Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1878)
- Date
- 1878-11-27
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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-y~‘-rr, .-■ ■ ■- -- -V-.---« -. ■••■>■ .——;--—• - ~ •" ' . XIX. Jahrgang. Zweite Beilage zu Ur. 48 des Israelit. Literarischer Bericht. Ja da. Von F. Chr. Bened. Avä-Lallement. Dresden, 1879, bei Wilhelm Baensch. 3 Bände. Collection deutscher und ausländischer Belletristik. Band 53—55. Der durch seine sprachlichen Forschungen in den weitesten Kreisen rühmlichst bekannt Vers, tritt uns hier in einer größeren Erzählung entgegen, aus der die wohlwollendsten Gesinnungen für Juden und Judenthum überall hervorleuchten. Er stellt sich in diesen seinem Werke den andern edlen Nichtjuden zur Seite, die, wie Professor Schleiden, Gerhart von Amyntar, den Juden und dem Judenthume die volle und ungetheilte Anerkennung zu Theil werden lassen. Im 3. Bande Seite 90 tritt der Verfasser Jenen entgegen, welche über die Juden im Allgemeinen den Stab brechen, aber gern bereit sind, Ausnahmen gelten zu lassen. Die Stelle lautet: Was der Einzelne nach seiner subjektiven Auffassung zugibt oder abweist. kann nicht als maß^ gebende Entscheidung für das ganze Judenvolk mit dem Gedanken seiner Religion und Sitte gelten, um so weniger, als das Urtheil schon durch viele Jahrhunderte hindurch in entsetzlicher Einmütigkeit gesprochen und durch die Geschichte von Geschlecht zu Geschlecht getragen worden ist. An dieser Verurteilung und Geschichte des ganzen Volkes hat jeder einzelne Jude als an feiner eigenen besonderen Geschichte furchtbar zu tragen, weil das Judenthum in seiner göttlichen Offenbarung so einzig, voll und ganz ist, daß es von jedem Juden, wie das in keiner anideren Religionsgesellschaft möglich ist, allein mit seiner ganzen Fülle von Verheißung und Hoffnung getragen wird. Es ist eine klägliche Einsicht in diese Judenwelt und Judengeschichte und zieht die Einsicht zum jammervoll spreizenden Begriff der sich doch zur unabweislichen Erkenntniß drängenden Notwendigkeit herab, wenn das mahnende christliche Gewissen die vielhundjährige Sünde gegen das Judenthum mit der sogenannten Emancipation auSgleichen will und diese Emancipation lediglich als Trieb und Werk christlicher Barmherzigkeit, oder auch nur als hnmaneS Zugeständniß des hochgefeierten Culturjahrhunderts aufstellt, und dann in der kargen und mißtrauischen Ausführung dieser Emancipation das herrliche große Deutschland mit seiner höchsten welt-culturhistorischen Berufung zur bloßen Versuchs- und Acclimatisationsstation für das exotische Judenthum, ohne Gewährleistung der wahren vollen gesicherten Freiheit, herabwürdigt. Das ist der Grund der Verkümmerung, das der Gruud, warum der Jude es tragen muß, daß der Jude mit ekelhaft greller künstlicher Färbung aufgestellt und im bürgerlichen Leben wie auf dem Theater, sei es als ideal hochherzige Erscheinung oder als kläglicher Packenjude, oder als verschmitzter Gauner dem platten Witz und rohen Spott der hohen wie niedrigen Pöbelmenge preisgegeben wird. So lange aber diese verlogenen karrikirten Zerrbilder nicht aus dem Leben und vom Theater verschwinden, bleibt die Emancipation Unwahrheit, zugleich aber auch eine schwerwiegende Mahnung, daß neben der Verspottung des Judenthums auch das aus ihm hervorgegangene Christenthum bedenklich gefährdet werden kann, wie das die in bacchantischer Raserei gesprochenen Reden der neuesten socialdemokratischen Mänaden*) in Berlin lehren. Zeit«rrgs«uch*ichtert und Corresporrdenzerr. Deutschland. Burgpreppach, 12. Nov. ES wird den Lesern dieses gesch. Blattes nicht unlieb sein, wenn ich ausführlich über ein erfreuliches Factum berichte, das sich hier ereignet, ein Factum, das leider jetzt in Deutschland zu den Seltenheiten gehört. Heute wurde das neu errichtete Unterrichtslokal der hiesigen Talmud-Thora-Schule durch den Leiter der Anstalt, unsern sehr verehrten Herrn Rabbiner Hirsch '"Z seiner Bestimmung übergeben. Die Feier war einfach, aber erhebend. Nachdem ein Protokoll ausgenommen worden war, in wel- *) der sogenannten Christlich-Socialen.