Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 43 (23.10.1878)
- Date
- 1878-10-23
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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XIX. Jahrgang. Zweite Beilage;» Ar. 43 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Lübeck, 6. Oct. In der Bürgerschafts-Sizzung vom 2. d. wurde eine lange schwebende Unterhandlung endlich glücklich zum Abschluß gebracht. Die israelitische Gemeinde Hierselbst hatte den Bau einer Synagoge und Schule übernommen (bekanntlich war ihnen in unserer Stadt der Aufenthalt bis vor einigen Jahren nicht gestattet), rrichte aber mit ihren Mitteln nicht aus und wandte sich vor einigen Jahren an den Senat um Gewährung einer Beihülfe im Betrag von 30,000 Mk. Die vom Senat empfohlene Bitte fand am 27. Nov. lÜ76 bei der Bürgerschaft eine abweisende Entscheidung. Nachdem nunmehr der Gemeinde-Vorstand unterm 30. Aug. d. I. in einer erneuten Eingabe die Unmöglichkeit nachgewiesen, den Bau selbst nach dem vereinfachten Bauplan zu Ende zu führen, und um eine Beihülse von 2«>.000 Mk. gebeten, erklärte sich die Bürgerschaft der Gewährung dieser Summe als unverzinsliches und unkündbares Darlehen auf 20 Jabre gegen Abtretung eines Landstreifens an das Werk- und Zuchthaus zu St. Annen einverstanden, mit dem Zusatz, daß nach Ablauf dieser Zeit das Darlehen mit 4 pCt. zu verzinsen sei. Es steht nunmehr zu hoffen, daß der Bau vollendet dasrehen werde. Oesterr. - Ungarische Monarchie. t Wien. Der Kaiser hat, wie die amtliche „Wiener Zeit" meldet, der Frau Julie Schlesinger, der Vorsteherin und Mitbegründerin des Theresienkreuzervereines, des Taubstummeninstitutes und der emeritirten Leiterin der isr Volksküche und auüeiec Wohlthärigkeitsinstirute in Würdigung ihres namhaften Humanitären und gemeinnützigen Strebens den goldenen Verdienstorden zu verleihen geruhet. Diese Auszeichnung, welche Damen nur in seltenen Fällen zu Theil wird, gereicht der isr. Gemeinde Wien's-'zu um so größerer Genugthuung, als, wie wir vernehmen, die Anregung hiezu nicht von den Wohlthätigkeitsanstalten, welche Zeugen des hochherzigen Wirkens der dekorirten Frau sind, sondern von dem Vorstände und der Repräsentanz der gesammten Judenschaft Wiens ausgegangen ist. Frau! .Schlesinger, derer: sinniges, wahrhaft weibliches; j Streben und Wirken selbst von Dichtern, wie Paul! Heyse und Leop. Kompert durch Widmungen ihrer literarischen Schöpfungen schon früher gewürdigt worden war, hat sich aber auch so schöne Verdienste um die philanthropischen Institute, oenen sie vorsteht, erworben, daß die Anerkennung, die ihr durch die Huld des Monarchen widerfahren ist, in den weitesten Kreisen zur ganz besonderen Befriedigung gereichte. Hier ist dem echten Verdienste die gebührende Krone geworden. (Neuzeit.) Pesth, den 8. Oktober. Gestern Morgens hat im Pesther israelitischen Tempel (Tabakgasse) ein aufregender Vorfall ftattgefunden Bei Beginn des Seelenheil-Gebetes, während dessen diejenigen Andächtigen, deren Eltern noch am Leben sind, dem Brauche gemäß das Gotteshaus verlassen, entstand dadurch, daß nur eine Seitenthür als Ein- und Ausgang diente, ein arges Gedränge, indem Viele hinauseilten, Andere wieder eintreten wollten. Bei diesem Gedränge sollen mehrere Personen derart gedrückt worden sein, daß Ohnmächten und verschiedene Verletzungen vorkamen. — Magy. Hir. berichtet über den traurigen Vorfall Folgendes: | „Ein junger Mensch, dem im großen Gedränge sehr j übel wurde, schrie in seiner Verzweiflung „Feuer!" j Hierauf entstand ein solches Gedränge^ daß das j Geländer der zur Galerie führenden -stiege zerj trümmert wurde und die flüchtenden Frauen niederj fielen und übereinanderstürzten; 40 bis 50 Frauen! ^agen so zu Haus und jammerten entsetzlich. Es! währte lange, bis die hierüber entstandene Panique i sich legte, auch die Polizei war erst spät tu genügender Anzahl am Platze. Viele Frauen wurden in ohnmächtigem Zustande in die benachbarten! Häuser getragen, wo ihnen ärztlicher Beistand ge-! leistet wurde." — Von anderer Seite wird über! diesen Unglücksfall Folgendes gemeldet: „Anläßlich j des Bersöhnungstages war der Tempel in allen J seinen Räumen dicht besetzt. Um halb 12 Uhr i Vormittags wurde eine Dame auf der Frausn-! galerie ohnmächtig, worauf mehrere Frauen um Wasser riesen. Dieses Verlangen erweckte den Glauben, daß es brenne, und sofort entstanden die Rufe „Feuer!" Diese Rufe gaben das Signal zu einer entsetzlichen Verwirrung. Die Frauen sprangen hilfernfend von ihren Sitzen und stürmten der Treppe zu, aus welcher sich eine Masse Menschen zusammendrängte. Bald wurden die Grenzen dieser Treppe zu eng. und in Folge des ungeheuren An-