottes unerforschlichem Rathschlusfe entrissen worden. Die Erhaltung und Förderung unserer Anstalt und ihrer humanen, religiösen und wissenschaftlichen Bildungszwecke, in welchen sein klarer, scharfblickender Geist und sein für alles jüdische Interesse erglühtes und liebevolles Herz die Verwirklichung seiner höchsten und heiligsten Lebensideale erkannte, war seit Jahren und bis zu den letzten Tagen seines allem Edeln zugewandten Erdendaseins der Gegenstand seiner ununterbrochenen Thätigkeit und Fürsorge, und im buchstäblichen Sinne des Wortes erblickte er in dieser Thätigkeit die Erfüllung seiner ganzen Lebensaufgabe. Durch eine Deputation von drei Mitgliedern unseres Verwaltungskörpers beim Leichenbegängnisse vertreten, war es uns, wie allen übrigen zahlreichen Freunden und Verehrern des Entschlafenen, in Folge seiner letztwilligen Verfügung nicht vergönnt, an seinem Grabe den Gefühlen unseres gerechten und tiefen Schmerzes, unseres innigen Dankes und unserer unbegrenzten Verehrung Ausdruck zu verleihen.

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