Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 43 (23.10.1878)
- Date
- 1878-10-23
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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1073 der obigen Dastellung des ganzen Sachverhaltes als correct ersichtlichen Vorgehens ist es eigentlich unter unserer Würde, auf dieses Schriftstück zu antworten, wenn wir nicht infolge mehrerer, von befreundeten Gemeinden, an uns gelangten Ermunterungen hiezu veranlaßt waren. Es genüge wohl diesen Aufruf, in welchem der unterfertigte Präses seiner Gemeinde den Titel „orthodoxe Sefardim" (den sie bisher nie geführt , weil sie als solche sich nicht constituirte) beilegt mit dem ersten vom 3. September «an '2 datirten und einfach Sefard-Gemeinde gefertigten Aufrufe zu vergleichen, um aus den vielen Widersprüchen, das, gelinde gesagt, verwerfliche Vorhaben der Sefardim und ihrer Berather zu erkennen. Im ersteren wird im allgemeinen der vielen Opfer an Menschenleben erwähnt, in einer Weise, als wenn die Sefardim auch an diesen Verlusten an Menschenleben betheiligt wären; — in dem zweiten Aufrufe wird mit unerhörtem Cynismus und mit salbungsvollen Worten, sich darauf zu Gute thuend hervorgehoben und der Welt kundgegeben, daß die Miskolzer Sefardim-Gemeinde kein Menschenleben zu beklagen hat. Wer wird es nicht einsehen, daß Demjenigen, der unser Unglück miterlebt, der die vielen jüd. Leichen, 80 an der Zahl, die aufgefunden werden konnten, worunter ganze jüdische Familien, vor sich gesehen, es widerstreben muß, solches niederzuschrerben und eine Gemeinde anzugreifen, deren viele weniger verschont gebliebenen Mitglieder, den Verunglückten ohne Unterschied der Partei und Confession die erste Hilfe darreichten, und daß daher nur aus der Feder eines gefühl- und herzlosen “cny solche Worte herrühren können. Daß die Sefardim die Sünde gegen die Logik begehen, und den Schaden, den die Überschwemmung, an Hab und Gut ihrer Mitglieder angerichtet „entsetzlich" nennen, weil — was sie' bisher vor den Behörden entschieden bestritten haben — ihre Gemeinde zum größeren Theil aus Dwaeo rvvip besteht, maz ihnen, zumal das Schriftstück von einer besoldeten Feder herrührt, nachgesehen werden. Aber daß sie von einer weggeschwemmten, Mit Opfern erhaltenen Synagoge rDJDn rv3 und von Institutionen sprechen und der Welt weiß machen, daß sie solche besitzen, wo — vjie aus dem weiter folgenden Zeugnisse ersichtlich, lein wahres Wort daran ist, da sie bisher nur in einem gemietheten Locale beteten —, dieses wie auch, daß die Sefardim, welche Hilfsbeilräge von Auswärts empfangen zu haben ganz verschweigen und dieses widerrechtlich „orth. sefard. Gem." gefertigte Circular in „Couverte" :nit der Firma „auton. jüd. Sefard Gemeinde" versandet, überlassen wir dem Urtheile der unparteiidjeti öffentlichen Meinung. Dieselben Gründe, '.welche die Sefardim bei diesem ihren Vorgehen leiteten, waren es auch, welche sie zu bekannten Verhetzungen dazu veranlaßt, dahin führten, von der isr. orthod. Muttergemeinde sich zu trennen und zu einer befondern hierorts nie gekannten Sefard Gemeide zu constituiren; Gründe, welche der Verfasser des sefardischen Circulars wohlweißlich unterließ der Welt bekannt zu geben, um nicht das Unlautere ihres ganzen Vorhabens zu verrathen. Daß uns das Recht zusteht, uns Muttergemeinde zu nennen, wird Jeder begreifen, wenn wir darauf Hinweisen, daß das hohe Ministerium und die Behörden uns so benennen, daß wir Sitten, Gebräuche und Liturgie unserer Väter beibehalten haben, daß wir im Besitze der beiden Tempel — in welchem auch Sefardim Betsitze haben und die Miethe dafür einstreichen —, daß wir im Besitze der seid 40 Jahren bestehenden Volks- und Talmud- Thora-Schulen und eines Beth-Hamidrasch, in welch letzterem alltäglich öffentlich gelernt wird, daß wir im Besitze einer mpo sind unendlich, daß die hiesigen und viele fremde in jeder Richtung von dieser Gemeinde und den zu ihr gehörenden Wohlthätigkeitsvereinen unterstützt werden, während die Sefardim hier 77 an der Zahl blos aus separatistischen Gelüsten die Religion als Deckmantel gebrauchen, ihre Vorfahren mißachtend, von dieser Muttergemeinde ausgeschieden, und die Tilgung der gemeinschaftlich gemachten Gemeindeschulden uns überlassen. Geehrte Glaubensbrüder! Wir haben mit Widerstreben uns entschlossen, auf das, von den hies. Separdim gegen unsere Gemeinde in die Welt gesendete Schma - Schriftstück zu antworten. Wir mußten dies thun, um unfern Glaubensbrüdern wieder einen Beweis zu liefern zu welchen Mitteln unsere Gegner und auch ihre in andern Gegenden wohlbekannten Rathgeber fähig sind, um das ihnen als heilig geltende Ziel „Zwietracht säen u m herrschen zu können" um so gewisser zu erreichen. Wir haben uns jeder Leidenschaftlichkeit enthalten! Mögen unsere Glanbensbrüder urtheilen! Miskolez. den 9. Oktober 5639. Der Präses der orth. isr. Muttergemeinde. Fischmann Joachim. M. E. Rott. Uebersetzung: Z. 4242/878. Amtliches Zeugniß: Darüber, daß die Miskolezer jüdische Sefard-Gemeinde in der Stadt Miskolez ein ihr Eigenthum bildendes Bethaus, weder besessen hat, noch besitzt, sondern nur in einem gemietheten, theils mit Bundftroh theils mit Schindeln bedachten Gebäude bisher ihre Gebete verrichteten; ferner, daß diese erwähnte Gemeinde bisher keine Schule hatte. Miskolez, am 1. October 1878. Für den Oberkapitän: Mihalikm. x. Vicekapitän. Für die Richtigkeit der Uebersetzung aus dem ungarischen Originale. Miskolez, am 9. October 1878. Der beeidete Translator des königl. Gerichtshofes. (2944.) Fischmann Joachim.