Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 44 (30.10.1878)
- Date
- 1878-10-30
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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1096 Jahren verehelicht; das junge Weib, welches ich für das Hausfraulein hielt, war seine Gattin. Mit zehn Jahren war sie seine Braut, damals „löste er sie aus". Bor einem Jahre hat die Hochzeit stattgefunden. Die Conversation ging anfangs etwas langsam von statten, da ich nur wenig Serbisch spreche; ich merkte aber, daß die Muttersprache der Hausleute die spanische sei, und so konnte ich mich mittelst der serbischen, italienischen, lateinischen und hebräischen Spracheihnen doch verständlich machen. Das Nachtmahl dauerte fast eine Stunde. Die Speisekarte war fast ganz türkisch. Ich brauche wohl kaum zu sagen, Daß man mich auch über Nacht dort behielt, und wie wohl es mir that, nach achtwöchentlichem Lagern im Freien eine Nacht unter zwei seidenen Bettdecken verbringen zu können. Ich erwähne hier, daß über die zwei Feiertage mehr als zweihundert Soldaten in gleicher Weise von den Serajewoer Juden bewirthet wurden. In heiteren Gesprächen verbrachten wir die Nacht; meine schöne junge Hausfrau, als echtes Judenweibchen, wollte mich schon dazu bereden, ein zwölfjähriges Mädchen, eine Verwandte von ihr. zu heirathen, dann solle ich mich in Serajewo niederlassen und sie Ungarisch und Deutsch lehren." Der Briefschreiber schilderte dann ein politisches Gespräch mit einem angesehen jüdischen Ortsältesten. Dieser sprach die Ansicht aus, daß die Türken sich nie mit der neuen Ordnung der Dinge in Bosnien befreunden würden. Die abgelieferten Waffen seien nur der hundertste Theil des bosnischen Waffenvorraths; die übrigen Waffen seien vergraben. Rumänien. Bukarest, 18. Oct. Aus den Debatten der rumänischen Legislative, deren Verlauf und Schluß wir meldeten, verdient Folgendes besonders hervorgehoben zu werden: Ueber den 3. Punkt, der unter dem parlamentarischen Titet: „Constituante, oder Kammern für dre Revision der Verfassung" einherschreitet. jedoch feinem eigentlichen Wesen nach nichts aderes ist, als die „Juden-Frage". sprach nur die Parthei der Conservativen sich eingehender aus, und zwar im Senate durch Herrn Earp und in der Kammer durch Herrn Titu Majorescu; namentlich war es dieser Letztere, welcher mit seiner bekannten Eloquenz die Gefahren schilderte, welchen | Rumänien sich aussetzen müßte, wenn die Inden- Frage nicht sofort gelöst werden würde. Majorescu erklärte, er sei zwar äußerst schmerzlich davon berührt, daß der Berliner Tractat in dieser internen Frage Rumäniens Stellung genommen habe und wir somit vom Auslande her zu dieser Lösung getrieben werden, allein wolle man nach so vielen harten Schlägen auch noch den neuen Schlag abwarten, daß' die eine oder die andere Großmacht uns sage, sie erkenne unsere Unabhängigkeit nicht an, bis wir die Juden-Frage geordnet haben? Es sei demnach unumgänglich nothwendig, eine Constituante und zwar sofort einzuberufen, worauf Bratiano Folgendes erwiederte: „ . . . Wir wollten nicht, daß die Juden-Frage auf dem Congresse auf die Tagesordnung gesetzt werde, und wir kämpften aus Leibeskräften, daß dieselbe nicht vor den Congreß komme. Allein die Alliance Jsraelite, die eine gar mächtige Association geworden ist, war in Berlin durch die hervorragendsten Chefs vertreten; wir ließen uns mit diesen Repräsentanten in Verhandlungen ein, wir discutirten mit denselben und als Herr Majorescu vorher sprach, da erinnerte er mich lebhaft an die Feinheit und Schtauheit derselven" (Oeifall). Minister Bratiano replicirte ferner Folgendes: „Nachdem die Bevollmächtigten in Berlin sich ausgesprochen hatten, sagten wir ihnen allen: Meine Herren, Sie haben uns gedemüthigt, es ist ein Schmerz für uns, allein Sie werden von uns nicht fordern, daß wir diese Frage sofort lösen, denn wir müssen dieselbe durch eine Constituante, wir müssen sie conform mit unseren Gesetzen, mit uuserer Verfassung lösen und Sie können nicht verlangen, daß wir jetzt eine Constituante einberufen, wo wir eine fremde Occupation im Lande haben .... Aber siehe da, die Bevollmächtigten erwidern uns: Wir wollen weder von Ihren Gesetzen, noch von Ihrer Verfassung etwas wissen. Wir verlangen von Ihnen, daß Sie diese Frage sofort ihrer Lösung zuführen! Sehen Sie, Herr Majorescu, wie die Engländer, die Oesterreicher, die Franzosen die Durchführung des Berliner Tractates verstehen! . . . Allein wir, wir müssen das Terrain vorbereiten, damit etwas aus der Sache werde, ohne daß wir in eine Gefahr gerathen." Die Constitutante wird nach der Schlußerklärung des Ministers jedenfalls einberufen; wann? .... Darüber hat die Regierung sich nicht ausgesprochen.