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Der Israelit · 1878-11-20 · Heft 47 (20.11.1878) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 47 (20.11.1878)
Date
1878-11-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Ursprünglich eine Vorlesung, gehalten in einem jüdischen Handwerkern nein zu London, und wurde später in richtiger Würdigung des Interesses, welches ihr Inhalt auch für weitere Kreise hat, der Oeffentlichkeit im Druck übergeben. Der Verfasser, ein Nachkomme jener hochherzigen spanischen Glaubensgenossen, deren Leiden und Dulden er in großen Zügen uns vorführt, hat sich, obwohl kein Historiker von Fach, mit der ganzen Hingebung eines Geschichtsforschers in die Quellen vertieft und die einschlägigen älteren und neueren Werke gewissenhaft zu Rathe gezogen. Es ist daher sehr erfreulich, daß die in englischer Sprache erschienene Schrift eine deutsche Bearbeitung gefunden hat, die es ermöglicht, daß auch in Deutschland die Geschichte dieser ewig denkwürdigen Zeitepoche immer mehr und mehr bekannt und — beherzigt werde. Denn niemals ist es, wie der Uebersetzer im Vorwort treffend bemerkt, so klar zu Tage getreten, bis wie weit Intoleranz und religiöser Fanatismus sich verirren und welche blutige Früchte sie zeitigen können; niemals waren warmer Glaubenstreue und innerer Ueberzeugung so harte, schwere Proben auferlegt, und niemals wurden sie so freudig und glänzend überwunden. Möge die Uebersetzung wie das Original die humane Absicht des Verfassers erfolgreich unterstützen! Möge besonders das Vorbild jener glaubenstreuen Geschlechter, die ihr spanisches Vaterland innig liebten und in dem Glauben ihrer Väter selbst durch Marter und Tod nicht erschüttert werden konnten, unserer Generation, die, dem Herrn sei Dank, glücklichere Zeiten sieht, vorleuchten, um gleich jenen treue Bürger des Vaterlandes und gewissenhafte Träger ihres Glaubens zu sein. —n— Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. Der Milchhändler Wilhelm Bohne lieferte während der jüdischen Feiertage des IS., 19. und 20. April d. I. zweien seiner Kunden „koschere" Milch für den Preis von 25 Pfennigen das Liter. Es war von diesen Familien vor Eintritt der Feiertage bei Bohne angefragt worden, ob er zur Lieferung „koscherer" Milch im Stande sei, und als er versicherte, damit dienen zu können, erhielt er Auftrag, dieselbe zu besorgen. Koschere Milch bedarf aber unter den Verhältnissen, wie Berlin sie darbietet, einer besonderen Behandlung. Die Kuh wird in Gegenwart einer beglaubigten israel. Person gemolken, und die Milch in Flaschen gefüllt, welche letztere über den Pfropfen von der beaufsichtigenden Person kreuzweis verbunden und mit Siegel versehen werden. Bohne brachte die bestellte, wohlversiegelte Milch und nahm den erhöhten Preis in Empfang. Er erschien am zweiten Feiertage wieder und blieb auch am dritten Feiertage nicht aus. Dies machte den einen der Empfänger bedenklich; er wußte, daß ein orthodoxer Israelit an den Feiertagen keine Arbeit, auch die der Flaschenverstegelung nicht, auf sich nehmen werde, und fragte deßhalb den Milchhändler, woher die Milch komme. „Von einem Gute," versetzte Bohne leichthin. „Dort wohnt ein jüdischer Lehrer, welcher die Ueberwachung und Versiegelung besorgt." Dem Milchkäufer genügte aber diese Auskunft keineswegs, und, um sich in seinem Gewissen zu beruhigen, machte er von der Sache bei den Behörden Anzeige. Jetzt hatte sich Bohne vor dem Criminalrichter zu verantworten, und es kam nun zu Tage, daß Bohne Milch, die ihm täglich zukam, zur Füllung der Flaschen verwendet und alsdann die Pfropfen versiegelt hatte. Diese Art „koscherer" Milch brachte aber den listigen Fabrikanten auf die Anklagebank wegen Betrugs, und es traf ihn, der des Vergehens geständig war, eine Geldstrafe von 10 M., event. zwei Tage Gefängniß. Aus Ostpreußen. Daß die Mildthätigkeit doch noch immer nicht so ganz aus der Welt geschwunden ist, beweist folgender von der „Ost-Pr. Ztg." mitgetheilter Fall. Ein in äußerst ärmlichen Verhältnissen lebender Arbeitsmann von dem benachbarten Gute K., welcher vor Kurzem das Unglück hatte, eines seiner Kinder durch den Tod zu verlieren, kam mit der Leiche nach dem Orte des Geistlichen, um durch denselben die übliche Einsegnung vornehmen zu lassen. Für die Ceremonie verlangte derselbe den Betrag von 3 Mk. Da der Arbeiter, der sich sogar zur Reise einen Rock hatte leihen müssen, die Summe nicht zahlen konnte, der Pfarrer ohne das Geld keine Handlung vornehmen wollte, zog jener betrübt mit der Leiche von dannen. Bald darauf kehrte er wieder froh zurück, weil er nun in der Lage war, die verlangte Summe zu zahlen, ein jüdischer Händler hatte nämlich den Mann unterwegs getroffen und demselben auf sein Gesuch, ihm etwas Geld zu leihen, den Betrag für die Einsegnung der Leiche geschenkt. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wien, 24. Oct. In der gestrigen Sitzung der vierten diesjährigen Quartalssession des Reichs-

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