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Der Israelit · 1878-10-02 · Heft 40 (2.10.1878) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 40 (2.10.1878)
Date
1878-10-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 40, S. 999/1000 folgt erst nach S. 1004. 1001 Freisinnigen ein Monopol haben. Der Orthodoxe, der feinen Versöhnungstag fastend, im Todtenhemd stehend, begeht, feiert diesen Tag, wie es in der Petition cönsequent weiter heißt, realistischer, der Rationalist, der ihn an der table d’höte feiert, faßt ihn idealer auf! Hoffentlich werden die jüdischen Gemeinden diese Logik auch fernerhin zu würdigen wissen! Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Posen, 15. Sept. Mit Bezug a-ttf die in dem letzten Bericht gebrachte Mitteilung über die in Betreff der nnustp niao angebahnte Einrichtung muß zur Vermeidung von irrigen Auffassungen ausdrücklich bemerkt werden, daß, wenn bisher die niLO mit großen Schwierigkeiten und Kosten zu erlangen waren, dies keineswegs einer Ausbeutung Seitens des Unternehmers zur Last zu legen war, da dieser Herr, einer der würdigsten Gemeindemitglieder, ausgezeichneter Talmudist und Vorsteher des alten Bcth-Hamidrasch, bei diesem Geschäfte weder von eigennützigen Motiven geleitet worden, noch überhaupt auf den unbedeutenden Nutzen angewiesen ist. Es liegt vielmehr selbstredend in der Natur der Sache, daß bei Beschaffung eines beschränkten Quantums der Kostenpunkt sich erheblich und unverhältnißmäßig höher stellt, als bei einem größeren Quantum. Ebenso sind für den Einzelnen die Schwierigkeiten weit bedeutender , als für eine Körperschaft, die in Vertretung einer größeren Gesammtheit handelt. Diese Rücksichten haben das Rabbinat bestimmt, die Angelegenheit in die Hand zu nehmen und hoffen wir, daß auch hinsichtlich der Fertigstellung die nrntyn mit derselben fast peinlichen Gewissenhaftigkeit gehandhabt werden wird, wie dies von Seiten des Herrn R. geschieht. Posen, im Sept. Die D’iou d’D’ nahen heran und mit Befriedigung sieht der glaubenstreue Israelit schon in früher Morgenstunde seine Mitbrüder zu den zahlreichen Gotteshäusern strömen, die in einer großen Gemeinde vorhanden sind. Wer sonst nur allsabbatlich sich in der Synagoge sehen läßt, bleibt in diesen Tagen nicht zurück und führt auch seine Kinder mit sich „nach Schul"; ein Beweis, daß der Sinn für Judenthum noch immer im Volke fortlebt und frische Wurzeln schlägt. Gleichwohl ist der Unterschied zwischen sonst und jetzt leider auffallend genug. Während es sonA eine Ehre war, um die man wetteiferte, in den^ Synagogen als n^en oder ypirr zu fungirev, s, so daß man reiche Auswahl unter den Würdigsten hatte, h l jetzt die Zahl der dazu Befähigten und Geeigneten so abgenommen, daß die Synagogen J. in der Acquisition derselben sich gleichsam Concnrrenz machen müssen. Freilich darf nicht unerwähnt bleiben. daß die Nachfrage jetzt stärker ist, als?? sonst, da neben der großen Anzahl der Betschulen auch eine Anzahl in Familien eingerichtet ' und auch in einigen öffentlichen Localen Gottesdien t abgehalten wird. Letzterer Umstand ist beiläufig etwas, worüber man lieber schweigen möchte, zumal es ein Uebelstand ist-, dem wir in allen größeren Gemeinden begegnen und der nicht leicht beseitigt werden kann. Die bestehenden Synagogen resp. Betlocale fassen nämlich an den hohen Festtagen kaum die Zahl der einheimischen Besucher; hierzu kommt noch eine nicht unbedeutende Anzahl Fremder. ebenso auswärtige Schüler und Handlungsbeflissene, die Alle an den hohen Festtagen die Bethäuser freguentiren, so daß selbstredend die vorhandenen Räumlichkeiten nicht ausreichen. Die größeren Synagogen sind daher aus Besorgniß vor Ueberfüllung, wodurch die wegen der unzulänglichen Ventilation ohnehin nicht angenehme Temperatur unerträglich werden würde, gezwungen, sich gegen Nichtmitglieder abzuschließen, so daß eine große Anzahl auswärtiger und auch einheimischer, jedoch in Betreff der Synagoge heimathloser Glaubensgenossen thatsächlich in Verlegenheit sind, wohin sie sich zum Gottesdienste zu wenden haben. Da gab es nun längst und gibt es noch speculative Köpfe, die aus diesem Bedürfnisse Capital zu schlagen verstehen und in öffentlichen Localen gottesdienstliche Versammlungen arrangiren, die gegen Entröe zugänglich sind^ Dorthin strömt nun die jeunesse doree und Alle, die das Jahr hindurch in den Bethäusern vagiren und stehen diese gottesdienstlichen Versammlungen gleichsam borg de la loi, als eine Personisication des seit governement. Es ist nicht zu leugnen, daß hiermit einem Bedürfnisse abgeholfen wird, aber immerhin macht es einen peinlichen Eindruck, den Gottesdienst an hohen Festtagen in Localen abhalten zu sehen, die Tags zuvor und Tags darauf vielleicht den profansten Zwecken gedient haben und dienen. Diesem Zustande könnte nur durch Errichtung einer großen Gemeindesynagoge radikal abgeholfen werden; jedoch vor der Hand ist dies nur ein frommer Wunsch, dessen Erfüllung noch weit in nebelgrauer Ferne liegt. Das jetzt ausgegebene Programm des — früher specifisch katholischen — MariengymnasinmS

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