Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 43 (23.10.1878)
- Date
- 1878-10-23
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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erwartet zeigte sich die erste Wolke auf dem bisher reinen Himmel meines Lebens, mein Weib erkrankte an den Blattern — und starb nach wenigen Tagen. Si» war der Engel meines Lebens gewesen, vor ihr hatte ich nie ein Geheimniß gehabt, vor ihr war jeder meiner Gedanken offen gelegen, und sie hatte mir auch stets zum Guten gerathen; wäre sie am Leben geblieben, ich hätte nie so tief zu sinken vermocht. — Es war dies ein harter Schlag für mich, von dem ich mich nur schwer zu erholen vermochte; — aber ich Hütte Pflichten zu erfüllen, mein kleines, herrliches, damals achtjähriges Mädchen hatte vollen berechtigten Anspruch an mich, und ich war der Träger einer Firma, die, seit einem Jahrhundert bestehend, den Namen meines Großvaters, noch dem ich selbst genannt wurde, trug, und welche ich in unverändertem Glanze meinem Kinde, und da ich keinen Sohn besaß, einst einem braven tüchtigen Schwiegersöhne vererben wollte. — Ich war immer ein eifriger Kaufmann und auf meine alte Firma stolz gewesen; aber als meine treue Gattin starb, und mir mein Haus verödeter schien, da wollte ich alle meine Kraft in der Ausübung meines kausmännischen Berufes concentriren; — und wenn ich meiner Tochter auch nicht die verstorbene Mutter wiederzugeben vermochte, so wollte ich doch so viel des irdischen Glückes, als eine Menschenhand zu erraffen vermag, sammeln und auf ihr geliebtes Haupt ausgießen! — Mein Kind versprach schön zu werden, und hat Wort gehalten; sie hatte auch die vortrefflichen Geistes- und Herzenseigenschaften ihrer Mutter, geerbt, ich ließ ihr eine vorzügliche Erziehung zu Theil werden, wenn zu alledem noch ein ungewöhnlich großes Vermögen hinzutrat, dann glaubte ich kurzsichtiger, schwacher Mensch, ich Thor! — dann müßte ich glücklich werden! Ich habe es schon gesagt, nachdem die Wunde, die der Verlust meines WeibeS mir geschlagen, zu vernarben begann, warf ich mich, um alle trüben Erinnerungen in mir völlig zu ersticken, mit vollem Eifer auf mein Geschäft, das ich noch vergrößerte und zu dem ersten im ganzen Lande emporhob. Ich erweiterte den Kreis meines Geschäftsbetriebes, knüpfte auch in entlegenen Provinzen Verbindungen an, vermehrte die Zahl meiner Handelsartikel, die Zahl meiner Kunden. Das rasche Wachsen meines Geschäftes erforderte vermehrte Anstrengungen, und da meine eigene Kraft trotz alles Fleißes nicht hinreichte , suchte ich eine fähige Vertrauensperson, mit der ich die Oberleitung theilen konnte Am einfachsten wäre es wohl gewesen, wenn ich mir einen Compagnon genommen hätte, aber dagegen sprachen mehrere Gründe. Vor Allem war ich zu stolz auf meine Stellung in der commerciellen Welt, und mochte diese mit Niemandem theilen; auch glaubte ich keinen mir ebenbürtigen Kaufmann, der sich aber trotzdem mir unterordnen wollte, zu finden , eben so wollte ich auch nicht den Gewinn meines gut eingerichteten, von dem Rufe und Glanze meiner Firma unterstützten Unternehmungen jemandem Andern als meinem einzigen Kinde zu Gute kommen lassen, und so suchte ich nach einem Manne, der die nöthigen Kenntnisse und Fähigkeiten besaß, mir als oberster Commis bei der Leitung meines Geschäftes zur Seite zu stehen/ Ich suchte längere Zeit vergebens, als sich mir plötzlich ein Mann anbot, von dem ich mich bald überzeugte, daß er alle für diese Stelle nothwendigen Eigenschaften besitze. (Fortsetzung folgt.) ANZEIGER Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. in vermögender, religiöser junger Mann aus achtbarer Familie und in gesetztem Alter, wünscht sich in ein solides Geschäft mit einem tüchtigen Mädchen oder Wittwe gleichen Alters zu verheirathen. Gefällige Franco-Offerten mit Angabe näherer Verhältnisse beliebe man vertrauungsvoll, da Discretion zugefichert, sub A. Z. Nr. 2879 an die Expedition d. Blattes zu richten. Lehrlings - Gesuch. Für unser Mehlgeschäft en gros (Sabbat u. Feiertage geschlossen) suchen wir einen jungen Mann mit guten Schulkenntnissen aus achtbarer Familie, unter günstigen Bedingungen zu engagieren. Darmstadt, im Oktober 1676. 2925) I. Strairtz & Herzfeld.