Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1878)
- Date
- 1878-11-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1117 Trotzdem haben wir nicht alle Wünsche erfüllen können und dürfen, vm einer Ueberfüllung der Classen und Ueberbürdung der Lehrer vorzubeugen. Nach dreijähriger Pause erlauben wir uns wieder einmal unfern Freunden eine Uebersicht zu bieten über die Leistungen unserer Anstalt während eines Schuljahres. Derjenige, der den Entwickelungsgang der Anstalt kennt, wird wohl wahrnehmen, daß inHGroßen und Ganzen bei den Lehrgegenständen, wie bei dem Lehrmaß die Tendenz die alte geblieben ist. Unser Bestreben ist es immer gewesen und wird es auch bleiben — trotz aller Anfeindungen — der Jugend eine praktisch-religiöse Erziehung zu geben, eine Erziehung, die sich eng an das häusliche und synagogale Leben anschließt. Diese Tendenz spricht sich überall in den Pensen aus. Lesen bildet einen statarischen Lehrgegenstand nur in den beiden untersten Classen (VI. V.) Der Knabe wird s<on hier, gleich nachdem er die ersten Schwierigkeiten des Lesens überwunden hat, in das praktische Leben eingeführt. Er liest, was er hinfort immer lesen soll, er beginnt mit seinem Tisch- und Nachtgebet und wird immer weiter eingeführt in die synagogalen Gebete. Das Lesen spielt noch einmal eine kleine Rolle in den mittleren Classen, wann dem Schüler die rabbinische Welt erschlossen werden soll. Mit dem Uebersttzen wird schon in der letzten Ctasse ein kleiner Anfang gemacht. Dem alten jüdischen Brauch, nach dem an den ersten beiden Peßachabenden der Jüngste in der Familie sein nintw ne vorträgt, wird durch Uebersetzen der ersten beiden Stücke aus der Hagadah Rechnung getragen. Tie Hagadah wild übrigens durch classenweises Fortschrciten allmählich zur Kenntniß des Schülers gebracht, Pirke Aboth in der 111. Classe begonnen, in der ersten bewältigt. Bei der Durchnahme der Gebete wird auf das Nächstliegende Bedürfniß der Schüler Rücksicht genommen, in der V. Classe mit den häuslichey Gebeten begonnen und leichteren Piecen zu den Festzeiten, aber auch schon mit einem Theile der täglichen Gebete. In den folgenden Classen wird das Pensum weiter fortgesetzt. Aus dem Pentateuch werden in Classe V und 1Y nur ausgewählte Stücke durchgeuommen, in Classe V die Schöpfungsgeschichte, der Decalog, die Sittengebote in D’unp. In Classe IV wird dem Pentateuch schon etwas mehr Zeit gegönnt, im Winter die Geschichte der Sündfluth, des Untergangs von Sedom und Amorah durchgenommen, dann die Thoravorlesungen zu fast allen Feiertagen (ausgenommen die des 8. Ta^es von r?DD und ptd und die von T62 dp). In den folgenden Classen von Classe III. aufwärts wird die allwöchentliche .thd behandelt. Erste und letzte Propheten, ebenso Psalmen und Proverbien wechseln ab. Im Talmud werden neben dem statarischen Gegenstand zu den synagogalen Ereignissen die einschlägigen Materien behandelt. Das.Gleiche gilt von mwe und "ki cnt< Letzteres wechselt mit dph rose und m« Dntjno ab. Die Einnahmen betrugen 2833 Mk., die Ausgaben 2820 Mk. Altona, r"2v zny. Ein höchst seltener Fall ist von hier zu melden. Am jüngsten on>Mn dp fastete ein einhundertdreiundeinhalb-jähriger Greis, Herr H. Seligmann, glücklich im Gedanken, den Vorschriften der heiligen Religion Nachkommen zu können. Dem alten würdigen Manne war von seinem Arzte das Verlassen der Wohnung, «b '2 «13^ nxs> -ry >12', verboten und als seine Angehörigen von der Synagoge 2/,nr nsidd zurückkehrten, äußerte er: „Ich könnte noch einige Stunden fasten, denn nicht das Fasten war für mich Kasteiung, sondern der nicht erfüllte Wunsch, in der Synagoge sein zu können. — na*v imD2i! — Am m: >2 - Abend ereignete sich hier ein bedauernswerther Unfall in der Hanptsynagoge. Als der Vorbeter sein Gebet begann, brach Frau H. Herrmann in Ohnmacht zusammen. Sie wurde zu Hause gebracht, gab jedoch, trotz gleich angewandter ärztlicherHilfe den Geist auf. n"2"s"y'n. — Wenn in dieser Zeit der Feste in jüdischen Kreisen zumeist von den Vorbetern gesprochen wird, so ist es hier in besonderer Weise der Fall. Trotz des traurigen Vorfalls verstand der Obercantor Herr N. Nathansohn in herrlicher Weise die Andächtigen zu fesseln, man muß sein mächtiges, klangvolles Organ gehört haben, um ganz die Macht der jüdischen heiligen Gesänge zu begreifen. Herr N. versteht es nämlich, die alten Melodien in neuer Ueberarbeitung nach Sulzer, Weintraub, Lewandowski, Beer vorzutragen. Eine musikalische Capacität, Musikdirektor Prof. Gurlit hier, äußerte sich, nachdem er die Gesänge einige Stunden Abends und am Tage belauscht hatte: „Ich glaubte nicht, daß den jüdischen Gesängen eine solche Fülle und solcher Schwung innewohne. Ganz besonders wundere ich mich über die vollkommene Ausführung in den schwierigsten Uebergängen von dem kräftigsten Forte zum zartesten Piano." Möge dem Obercantor Herrn N. vergönnt sein, noch viele Jahre die Andächtigen durch seine schöne Stimme und feinen herrlichen Vortrag zu erheben. insDK'i inpin’ dph!