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Der Israelit · 1878-12-25 · Heft 52 (25.12.1878) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 52 (25.12.1878)
Date
1878-12-25
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XIX. Jahrgang. Zweite Äeilage M Ar. 52 des Israelit. Zeitungsnachrichten 8f Correfpondenzerk. Deutschland. Berlin im Tecember. Es ist eine merkwürdige Erscheinung, daß gewisse politische Parteien den Verhältnissen der Juden und ihrem socialen Leben neuerdings eine besondere Aufmerksamkeit zuwenden. Besonders zeigt sich dies in der Taktik der Centramsfraction des preußischen Landtages und es ist kein Wunder, daß derselben von gleichgesinnten Parteien tüchtig sccundirt wird. So haben wir vor einigen Wochen aus dem Schooße des Centrums den Antrag auf Wiedereinführung der Wuchergesetze einbringen sehen, deren Aufhebung bekanntlich eine der bedeutsamsten Errungenschaften der liberalen Politik des Fürsten Bismarck bildet und zur Zeit als Beginn einer neuen freiheitlichen Aera begrüßt wurde. Es liegt klar zu Tage, daß jener Antrag die uneingeschränkte Entwickelung von Handel und Industrie, die allerdings in den Juden ihre eifrigsten und kräftigsten Vertretung und Förderung finden hemmen und zu Gunsten erncs Theils der Bevölkerung, der durch unwtrthschaftliche und unsolide Speculationen, durch Leichtsinn und Verschwendung in die Hände von Wucherern gerätsen, len socialen Fortschritt des preußischen Volkes aufhalten wollte. Es ist in der durchaus umsichtigen und klugen Taktik jener Männer begründet, mit ihren Endabsichten ein wenig zurückzuhalten, und deshalb trug der Antrag jenen allgemeinen Charakter, der von Gehässigkeit gegen das Judenthum nur wenig verrieth. Aber was der Antragsteller zu verbergen wußte, sollte von fernem streitbaren Secundanten. Herr« Schröder — Lippstadt — erläutert werden. Dieser erklärte, obwohl er unter den Juden mehrere höchst achtbare Männer zu seinen Freunden zähle, hätten die Inden dennoch einen allzugroßen Druck auf die ärmere Bevölkerung ausgeübt, und im Besitze des Capitals sich deren Schwäche und Noth zu Nutz gemacht. Es ist bekannt, welchen Aweck derartige Anträge und Illustrationen verfolgen; natürlich nur, um den unverständigen und ungebildeten Wählern das Interesse dieser Herren für ihre gedrückte sociale Stellung zu demonstriren und sich deren Sympathien auch für die Zukunft zu sichern. Denn im Ernste konnten der Antragsteller und seine Gesinnungsgenossen doch wohl das Judenthum allein nicht verantwortlich machen für die Misere, in der sich Handel und Gewerbe befinden; konnten nicht glauben, daß sie irgendwo anders als bei den gleichfarbigen Genossen, die aus der rechten Seite des Hauses ihren Platz haben, Unterstützung finden werden. Es ist ja längst eine abgethane Sache; nachdem Männer wie Schleiden und Kolkmann die Bedeutung der Juden für das sociale Leben des Volkes in so vortrefflicher und vorurtheilsloser Weise der gebildeten Welt lagethan haben, ist es männiglich bekannt, was von den Ausführungen eines Rohling und Willmanns zu halten ist. So verwerflich jeder gewissenhafte und gerechte Mensch den Druck finden wird , der durch übermäßige Wucher - Zinsen auf die ärmere Classe ausgeübt wird, ebenso sehr wird man. um gerecht zu sein, nicht das Judenthum verantwortlich machen können, wenn einzelne Bekenner desselben, in solchem Erwerb ihren Gewinn suchen; als ob das Christenthum die Schuld daran trage, daß der bei Weitem größte Theil der Diebe und Mörder und Hochverräter Christen sind. Das Judenthum als solches lehnt jede Theiluahme an derartigen Auswüchsen gesellschaftlichen Lebens ab und zeigt in seinem biblischen und nachbiblischen Schriftthum tausende von Beispielen, in denen jenes Verfahren auf's Schärfste verurtheit wird. Interessant ist cs wahrlich, wie das Centrumsmitglied v. Heeremann sich in einer jüngsten Landtagsverhandlung daraus beruft, daß die katholische Bevölkerung mehrere Provinzen denselben Anspruch darauf hätten, daß die Regierung für die Erhaltung rhres heiligsten Gutes eintrete, wie etwa die Juden in Rumänien. Hier zeigt sich deutlich die Nemesis der Geschichte, der göttliche Fingerzeig! der Vorsehung. Wie lang ist es her. daß diese , Herren die Juden noch für eine Classe von Geschöpfen erklärten, die der Sympathie und Berücksichtigung eines Andern gar nicht würdig wäre! Berlin. Der Verwaltungsbericht der jüdischen Gemeinde für das abgelaufcne Etatsjahr ist soeben erschienen, derselbe balancirt in den Gesammteinnahmen und Ausgaben mit 518,630 M. 84 Pf. Die weitaus größten Ausgaben entfallen

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