Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1879)
- Date
- 1879-01-22
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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90 aufrichtiger Zerknirschung, daß der Rabbiner sich zu seiner Aufnahme bereit erklärte, wenn er sich der ihm aufzulegenden Bußübung unterziehe und ein öffentliches Bekenntniß seines Fehltrittes und seiner Reue ablege. Er willigte hierein und veröffentlichte ein reuemüthiges Bekenntniß in einem öffentlichen Blatte. Er wurde hierauf wieder in das Judenthum ausgenommen und an seinem Sohn wurde der Act der Beschneidung vollzogen. Er errichtete eine Buchhandlung in einem außerhalb des Judenviertels belegeven Hause und lebte einige Zeit als strengfrommer Jude. Nach Verlauf einiger Jahre bemerkte man, daß stets auffallend viele christliche Geistliche in seinem Laden verkehrten und in dem Schaufenster desselben vorzugsweise christologische Bücher und Bilder ausgestellt waren. Bald erschien auch wieder von ihm eine Erklärung in demseben öffentlichen Blatte, des Inhaltes, daß seine Rückkehr zum Judenthume nur Schein gewesen und nur geschehen sei, damit sein Sohn, in welchem der Messias wieder geboren worden sei, die dem jüdischen Ritus vollständig entsprechende Beschneidung erhalte, da auch der Stifter der christlichen Religion diese erhalten habe. Man hatte es also yier mit einem Manne gestörten Geistes zu thun. Er litt an einer fi'.en religiösen Idee, an religiösem Wahnsinn. Der Vorgang erregte Aufsehen und bei Vielen auch Aergerniß. Eines Tages überfiel man das Haus des Cohn und demolirte in demselben Alles, was demolirbar war. Cohn verließ darauf Amsterdam. Es ging später das Gerücht, er habe sich wieder nach England gewendet und bei seiner früheren Gemeinde wieder ein Unterkommen gesucht, sei von dieser aber abgewiesen worden. Üeber sein weiteres Verbleiben ist nichts bekannt geworden. Gelingen. Der Bericht vom 1. Juni 1877 bis 78 über das hiesige israel. Waisenhaus Württembergs, „Wilhelmspflege", ist soeben ausgegeben worden. Der langjährige Vorstand dieser Anstalt, Herr Hofrath, Stadtrath u. würt. Oberkirchenvorsteher Ad. Levi in Stuttgart, spricht über das Jahresergebniß, wie in materieller so in sittlicher und geistiger Beziehung seine volle Befriedigung aus. Es war die Wilhelmspflege mit vollem Eifer bestrebt, die armen, verwaisten, ihrer Obhut anvertrauten Kinder — deren jüngst 4 ausgetreten und ebenso viele neu ausgenommen worden sind, so daß derzeit 26 Zöglinge die Wohlthaten des Instituts genießen — welche in ihren heimischen Verhältnissen leicht der Verkümmerung oder Verwahrlosung verfallen wären, zu sittlich guten und brauchbaren Menschen und Israeliten zu bilden und zu erziehen Trotz der Ungunst der Zeiten durfte sich diese doch wieder so reichlicher Zuflüsse erfreuen, daß ihrem Grundcapital durch die gemachte Erübrigung ein hübscher Zuwachs angedieh. Die Einnahme beläuft sich auf 31,567 M. 32 Pf. Darunter befinden sich 4260 M. Stiftungen, 79 l4 M. 4 Pf. freiwillige Beiträge und 8606 M. 1l Pf. Activcapitalzinse. Die Ausgaben betragen 29,208 M. 62 Pf. Das Vermögen hat Heuer um 7558 M. 12 Pf zugenommen und betrug vom 31. Mai v. I. — ausschließlich des Werthes Oes Grundbesitzes von 28,800 M. — 176,770 M. 61 Pf. Aus dem Ertrag der Goldschmidt'schen Stiftung werden nebenbei Krankenpflegerinnen kostenfrei ordnungsmäßig ausgebildet und ergeht deßhalv alljährlich zur Anmeldung für diesen Dienst öffentliche Aufforderung. Möchte auch in Zukunft der wohlthätige und religiöse Zweck der Wilhelmspflege ungehemmt und unentwegt von den Freunden und Gönnern derselben verfolgt und dabei immer höher gesteckte Ziele dem barmherzigen Sinn vor Augen gestellt werden. Gelegenheitlich der Ueberreichung der Rechenschaftsberichte über dieses und das Lehrerwittwen- Unterstützungs-Jnstitut haben Se. Majestät unser König auf 1879 dem Waisenhaus 175 M. und die Königin Olga dem Lehrerverein 45 M. gnädigst zugewendet. (Beim Schluffe der Redaction geht uns ein Schmäh - Artikel der in Stuttgart erscheinenden Zeitung „Die neue Zeit" zu, welcher den hier besprochenen Bericht des isr. Waisenhauses zu Eßlingen zum Ausgangspunkte nimmt; darüber, s. G. w., in nächster Nummer. — Red.) ANZEIGEN. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. us dem Nachlasse meines verewigten Vaters, R. Loser Blüthb"i ist eine neue mir. -ibd, ca. 45 Cm. hoch, sowie eine ältere aber noch gut erhaltene desgl. zu mäßigen Preisen zu verkaufen. Reflectanten wollen sich an mich wenden. Gleichzeitig empfehle ich mich für alle in das isio-Fach einschlagenden Arbeiten, auch Vorzeichnungen für Grabschriften, Anfertigung von mso u. dergl. Juda Blüth, Thoraschreiber. 93) Stadt-Lengsfeld, Großherzogth. Weimar.