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Der Israelit · 1878-10-23 · Heft 43 (23.10.1878) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 43 (23.10.1878)
Date
1878-10-23
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1068 drangeS der Hinabstürmenden brach plötzlich daS Eisengeländer der Treppe, und zwanzig Frauen stürzten von einer Höhe von circa 1 bis 2 Klaftern hinab. Ein entsetzlicher Aufschrei der Stürzenden und der in der Nähe der Katastrophe angesammelten Menge erscholl, und Tausende drängten sich an die Stelle des Unglücksfalles. Nur mühsam konnten die jammernden hinabstürzenden Frauen aus dem Gedränge gebracht werden. Verletzungen erhielten folgende Frauen: Herzfelder, Möbelhändlers- Gattin, Wirth, Juweliers-Gattin, Rosa Stein (Armbruch), Frau Pollak, die Schwiegermutter des Dr. Steinberger, und ein Kind, welchem die Kinnlade zerschmettert wurde. Die übrigen Franen kamen mit dem Schrecken und mit leichten Contusionen davon. Die Frauen Stein und Pollak wurden in das Rochusspital, die anderen in ihre Wohnungen gebracht. Die Polizei-Organe konnten nur mit Mühe die Passage frei machen. Die Galerie wurde abgesperrt, und wurde das Ingenieur-Amt angewiesen, an Ort und Stelle die nöthigen Untersuchungen vorzunehmen. Im Tempel waren die Doctoren Ignaz Perger, Cornel Lichtenberg und Regimentsarzt Dr. Egerer anwesend, welche den Verletzten die erste ärztliche Hilfe leisteten." In &0lomea (Galizien) wurde unser Glaubeusgenosse, Landesadvocat Dr. Max Fruchtenberg einstimmig zum Bürgermeister der Stadt gewählt. Rumänien. Bukarest, 13. Oktober. Ueber die gestrige Erklärung des Ministers Cogolniceano wird berichtigend mitgetheilt, daß der Minister sich nicht der Ansicht Jonescos in der Judenfrage anschloß, sondern erklärte, nur die Judenfrage solle durch eine Constituante geregelt werden. Frankreich. Paris. Monatsbericht (September) der All. JSr. Univ. (Die Israeliten von Rumänien.) Die von H. Cogalniceano nach Europa gemachte Reise, um von den Mächten die Erlaubniß für Rumänien zu erwirken, die Bestimmungen des Berliner Vertrages betreffs der Israeliten nach und nach und langsam ausführen zu dürfen, scheint die Phantasie gewisser rumänischer Journalisten aufgeregt zu haben. Einer derselben, der Telegraful, den man officiös nennt, hat diese Gelegenheit ergriffen, um alle die dummen Verleumdungen, die man im Mittelalter gegen die Juden vorbrachte, zu erneuern; die rumänische Regierung hat sicher diesen Artikel nicht billigen können, den wir jedoch hier wiedergeben, um zu zeigen, bis zu welcher Wuth und Thorheit dcr Religionshaß führen kann. Dieser Artikel des Telegraful vom 15./27. August 1878 lautet folgendermaßen: Der BerlinerCongreß und die Israeliten von Rumänien. Der Berliner Congreß hat beschlossen, den Juden von Rumänien gleiche Rechte mit den Einwohnern aller civilisirten Länder zu gewähren; der Congreß hat dies sicher nur gethan, weil er diese Juden nicht kennt, weil er nicht weiß, was sie sind, noch wie groß ihre Menge in diesem Lande ist, wohin alle verlorenen Menschen und alle, welche ihr Vaterland fliehen, ihre Zuflucht nehmen, so daß bei einer Bevölkerung von 4 Millionen Seelen, die Zahl der Juden eine halbe Million beträgt, ein Verhältniß, das in keinem Lande sonst eristirt. Wenn die Mitglieder des Congresses jemals Gelegenheit gehabt hätten, das schöne Rumänien zu bereisen und die Juden dieses Landes zu sehen, wir sind überzeugt, sie hätten uns dann mit der Gleichstellung der Israeliten mit den übrigen Ländern nicht blos nicht insultirt, sondern sie hätten uns noch gerathen, diese Canaille, die man sonst nirgends in der Welt sieht, auszutreiben. Rumänien hat schon begonnen, nicht mehr ein rumänisches Land zu sein,' sondern das Palästina der vergangenen Jahrhunderte. Was hätten die Mitglieder des Congresses gesagt, wenn sie einmal an einem Samstag in einer Stadt der Moldau gewesen wären und gesehen hätten, wie alle Läden geschlossen sind, die Straßen voll von Leuten, die ihr Kopfhaar über die Backen hinab wachsen lassen und Bärte tragen wie Ziegenböcke; ihr Kopf ist rasirt und mit einem schwarzen Käppchen bedeckt, der Rock lang und schmutzig, die Stiefel hoch und an dem Ueberzieher sind Schnür.' angeheftet, die sie küssen; außerdem tragen sie eine Art weißes Tuch mit schwarzen Streifen, mit den: sie sich den Kopf bedecken, ferner eine Art Büffelhorn an der Stirn und die Hände in Riemen von schwarzem Leder eingeschnürt. So gehen die Juden feierlich in den Straßen spazieren. (Schluß folgt.)

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