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Der Israelit · 1878-11-20 · Heft 47 (20.11.1878) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 47 (20.11.1878)
Date
1878-11-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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WWffä an Menschenopfer Bezug nehmen, sowie Wie Rachegebete, grobsinnliche Bezeichnungen der Gottheit (heilige Thiere, Engelchöre u. s. w.) Stellen, die eine Ueberhebung Israels involviren, das Duchenen, die Pijutim, mit Ausnahme der wichtigsten an hohen Festtagen (2"' und n"-i) beseitigt und dreijähriger Cyclus. Megilla und Echa, sowie Hapthorah auf deutsch eingeführt werden. Da all dies im Geiger'schen, in Frankfurt, Darmstadt, Berlin und vielen deutschen und am - rikanischen Gemeinden eingeführten Gebetbüchern consequent durchgeführt ist, so wird dieses Gebetbuch zur Annahme empfohlen. Etwaige Abweichungen von diesem in den Beschlüssen werden dem Gebetbuche beigedruckt werden. Wir übersenden Ihnen dasselbe. Zur Erleichterung der Orientirung kann Jeder ein beim Vorstand liegendes Schriftstück einsehen. in welchem die Differenzpunkte zwischen dem Geiger'schen und alten Gebetbuche genau angegeben sind, auch wird Herr Dr. Schreiber gern bereit sein, noch vor der gemeinschaftlichen Sitzung auf Wunsch die Differenzpunkte der Gebetbücher klarzulegen; auch werden diese bei der Sitzung ausführlich mitgetheilt. Bonn, den 30. Oktober 1878. Der Vorstand der Synagogengemeinde in Bonn." Was sagen die geehrten Leser zu diesem Programm? Ist es nicht nach Form und Inhalt ein Meisterstück? Wer wird nicht den Bonner Vorstand und seinen Rabbiner bewundern, wenn er liest: „Es soll dreijähriger CycluS, Megilla und Echa, sowie Haptorah auf deutsch eingesührt werden". — Wie klar, wie deutlich, wie elegant ausgedrückt! — Wahrscheinlich sollen in Bonn künftig jeden Tag die Klagelieder Jeremiä (Echa) angestimmt werden, über den Chorbon (Zerstörung), den solch ein Vorstand und solch ein Rabbiner anzustellen im Begriffe stehen. Daß sich die Herren mit einem solchen Programm außerhalb des Judenthums stellen, brauchen wir wohl nicht erst zu sagen. Der Hohn und die Schmach, den die Herren dadurch ans das alte Judeuthum werfen wollen, fällt auf sie selbst zurück. Welch eine Vorstellung muß solch ein Programm dem Uneingeweihten von dem alten Judenthume geben? „Menschenopfer, heilige Thiere und Engelchöre als grobsinnliche Bezeichnung der Gottheit, Ueberhebung Israels", was sind das für ungeheuerliche Dinge, die von den Bonner Heroen erst auS den Gebeten entfernt werden sollen? Hat es jemals so etwas in unfern heiligen Gebeten gegeben? „Die Erinnerung an Menschenopfer" soll sich wahrscheinlich auf pnsr mpy beziehen, auf jene gewaltige Prüfung, die unsre zwei ersten Stammväter bestanden; und diese Erinnerung wollen jene .Helden aus unsren Gebeten ausmerzen? Das ist eine Verleugnung der Thora, ein Abfall von der Religion Israels. Und welche Verhöhnung ist es, zu behaupten, daß sich in unfern Gebeten „heilige Thiere und Engelchöre als grobsinnliche Bezeichnung der Gottheit" vorfänden, und welch ein vollständiges Verkennen des Sinnes und Geistes der betreffenden Gebetstücke ist es, wenn von „Rachegebeten" gesprochen wird, und wo findet sich in unfern Gebeten eine „Ueberhebung Israels?" Oder betrachten es die Herren als eine Ueberhebung, daß wir als das von Gott erwählte Volk bezeichnet werden? Dann müßten die Herren auch die „zehn Gebote" reformiren, deren erstes ja bekanntlich lautet: „Ich bin der Ewige Dein Gott, der Ich Dich herausgeführt habe aus dem Lande Mizrajim, aus dem Hause der Sklaven"; dann müssen Sie die Offenbarung am Sinai leugnen, dann dürfen sie den Segen über die Thora nicht mehr sprechen, der da lautet: Gelobt seist Du Ewiger, unser Gott, König der Welt, der uns erwählt hat von allen Völkern und uns gegeben hat Seine Thora." Doch genug von diesem Programme; es richtet sich selbst. Wie der „Jsr. Bote" mittheilt, ist dieses Programm bereits acceptirt worden und soll zur Ausführung gebracht werden. Damit hat die jüdische Gemeinde gu Bonn al§ solche aufgehört zu existiren. Wie wir vernehmen, hat sich in Bonn ein Verein zur Erhaltung unsrer heiligen Religion gebildet. Er besteht nur aus wenigen Mitgliedern, von denen eimge unbemittelt sind. Der Verein hat bereits einen Separat-Gottesdienst eingerichtet, in welchem Mitglieder desselben als Vorbeter und Vorleser aus der Thora fungiren. Das aber genügt nicht; der Verein muß einen Lehrer für die Kinder engagiren; ebenso einen BniK/. Sollten die Mittel nicht ausreichen, so sollte er sich nicht zurückhalten lassen, auswärtige Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wir sind gern bereit, mit allen Kräften die diesfallsigen Bestrebungen zu unterstützen. Auf dieser kleinen Separat-Gemeinde beruht die Hoffnung für die Zukunft des Judenthums in der altehrwürdigen isr. Gemeinde zu Bonn.

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