Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1878)
- Date
- 1878-11-20
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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1169 passirbar. Die berühmte Artischokenkneipe im Judenviertel, allen Deutschen bekannt, ist mannshoch überfluthet. Palästina. Paris. Monatsbericht (September) der All. Jsr. Univ. (Forts.): (Die Israeliten des Orients und von Marocco.) DaS Central-Somit ä fährt fort, sich mit der Lage der Israeliten der Türkei beschäftigen; dasselbe hat neue Summen an das Bezirks - Comitä nach Constantinopel geschickt; man kann hoffen, daß nach und nach mit Hilfe der Thätigkeit dieses Comitss alle Flüchtlinge repatriirt sein oder sich neue Niederlassungen verschafft haben werden. Die größte Schwierigkeit kommt von Eski-Sagara und Kazanlik, wo die Wohnungen der Israeliten zerstört und die Bevölkerungen noch sehr ungünstig gegen die Rückkehr der Israeliten gestimmt sind. Das Central-Comito hat sich auch mit den Israeliten von Marocco beschäftigt, die von der HungerSnoth und Epidemie so fürchterlich zu leiden haben. Dasselbe hat von allen Seiten Bittgesuche erhalten, hat es aber, um die öffentliche Barmherzigkeit nicht durch wiederholte Aufrufe zu ermüden, vorgezogen, die Reste von früheren Sammlungen zu benutzen, und konnte so einen Fonds von 10,000 Fr. bilden, den es unter die verschiedenen Städte von Marocco vertheilt hat. (Die Israeliten von Persien.) Die Israeliten von Persien wiederholen seit einiger Zeit ihre Klagen. Wir geben im Nachstehenden Auszüge aus den in letzter Zeit von denselben bei uns eingegangenen Briefen: Erster Brief. Urmia, 18. Isar 5638. Eine trauervolle Stimme erhebt sich in dieser Wüste über die Unterdrückung Israels, das in diesen persischen Städten den bittern Kelch des Leidens trinken muß .... Wir sind nicht nur von jeder Art von Steuern an die Regierung überladen (jede Regierung erhebt Steuern für die Bedürfnisse ihres Landes), aber wir werden noch von unseren nichtisraelitischen Landsleuten schrecklich malträtirt und haben keine Mittel zur Vertheidigung. Schon seit einigen Jahren wiffen dieselben, daß es in Persien kein TanzimatS-Gesetz gibt (Gesetz des Fortschritts und der Gleichheit); die Israeliten sind ln ihren Augen verachtet; wer stark und mächtig ist, zieht ohne jedes Motiv Steuern und Contributionen ein und maßt sich alle Rechte an, besonders in Kleinpersien und in Urmia. ES gibt hier fast 300 Familien, einige isr. Richter, aber man läßt uns unsere Angelegenheiten nicht nach den jüdischen Gesetzen entscheiden, imGegentheil, man zwingt uns mit Faustschlägen, uns an nichtisr. Richter zu wenden, die sich nicht damit begnügen, die Hälfte der Schuldforderungen sich selbst anzueignen, sondern uns für jedes Geschäft, wie unbedeutend es auch sei, zu 1 oder 2 Pfund Strafe verurtheilen. Aber es kommt noch schrecklicher. Bor zwei Jahren wurde der angesehenste und bekannteste Mann, der Arzt Scheik Mula MoseS, ermordet, zugleich mit 12 anderen Israeliten, Namens: Ascher und seine Frau, Heide im Bette getödtet; Nathaniel, in einem Dorfe getödtet; Cohen Ephraim; Aga Hezekiel, Arzt; Jona Jsaac; Abraham, David und Jona. Söhne von Samuel; Jsaac Ezekiel; Salmai; Cohen Azariah. Diese Personen wurden vor zwei Jahren getödtet, und man hat für sie keine Gerechtigkeit geübt. Die Mörder können sogar nicht verfolgt werden, denn das Gesetz sagt: „Wer einen Juden tödtet, ist nicht des Mordes schuldig." Wenn er nach einer Ortschaft fliehen konnte, sucht ihn selbst die Polizei nicht, wenn er aber arretirt wird, hat er eine Summe von 50 Pfd* an die Regierung zu bezahlen, und ist sofort frei. Drei Synagogen wurden auSgeplündert und Alles, was sich darin befand, gestohlen. Eine andere Last ist die: Die gewöhnliche Steuer in Persien beträgt 12 Kerons für jeden Hauseigenthümer, 7 für das HauS und 5 für die Bewohner; aber hier in Urmia find wir gezwungen, beinahe 5 Pfd. zu zahlen, selbst der Aermste zahlt 2 Pfd. — In diesem Jahre erhoben sich die Muselmänner mit bösen Absichten gegen uns, sie ersannen in ihren Versammlungen falsche, lügnerische Anklagen, um uns zu vernichten. Wir entkamen nur durch die Hilfe der Behörden und durch Gottes tägliche Wunder. (Schluß folgt) ANZEIGER Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. Israelit, in einzelnen Jahrgängen, von 1867 an, gut und dauerhaft gebunden, ist käuflich abzugeben. Offerten sud Nr. 3256 besorgt die Expedition d. Blattes.