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Der Israelit · 1878-10-30 · Heft 44 (30.10.1878) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 44 (30.10.1878)
Date
1878-10-30
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XIX. Jahrgang. Zweite Beilage;» Nr. 44 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzen. Deutschland. Aus Rheinhefseu wird dem „Frankfurter Journal" geschrieben: Das Gesetz über den Austritt aus der Gemeinde hat für die Israeliten in Rheinhessen eine Lücke, welche von diesen wie eine Calamität empfunden und demnächst zu Verhandlungen im Landtag führen wird. Obgleich nämlich im Großherzogthum Hessen die Israeliten nicht solcke Landes-Organisation wie in Baden und Württemberg besitzen» gibt es doch auch sogenannte Kreis- oder Provinzial-Rabbinate, welche nur die Landgemeinden belasten. Eine Hauptgemeinde hier in Rheinhessen hat einen „Kreisräbbiner", dem sie z. B. 200 Mark zahlt, während die sehr zusammengej^molzenen Landgemeinden in Folge eines Vertrags, der vor 40 Jahren ge- 'chlossen wurde, 300 Gulden zahlen sollen, obgleich sie vorher schon überhaupt gegen die Anstellung eines Rabbinen protestirten und von der Ernennung dieses nicht das Geringste erfuhren. Die Angelegenheit schwebt nun vor den Ständen und es entsteht die Frage: Können ganze Religions- Gemeinden ebenso aus dem Rabbinatsverband treten, wie Einzelne aus der Religions-Gemeinde? Könnte man ihnen ihr Eigenthum nehmen und den Rabbiner damit zahlen? Kann sich die Einzelgemeinde nicht selbstständig machen, da doch keine Gesammt-Organisationen wie bei den Kirchen vorlie'gt und sie der Gesammtheit gegenüber nur Pflichten, keine Rechte haben, d. h. Niemand Beisteuern gibt, wenn eine kleine Gemeinde etwa ihren Religions-Beamten nicht erhalten kann? — Eine eingehende Erörterung dieser Fragen kann nicht ausbleiben. Bosnien. Dem Pesti Naplo schreibt man aus Serajewo: „Die hiesige Cultusgemeinde wendete sich durch eine Deputation an den FZM. Philippovich mit der Bitte, daß er den jüdischen Soldaten gestatte, die Feiertage im Kreise der Gemeinde zu verleben. Der Feldzeugmeister gab der Bitte Folge, und aus dem Regiments-Tagesbefehl vom 26. v. M. erfuhr ich, wir seien für zwei Tage der Dienstleistung enthoben, ja, mein Compagnie-Commandant ging noch weiter, er beurlaubte mich für drei Tage nach Serajewo. Am 27. Morgens machte ich mich von der Romanja-Planina aus auf den Weg, und es begann schon zu dunkeln, als ich hier anlangte. Durchnäßt und beschmutzt, wie ich war, eilte ich in den Tempel, wo der Gottesdienst bereits im Gange war. Kaum war ich eingetreten, als zehn, zwanzig Juden mich umringten. Jeder flüsterte mir zu, ich möge sein Gast sein. Ich entschied mich für einen neben mir stehenden jungen Mann. — Wir betraten ein Haus von altersgrauem Aussehen in der Csemalusagasse. Ich gestehe, daß ich mich auf orientalischen Schmutz gefaßt machte uud nicht wenig erstaunt war, in dem geräumigen Hofe des alten Hauses die größte Reinlichkeit wahrzunehmen. Wir steigen die t^ppichbelegte Treppe empor; mein Wirth läßt auf dem Estrich die Schuhe zurück und geleitet mich in den Speisesaal der Familie. Für mich, der ich seit acht Wochen in Bosnien nichts als Schmutz und Unflath gesehen, der ich direct aus den düsteren Eichenforsten der Romanja-Planina hierhergekommen, für mich war das geräumige, nette, mit kostbaren Teppichen belegte Zimmer ein feenhafter Anblick. Ein Greis kommt mir entgegen, legt grüßend die Hände an die Stirn und drückt mir mit den Worten: „Salem aleikum!" die Hand. Dann kommen die übrigen Männer an die Reihe, und schließlich gegrüßten mich drei Frauen in gleicher Weise. Die Männer waren in lange, weite orientalische Kleider von Sammt und Seide gehüllt. Die Frauen bildeten eine wahrhaft malerische Gruppe; das Haupt ziert eine mit Gold und Edelsteinen reich besetzte spanische Kappe, von welcher eine breite, schwarze Flechte auf den Nacken herabhängt; das Halsband besteht aus fünfzig oder noch mehr Goldstücken; der Brustsatz ist mit einer handbreiten Goldstickerei besetzt, das kostbare Seidenkleid nach türkischer Art unten an den Knöcheln befestigt. Eine der Damen fiel mir besonders auf; ich hielt sie für das Hausfräulein, denn sie schien kaum älter als vierzehn Jahre. Ihre frischen rothen Lippen umspielt ein ständiges Lächeln, ihre schwarzen Augen brennen in Feuerglnth. Mein Wirth ist kaum neunzehn Jahre alt, aber schBN seit drei

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