Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1878)
- Date
- 1878-12-04
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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XIX. Jahrgang. Zweite Beilage zu Nr. 49 des Israelit. Acitvnasnachrichten und Gorrespondenzen. Deutschland. AtuS Schlesien, 21. November wird der frankfurter Zeitung" geschrieben. Im Laufe dieses Monats werden in den meisten schlesischen Gemeinden Ergänzungswahlen für das nach den Vorschriften der Städteordnung ausscheidende Drittel der Communalverwaltung veranstaltet. Die Wahlagitation ist allerwärts im lebhaftesten Fluß und läßt Heuer ein Symptom mit besonderer Deutlichkeit hervortreten, das sich schon seit einigen Jahren, wenn auch immer noch mit einer gewissen Schüchternheit bemerklich machte. Es haben ' sich nämlich in den verschiedensten Städten Gruppen gebildet, die mit dem Schlachtruf in die Arena treten: Hinaus mit den Juden aus der städtischen Verwaltung! Begünstigt und getragen wird diese Für» derung der konfessionellen Zwietracht hier vornehmlich durch die ultramontane Partei. Alle andern Momente, auf welche freisinnige Leute in ihrer toleranten Befangenheit Werth zu legen pflegen, als da sind Sachkenntniß und ehrenhafte Gesinnung des Bewerbers, treten vor dem ersten und dringe dsten Momente zurück und es genügt, wenn ein Candidat im dritten oder vierten Grade mit irgend einem Juden verwandt ist, um ihn für die Verfechter der ultramontanen Richtung unmöglich zu machen. Diese Erscheinung ist keineswegs eine vereinzelteste tritt allgemein auf und soll ja auch außerhalb der Grenzen unserer Provinz wahrzunehmen sein. Soweit wir die Sache übersehen können, hat die anti-jüdische Bewegung bei uns in den letzten Jahren erheblich an Umfang gewonnen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß es den Klerikalen in Oberschlesien gelingen wird, nach und nach alle israelitischen Mitglieder, zum mindesten soweit sie Wählern der zweiten und dritten Abtheilü'ng ihre Mandate verdanken, aus den Kommunal- Kollegien herauszudrängen. Wer auf die schlechten Leidenschaften spckulirt und die Mehrzahl der Bevölkerung in dem thörichten Vorurtheil zu bestärken sucht, sie besitze gewisse angeborene Vorzüge vor der Minderheit, der wird immer auf Erfolg rechnen kunnen. In Oberschlesien ist es besonders leicht, die Massen zu fanatisiren, die Folgen sind freilich solche, die den Unternehmern der Verhetzung selbst unerwünscht und unbequem sind. Mit welchen Elementen die ultramontane Partei spielt, das zeigt ein Blick auf die Revolte, welche t vor einigen Jahren in Köniqshütte ausbrach. Mit dem Rufe: „Nieder mit den Juden! ' stürmte die aufgeregte Volksmenge durch die Straßen und demolirte und plünderte in blinder Wuth die Läden der jüdischen Kaufleute. Daß die Herren vom Centrum große ,>reude an Erfolgen solcher Art haben, wollen wir gewiß nicht behaupten, aber sie werden es nicht v rhindern können, daß man in ihrem gehässigen Gebühren die Quelle künftiger Excesse erblickt. Auch in der Provinzialhauptstadt Breslau fällt die geschilderte Agitation auf einen fruchtbaren Boden; vielen Wählern schmeichelt es, wenn man ihnen vorredet, sie seien als Christen selbstverständlich bedeutend bessere Menschen als die Juden. Trotzdem ist nicht anzunehmen, daß die Anhänger des Domkapitels die Früchte ernten werden, auf deren Aussaat sie so viel Mühe verwenden. Sic vos, non vobis! Der Breslauer Bürger, selbst Derjenige, der die Juden nicht leiden mag, hat eine tief eingewurzelte Abneigung gegen die ultramontanen Agitationen. Er läßt sich gern dazu bestimmen, den jüdischen Kandidaten zu verschmähen und wählt dafür den christlichen Kulturkämpfer. In redaktionellen Ausführungen und Sprechsaal-Artikeln der Breslauer Blätter wird das leidige Kapitel seit einiger Zeit mit unermüdender Breite abgehandelt. Die Vertreterin der Centrumspresse hat sich durch ihre besonders hämischen Auslassungen zu ihrer großen Genugthuung bereits einen Ruf außerhalb ihrer Geburtsstätte erworben und nöthigt, da sie mit Vorliebe in das Gebiet der persönlichen Verdächtigung hinabsteigt, hiesige Einwohner beständig, ihr Pech anzugreifen. Auch die „Schlesische Zeitung" die durch ihre Beziehungen zu Berliner Kreisen sich nicht blos in unserer Provinz eines bedeutenden Einflusses erfreut, äußert sich öfters über das, was sie die „Judenfrage^ nennt; doch geschieht dies in so objektiver Weise, daß die vorurtheilsfreien Leute sich mit ihren Ausführungen immerhin einve standen erklären werden. Trotzdem duloet sie es ruhig, daß das ultramontane Blatt sie als Gesinnungsgenossin der eigenen turbulanten Agitation reklamirt und entsprechend bekomplimcntirt. Vom Rhein. „Neue israelitische Zeitung" ist dciDTltel einer uns vor wenigen Tauen als Probcnummer zugesandten neu erschetnendcn Zeitung in Komotau (Böhmen). Der leitende Artikel, welcher zugleich das ^Glaubrnsbekcnntnitz" der Rcdaction enthalten soll, ist über-