Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1878-10-09 · Heft 42 (9.10.1878) · page 21

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 42 (9.10.1878)
Date
1878-10-09
Page
– (sequence 21)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2447747-2447786--15412-2471359
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1035 Ihr staunt wohl darüber, wie das. was sich in Eures Kerkers Nacht zugetragen, mir bekannt geworden? Als Ihr nach abgebüßter Strafzeit aus dem Spielberge entlassen wurdet , hatte der KoscherfleischaufseherI42), durch einen Zufall Euer Verhalten wahrend Eurer langen Kerkerhaft erfahren und dies sofort an den Mährischen LandeSrabbiner nach Nikolsburg berichtet, und dieser hat sogleich an das Prager Bes-din geschrieben. Der Godol hador4") glaubt nämlich, daß Ihr unschuldig angeklagt, und irrthümlich verurtheilt worden seid, er behauptet, ein Mann, der seinem Glauben und seiner Ueberzeugung solche Opfer bringe, könne unmöglich ein schlechter Mensch, ein Dieb sein, und wenn das der Landraf sagt, so ist eS wahr, denn Ihr wißt es ja Szod haschem lijereow U4), und ich bin ganz seiner Meinung. Es war auch Kele Liblitz bei mir gewesen, noch bevor wir das Schreiben aus Nikolsburg erhalten hatten, und auch die gute alte Frau versicherte mich, daß Ihr unschuldig seid. Wäre ich Euch nicht heute hier begegnet. ich hätte Euch morgen durch den Bes-Din- Schammes zu mir rufen lassen. — Was Ihr gelitten habt, das können Menschen nicht wieder gut machen, aber sie haben die Pflicht, Euch Eure geraubte Ehre zurückzuschaffen. Daß ich hier in der Nähe eines Sterbenden, in der Mitte einer tiefbetrübten Familie mit Euch über Eure Angelegenheit spreche, mag Euch beweisen, welche große Wichtigkeit ich dieser beilege." Die Worte des gefeierten Rabbi brachten eine merkwürdige Wirkung hervor. In Redings Ohr klangen sie wie Serafim - Chöre und in überströmendem Dankgefühle beugte er sich über die Hand des Rabbi und küßte sie inbrünstig. Markus Erdmann hatte die Empfindung, als wenn er plötzlich 142) In Brünn, der Hauptstadt Mährens, bestand damals keine gesetzlich anerkannte Judengemeinde. Die wenigen jüdischen Familien, die dort lebten, dursten keinen Rabbiner halten, und der, diese Stelle versehene Functionär führte officiell den Titel Koscherfleischaufseher. 143) Hervorragende Größe in der Generation; — eine häufig vorkommende Bezeichnung. 144) Gottes Geheimnisse sind seinen Frommen kund. Psalmen, Cap. 23, L>. 14. von dem Strome einer starken galvanischen Batterie getroffen worden wäre: Wenn Simon Reding unschuldig war — und wenn Rabbi Michael Bacharach und der Mährische Landrabbiner dies auSsprachen, so mußte es auch wahr sein — so hatte der Mann unverdient Unsägliches erlitten, und er — Markus Erdmann — war der Urheber seiner schweren Leiden gewesen, die volle Wucht der Verantwortung fiel auf sein Haupt! Seine angsterfüllten Blicke flogen vom Rabbi zu Reding hinüber , ein leichter Schauer durchbebte seinen Körper. Rabbi Joel Pikwer hatte mit dem durchdringenden Blicke seiner großen schwarzen glänzenden Augen RedingS Züge geprüft, und sprach halb laut zum Rabbi gewendet. „Mein Beruf bringt mich mit vielen Menschen zusammen, und ich verstehe etwas von der ChochmaS haparzuf*") — der Mann sieht nicht aus wie ein Dieb. Wen soll er denn bestohlen haben?" „Den Mann dort", entgegnete Rabbi Michael leise, mit einer unmerklichen Kopfneigung nach Erdmann deutend. „So! .... meinte Rabbi Joel, nachdenklich, wie er zu thun pflegte, mit seiner Rechten, seinen breiten, glänzenden, schwarzen Bart durchfurchend; dann legte er die Hand an Stirn und Auge, diese zudrückend, als wenn er sich in Gedanken verliefen würde; nach kurzer Pause sprach er: „Wenn dem so ist, Rabbi, dann will ich Euch schon jetzt etwas sagen, was Ihr im jirze haschem bald aus anderem Munde hören werdet. Wenn der bleiche Mann da," er wies auf Tarnower, „Euch Rabbi, mich, den vermeintlichen Dieb und den Bestohlenen an sein Todtenbett rufen läßt, und wie ich jetzt sehe, seine geistigen und körperlichen Kräfte sammelt, um vor seinem Scheiden aus dieser irdischen Welt, den Anwesenden Mittheilungen zu machen", der Wanderdarschen näherte seinen Mund dem Ohre des Rabbi — „dann ist der entlassene Sträfling gewiß schuldlos — und — der Sterbende der Thäter!" (Fortsetzung folgt.) 145) Phisionomik. ANZEIGER Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. /Lin junger Mann, der bisher als Schächter »nd i Stelle. Nähere Auskunft ertheilt Lehrer u. Vorsänger vT Religionslehrer, ungeprüft, fungirt hat und dem > M. Cohn, Hengftfeld Poft Wallhausen, gute Zeugnisse zur Seite stehen, sucht eine paffende Württetttbeeg (2900

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.