Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1878)
- Date
- 1878-12-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2447747-2447794--15597-2471552- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1228 Hat „Der Israelit" in seinen leitenden Artikeln jedwede religiöse Frage, die im Laufe der zwei jüngstverflossenen Jahrzehnte hervorgetreten, erörtert und zubeantworten gesucht, hat er in Bezug auf die Erhabenheit, Wichtigkeit und Bedeutung unsrer religiösen Feste, unsrer Gesetzesvorschriften, unsrer Institutionen Belehrung und Erhebung in die weitesten Kreise getragen, so hat er auch andrerseits durch Correspondenzen und Nachrichten aus allen Ländern der Erde daS Bewußtsein von der Zusammengehörigkeit des jüdischen Stammes aufrecht erhalten, ja theilweise erst erweckt. Einen hervorragenden Antheil hieran haben auch die großartigen Sammlungen, welche der milde, wohlthatige Sinn unsrer geehrten Leser so herrliche Früchte hat tragen lassen. Da ist kein Nothruf aus der Nähe oder aus der Ferne, der nicht seinen Wiederhall in den edlen jüdischen Herzen und in Folge dessen thatsächliche Beihilfe findet. So wurden uns dieser Tage durch Vermittelung des ehrwürdigen Herrn Kreisrabbiners Wetzlar gegenwärtig zu Frankfurt a. M., 260 Mark übersendet, welche ein Leser des „Israelit" im fernsten Süden, in der Capstadt für den hundertjährigen Greis in Falkenberg in Hessen gesammelt hat. So weit dringt eine im „Israelit" ausgesprochene Bitte und in so weiter Ferne erzielt sie schöne Erfolge. Auch die Erzählungen im Feuilleton sind. G. s. D., von großer Wirkung. Da werden edle Gestalten aus der Vergangenheit und Gegenwart vvrgeführt. Beispiel gebend, zur Nachahmung aneifernd. Große Männer und grauen unsres Volkes, die vor Jahrhunderten unendlich viel Gutes gewirkt und geleistet, werden der Vergessenheit entrissen, und nach Jahrhunderten klingen ihre Worte und ihre Thaten dem späten Enkel wieder, ihn dazu begeisternd, auch seine Kraft der großen und edlen Sache des Judenthums zu widmen. Wir erinnern nur an den „Königlichen Residenten, Rabbi Bärmann von Halberstadt," an die edle Tochter Juda's, „Ester Chiera," an den Befehls Haber und Regierer der gesammten Judenheit deutscher Nation, „Rabbi Joselmann von Rosheim". Wie es Israel niemals an edlen, aufopferungsfähigen Männern und Frauen gefehlt hat, so fehlen sie unserem Volke auch heute nicht. Durch große Beispiele zur Nacheiferung zu erwecken, das haben wir uns in unfern Feuilleton. Erzähluugen zur Aufgabe gestellt. Möge uns der allgütige Gott auch in den kommenden Jahrzehnten Kraft und Ausdauer verleihen, die heilige Fahne des Judenthums hochzuhalten und die Getreuen um dieselbe zu schaaren. *pyD' P'LvI EHipD y>TJ? llbki" „Er wird senden Deine Hilfe aus dem Heiligthume und von Zion aus wird Er Dich stützen." Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Mainz, 6. Dec. Von den bei uns eigegangenen Spenden haben wir heute wieder nach Erlau, Mad, Miskolcz, Sefardim-Gemeinde in Miskolcz und nach Stadt Lengsfeld die Gesammtfumme von Mk. 4116 abgesandt. Schnaitach, 2. Dec. Nach dem Berichte aus Preßdurg in Nr. 48 des „Israelit^ walten über den Ursprung der dortigen Silte, von Seiten der Cultusgemeinde alljährlich dem Staatsoberhaupt „Martinsgänse" zu überreichen, verschiedene Erklärungen. Man wird jedoch nicht fehlgehen, wenn man in diesem Gebrauch einen Ueberrcft der alten Judensteuern erblickt, welcher nach Aushebung des Zwanges von der jüdischen Loyalität freiwillig beibehalten und später als ein Vorrecht aufgefaßt worden ist. Diese Ansicht wird in mir wachgerufen durch zwei in dem hiesigen isr. Gemeindearchiv sich befindliche Schutzbriefe aus den Jahren 1645 und 1665. Der erstere, nur in Abschrift vorhanden, ist von den fränkischen Gau-Erben (einem mittelalterlichen Adelsverband) ausgestellt, welche damals Herren des Rothenberg waren, ei-er Festung (jetzt Ruine) auf dem Gipfel des gleichnamigen Berges, an dessen Fuße Schnaittach liegt. Der Schutzbrief v. I. 166b ist von dem bayr. Curfürsten Ferdinand Maria und den Gau-Erben gemeinschaftlich gegeben, da Curbayern zu dieser Zeit die Oberhoheit über den Rothenberg hatte. In diesen beiden Schutzbriefen spielt nun die Martinsgans als Judenabgabe keine unbedeutende Rolle-. Man begnügt sich hier keineswegs mit einem halben Dutzend Alles in Allem. Im Eingänge wird ausgesprochen, daß „nachdem der Schnaittachischen Judenschast gehabte Schutz und Freiheit sich geendiget" und die Judenschast um ferneren Schutz „gehorsamst und unterthänig wieder angehalten" Ihre Cursürstl. Durchlaucht (Schutzbrief d. 1665: Ihre Curf Durchl. und die wohlaoeligen Heren Gau-Erben) „sich gnädigst (und gnädig) resolvirt, Ihnen wiederum, wie vor