Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1879)
- Date
- 1879-01-22
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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XX. Jahrgang. Dritte Geilage zu Ar. 4 -es Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. CobleNZ. In dem benachbarten Sayn, Bürgermeisterei Bendorf, fand am 3 Januar cr. -ie Neuwahl von sechs Gemeinderathsmitgliedern statt. Unter diesen wurden auch zwei Israeliten, Herr M. Jacoby, Besitzer der isr. Heil- und Pflege- Anstalt für Nerven- und G-müthskranke, sowie dessen Anstaltsarzt Herr Dr. Behrendt mit großer Stimmenmehrheit in verschiedenen Klassen gewählt. Es ist dies um so mehr hervorzuheben, da an diesem Orte nur fünf jüdische Familien wohnen, und der größte Theil der Bevöllerung bisher an Toleranz noch viel zu wünschen übrig ließ. Cassel. Die Veröffentlichung einer den Herrn Rabbiner vr. Ehr mann betreffende Notiz war in Folge mir gewordener Mittheilung geschehen, deren Wahrheit ich nicht bezweifleu zu dürfen glaubte. Nachdem ich nun die Ueberzeugung gewonnen habe, daß ich nicht der Wahrheit gemäß berichtet wurde, bedauere ich recht sehr die Veröffentlichung und nehme sie hiermit als nicht geschehen zurück. Cassel, 12. Januar 1879. vr. Adler. In Folge obiger Erklärung sehe auch ich mich veranlaßt, meine Erklärung gegen den Herrn Land- Rabbiner vr. Adler in Nr. 51 des „Israelit" vor. I. hiermit vollständig zurückzunehmen. Cassel, 14. Januar 1879. vr. Ehr mann. Oesterr. - Ungarische Monarchie. Ungar« Herr M o r. H o s n e r, nsiD, in Ragendorf hat im Jahre 1877 eine min isd nach Hamburg geliefert, die so schön geschrieben ist, daß demselben als Anerkennung die silberne Auszeichnungsmedaille zugestellt worden ist, ein Beweis,; wie empfehlrnswerth dessen Arbeiten sind. Z.! F t u i X l t t o ii. Iur Keschichle der Juden im bergischen Lande. Bon Carl Brisch. Nur Weniges ist bis jetzt über unsere Glaubensgenossen dieser gewerbreichen Gegend in die Oeffentlichkeit gedrungen; ihre Geschichte ist in fast undurchdringliches Dunkel gehüllt. Wenn auch unsere Urahnen in grauer Vorzeit vorzugsweise die großen linksrheinischen Städte mit besonderer Vorliebe zu ihren Niederlassungen wählten, so finden wir doch schon hin und wieder im 12. Jahrhundert jüdische Colonien auch auf dem rechten User. In Dörfern, die heute kaum dem Namen nach bekannt sind und fernab von allem Getriebe und Weltverkehr liegen, wo seit Menschengedenken kein Jude wohnt, finden wir Spuren einstiger blühender Gemeinden. Im Dorfe Rath ist heute noch eine Judengasse vorhanden, deren altersgrauen Hütten manches Rärhsel lösen könnten, wenn sie zu sprechen vermöchten. Wie alt wohl diese Judenhäuser sein mögen, erhällt zum Theil daraus, daß die Balken einiger derselben von Wachholderholz sind, und wie bekannt, in den letzten Jahrhunderten dieses nur noch als Strauch vorkommt und nicht mehr die Dicke erreicht, um als Bauholz benützt zu werden. In alten Zeiten floß ein Arm des Rheines, sich oberhalb Cöln abzweigend, an dem Dorfe vorüber, der sich unterhalb Mülheim wieder mit dem Hauptstrom vereinigte. Diese Wasserstraße wurde von den Bergischen zur Umgehung des drückenden Cöllner Zolles stork benutzt, der rege Verkehr in Rath war die Veranlassung zur Gründung einer jüdischen Colonie. Juden aus k-p' Roth oder Rath begegnen uns öfters in der Geschichte der Stadt Cöln, so erwirbt sich z B. Samuel aus Rath um die Mitte des 13. Jahrhunderts ein Haus in Cöln. Der Rheinarm ist längst versandet, nur ein Hohlweg zeigt uns noch seinen ehemaligen Lauf, und die Juden sind spurlos versch wunden. Gleichwie in Rath wohnten auch in Uhrbach Glaubensgenossen. Eine andere wichtige Notiz über die jüdischen Bewohner des bergischen Landes datirt aus dem Jahre 1298. Der raubritterliche Edelmann Rindfleisch mit seiner Blutrotte drangen aus