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Der Israelit · 1879-01-22 · Heft 4 (22.1.1879) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 4 (22.1.1879)
Date
1879-01-22
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XX. Jahrgang. Zweite Leilage zu Nr. 4 des Israelit. ^eiEunlr'SncrcdriLLrten und Correfpondenze^. Deutschland. Aus Thüringen- Es wurde in jüngster Zeit in den isr. Blattern viel die Frage der Proselytenaufnahme besprochen. Daß unsere Weisen den Vvrtheil, welcher dem Judenthume aus dem Zuwachse durch Proselyten entsteht, sehr gering anschlagen, ist bekannt. Das jüdische Gesetz ist nur für Juden verbindlich, und die volle Ueberzeugungstreue gibt dcr Ausübung erst ihren wahren Werth'! 'yn 7i^ w&m „Gott sieht aufs Herz!" Und dieser Ueberzeugungstreue soll man nach dem Willen unserer Alten sich bei den Zutretenden auch erst versichern, bevor man sie in den Bund Israels ausnimmt. Es waren ja Proselyten, durch welche einst eine unserer glanzvollsten GeschichtLperioden einen so traurigen Abschluß gefunden hat. Hätte Einer der Hasmonäer nicht, wohl weniger aus Bekehrungssucht, als aus Politik einem benachbarten Volksstamme gewaltsam das Judenthum aufgedrängt, so hätten wir keinen Antipatcr und keinen Herodes in unserer Geschichte zu verzeichnen. Das mag nicht wenig die Antipathie unserer Weisen gegen Proselyten gefördert haben. Diese Betrachtung drängte sich mir unwillkührlich an dem, dem Andenken an die Großthaten der Hasmonäer und an die durch diese uns zu Theil gewordene göttliche Hilfe gewidmeten Chanukafeste auf. Indessen dürfte es doch wohl der ernsten Erwägung werth i sein, ob die vollständige Weigerung mancher! Rabbinen der Proselytenaufnahme gegenüber im! Rechte ist, und ob nicht in vielen Fällen die mil-! dere Praxis Hillens und der Ausspruch unserer j Weisen ib ihd'? N:in „den religiöse Läute-! rung Suchenden fördere man" mehr Berechtigung - hat. Ich bin jedoch weit entfernt, mir hierüber! ein Urtheil anzumaßen. In meinem Gedächtnisse! tauchte aber bei dem in mir hervorgerufenen Ge- > dankengange eine sonderbare Proselytengeschichte! auf, welche mir vor einiger Zeit von sehr glaubwürdiger Seite mitgetheilt wurde, und diese ist es, welche ich dem Leserkreise dieses geschätzten Blattes mittheilen will. Vor etwa 60—70 Jahren lebte in Amsterdam ein junger, elternloser Mensch, welcher bis z» sei- I nem 15. Jahre sehr eifrig dem Talmudftudium obi gelegen hatte und ein scharfer niro geworden war. In semem 15. Jahre begann er ein Handwerk zu erlernen, besuchte aber in freien Stunden, das Talmudstudium fortsetzend, immer noch das Lehrhaus, was damals in Amsterdam nichts Außergewöhnliches war. Das -pn Dy rmn ns’ „Es ist schön das Studium des Gesetzes mit weltlicher Beschäftigung zu verbinden", fand damals in Amsterdam, und nicht dort allein, noch seine! volle Bewahrheitung. Nachdem der junge Mann,! den wir Cohn nennen wollen, da mir sein wirklicher Name entfallen ist, seine Handwerkslehrzeit überstanden hatte, ging er in die Fremde. Da er auch keine Ges-Dwister hatte, so ließ er nie Etwas von sich hören und war bald verschollen. Nach einer langen Reihe von Jahren sah man bei jedem Morgen- und bei jedem Abendgottesdienste in der Hauptsynagvge in Amsterdam einen sehr anständig gekleideten Mann, der durch sein regelmäßiges Besuchen des Gottesdienstes und sein andächtiges Beten auffiel. Es kannte ihn Niemand und doch kam er Allen bekannt vor. Er hielt sich sehr zurückgezogen und verkehrte mit Niemanden. Eines Tages erschien er bei dem Rabbinen und gab fich als den für verschollen gehaltenen Cohen zu erkennen, indem er zugleich seine Lebensgeschichte in folgender Weise erzählte: Nach seinem Weggange von Amsterdam habe er einige Jahre in seinem Handwerke auf dem Festlande gearbeitet und sei darauf nach England gegangen. Hier habe er nach mehrjährigem Aufenthalte und nachdem er zum Christenthume übergetreten sei, ein Christenmädchen geheirathet und sei Prediger bei einer christl. Secte geworden. Aus seiner Ehe seien sechs Kinder hervorgegangen, welche bis auf einen jetzt zehnjährigen Knaben wieder gestorben seien. Auch seine Frau habe er durch den Tod verloren. Da er seinen Abfall von der väterlichen Religion bereue, so sei ersetzt mit seinem Sohne nach Amsterdam gekommen, um zum Judenthum zurückzukehren und auch sein Kind demselben zuzuführen. Seine Reue datire nicht von heute und nicht von gestern, sondern quäle ihn schon jahrelang und er habe an seinen verstorbenen männlichen Kindern vor ihrer Beerdigung im Geheimen den Act der Beschneidung vollzogen. Sein Bekenntniß trug so sehr den Stempel

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