Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 40 (2.10.1878)
- Date
- 1878-10-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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X1S. Jahrgang. J|ß &©♦ Der Israelit. Ein Central-Organ für das orthodoxe Judenthum. HerauSgegeben von I>r. Lehmann in Mainz. Mittwoch, den 2. Oktober 5639 (1378). Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal. Mittwochs, in mindestens 2 Bogen. Preis deS Jahrgangs 10 ReichS-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Inserate 25 Pfennige die Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband vro Jahrgang 12 Reichs-Mark oder 7 fl. österr. an die Expedition franco einzusenden. Inhalt. Leitender Artikel: Was ist die Zeit und was verleiht derselben ihren eigentlichen Werth? — Hirsch's Pentateuch - Commxntar. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Aus Württemberg. Berlin. Meppen. — Rumänien. — Feuilleton: Rabbi Joselmann von Rosheim. Inhalt der erste« Aeilager Leitender Artikel: Mittheilungen vom Deutsch-Israel. Gemeindebunde. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Posen. Posen. Feuilleton: Simon Reding. Inhalt der zweiten ISeikage: Telegraphische Depesche: Erlau. Leitende Artikel: Der Austritt aus J>er israel. Religionsgemeinde im Großherzogthum Hessen. — Lhakspeare's „Kaufmann von Venedig". Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Stuttgart. Frankfurt a. M. — China. — L«ite«d« Artikel. Was ist die Zeit und was verleiht derselben ihren eigentlichen Werth? ui. Mainz, 28. Sept. Es ist eine oft beobachtete Erscheinung, daß die Erkenntniß, die bloße Erkenntniß noch nicht geeignet ist, das Leben und Treiben der Menschen derart zu beeinflussen, daß nur das Gute und Rechte geschehe. Die Vernunft erkennt, der Verstand bestimmt, und doch thut der Mensch nur zu; häufig das Gegentheil von dem, was Vernunft! und Verstand gutheißen. Der große Philosoph Kant * sucht diese eigenthünrkiche Erscheinung durch einBei-! spiel zu erklären. Ein Thurm oder ein Berg sind große, mächtige, jedem Auge sichtbare Gegenstände, und doch genügt die vor die Augen gehaltene Hand, um diese großen Dinge dem Blicke zu verbergen. So verdunkelt die Leidenschaft das geistige Auge derart, daß alle Erkenntniß demselben verborgen bleibt. Und daher sagen unsere Weisen: emon rwyon 8^8 np’j/, nicht das Forschen ist die Hauptsache, sondern das Thun. 'uw nnrycn mm ,®npn ^8 pn8 82' n8i3 n«n 8J unnai Die Thora ist die Wurzel des Judenthums, I die werkthätige Menschenliebe die Blüthe des herrlichen Baumes, DHDn ni^m, das Neben von Liebesthaten, ist eine Hauptsäule der sittlichen Weltordnung, und die Ermöglichung desselben liegt in der gewissenhaften Abscheidung und Verwendung der nnpyo, der Zehnten. Dieses Gottesgebot ist an und für sich so wichtig, daß ihm das Judenihum eine Ausnahmsstellung gegeben. Alle Gebote müssen odb6, in reiner, selbstloser Absicht vollzogen werden. „Seid nicht wie Knechte, die dem Herrn dienen, um Lohn zu empfangen." Nur die Pflicht des Wohlthuns macht eine Ausnahme; es ist gestattet, Wohlthaten in der ausgesprochenen Absicht zu spenden, himmlischen oder irdischen Lohn dafür zu empfangen. Rabbi Chananja ben Tradion, der von den Römern hingerichtet wurde, suchte die Ur-