Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1878)
- Date
- 1878-12-11
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XIX. Jahrgang. Zweite Beilage zu Ur. 50 -es Israelit. Leitender Artikel. Literarischer Bericht. Der oberste Gerichtshof in der Stadt des Heiligthums. Eine Abhandlung von Dr. D. Hoffmann, Docent am Rabbinerseminar zu Berlin. Diese neueste Schöpfung des bekannten genialen Meisters auf pentateuch-exegetischem Gebiete, wurde bereits vom Verf. des literarischen Berichtes in Nr. 46 des „Israelit" rühmend hervorgehoben. Derselbe hat es jedoch unterlassen in diese großartigen Arbeit selbst etwas näher einzugehen, sondern sich lediglich auf die Erwähnung der Person) des ehrenwerthen Verfassers beschränkt, und auf den von demselben am Rabbinerseminar in mustergiltiger Weise geleiteten Unterrichte. Diese Arbeit verdient es jedoch, daß man etwas näher auf dieselbe zurückkomme, dem geehrten Leser einige Stellen aus dem hier behandeltem Stoffe vorfuhre, nicht etwa, weil dergleichen Arbeiten, die von den Dogmen, die das practifche Leben berühren ganz abstrahiren, und sich lediglich die Erforschung der bestandenen Institutionen zur Blüthezeit Israels zum Geaenstanve ihrer Untersuchungen machen — etwas Seltenes wären, sondern weil man bei derartigen Arbeiten gewohnt ist, an Stelle der tiefdurchdachten Ansichten unsrer Weisen, den mit unverantwortlicher Gleichgültigkeit hingesetzten Hypothesen und Deuteleien zu begegnen, — während es das Bestreben obigen schätzenSwerthen Verfassers „diese Alten durch vielfache Angriffe verschütteten und unsichtbar gewordenen Quellen ans Tageslicht zu fördern." Der Vers, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die hohe Wichtigkeit des Synhedriums für das Judenthum, seine bedeutende Stellung im jüdischen Staate, dessen unberechenbaren Einfluß auf den Gang der jüdischen Geschichte zu untersuchen und llarzulegen, und schreitet zunächst zur Beantwortung der wichtigen principiellen Frage: ob die Thora den Entscheidungen des Obergerichtes unbedingte Giltigkeit zuspricht oder nicht. Die Erläuterung dieser Frage führt den Verfasser zu allererst auf dem Wege der Tradition, wo sich anscheinend dießbezüglich widersprechende Meinungen vorfinden. So bemerkt nämlich Sifri zu den Worten (Deut. 17. 11) po» wie folgt: 81.10 PO' tyl PO' «in» 'ZttDtff bp VW DHOD 'S8 Dr6 pQlv fast gleichlautend citirt Jalkut. Diesem Ausspruche steht aber ein anderer in Jeruschalmi Horijoth entgegen, wo selbst es heißt: 81.1S1' b8OL» tyl bXDW Miner PO' bp Nv8' D8 >2' PO' noK’w -8OL1 PO' >"51 or6 yüwn PO' V'180® ^8Dt£f tyi PO' wnw Zur Lösung dieses Widerspruches bringt der Verf. zunächst die Ansicht des Rabbi Elieser au- Metz (□\so’n ">2d) MiSrachi u. a., die sich an das -)'Z'p2 v'8iv des Sifri halten. Demnach wäre nur dann Gehorsam verlangt, wenn das Synhedrium scheinbar geirrt hätte. Wie — fragt aber der Verf. — wie ist der einzelne competent zu entscheiden, ob das Obergericht wirklich geirrt hätte oder nicht? Der Weise, der sich dem Hohepriester widersetzt, mag immerhin von dessen Jrrthum vollständig überzeugt sein, doch wie vermag seine subjective Ueberzeugung die Insubordination zu entschuldigen? Die Frage wäre sehr richtig, wenn die Lesart D'8-io richtig einen Unterschied zwischen scheinbaren und überzeugten Jrrthümern machen wollte. Dies scheint uns jedoch nicht der Fall. Der Ausdruck TW Q,4n’ — und nicht d-k-ü wie nach Erklärung des Berf. stehen müßte — scheint nur andeuten zu wollen, daß wenn die Synhedrim eine sich widersprechende unfaßbare Entscheidung erlieste man ihnen nicht Folge leisten müsse, bis sie dieselbe begründet. Haben sie jedoch ihre Ansicht klargelegt, wenn auch diese k-qo womit sie diese ihre getroffene Entscheidung begründen, mir falsch schiene, so muß der Einzelne in frommer Voraussetzung, daß den Synhedrim die wahre Erleuchtung von Gott wird, sich der Entscheidung derselben und ihrer Begründung anschließen. Diese höchst einfache Erklärung der von Misrachi Beer Scheba u. m. a. urgirten Lesart i'J'yu O'8iv gewinnt an .Wahrscheinlichkeit, wenn man (Bechoroth 45) dazu vergleicht wo n"i $nn uo-i wuy den Ausspruch thut na v*v rnn» b.182 8QÖQ nj'KI JNOD 8OVO plDä 82 P81 O8P wie ruft um» 'i entrüstet ihm entgegen O.i'iai wy 'oi j'do nuvoj nm worauf Tosaphot (Erubin 60b) bemerkt, daß wenn obiger Ausspruch durch irgend welche k-qo begründet gewesen wäre, dieser Ausruf pm» 'i nur lobend aufzufassen wäre: ibre p8