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Der Israelit · 1878-09-25 · Heft 39 (25.9.1878) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 39 (25.9.1878)
Date
1878-09-25
Page
– (sequence 18)
Language
German
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984 Als Kläger erscheint Jsak Tarnow in durchaus nicht vertrauenerweckendem Anzuge, denn jedes Stück desselben predigt es nur zu laut, daß es ursprünglich nicht für ihn gemacht wurde. Er trägt seine Klage über Aufforderung des Richters vor. „Bon dem Schegetz, mei Brüder, will ich schon lang niks wissen, mit solche Leit, die noch ärger sein, wie e Goi, red ich nicht." Richter: Möchten Sie sich nicht deutlicher erklären? Ich bitte aber, darauf Rücksicht zu nehmen, daß auch ich kein Jude bin. Kläger: Weil ich sog, er is noch ärger, wree Goi? Ich bitt, e Goi brauch nicht zu halten, wie nor was Gott den Neuach (Noa) geschafft hat, aber e Jud — Richter: Lassen wir uns hier in keine theologische Kontroverse ein, sagen Sie mir, was haben Sie gegen den Angeklagten? Kläger: E Haus voll! Wissen Se, Herr Richter, er is a schlechter Mensch, was man e so sagt „Keufer schecker". Richter: Was ist das? Kläger: Er lagnt (leugnet) Alles! Sagen Se ehm jetzt, Gott ist erschienen am Sinai, un hat Moses diktirt die Zehn Gebote, sagt er, es is nit wohr. Sogen Se ehm, de Juden san dura,'s rothe Meer trocken durchgegangen, sagt er, es is nit wohr! Warum halten mer Pesfach, wenn es nit wohr war? Richter: Wenn dies Ihre Klage ist, so erkläre ich mich zur Aburtheilung derselben für nicht kompetent. Kläger: Ich bin dem Schegetz ausgewichen. Richter: Was ist das, Schegetz? Kläger: Alles, was ekelhaft ist. Richter: Dann ersuche ich Sie, den Geklagten nicht zu beleidigen. Kläger: Seh der an da! E Beleidigung, wenn mer zu Lebele Betyar — Schegetz sagt. Richter: Ich fordere Sie noch einmal zur Mäßigung auf, setzen Sie fort. Klager: Vor zwa Wochen kümmt er auf anmol zu mer, und sagt, er will Schuwe thun. Richter: Was will er thun? Kläger: Schuwe! Richter: Was ist das? Kläger: Mer kehr scheun nicht wissen, was Schuwe is. Wenn aner fast und sich vornehmt e Jud zu sein, un niks mehr Schlechtes zu thun. Richter: Das heißt, Ihr Bruder versprach Besserung. Kläger: Ausgerissen soll er warn, sammt sei Besserung. Also er kümmt und sagt, er will sich bessern, gut, besser Dich! Er hat bei mir gegessen, geschlafen un gedafnet (gebetet). Richter: Ich ersuche Sie um deutlichere Angabe. Ich verstehe kaum jedes dritte Wort, was Sie sprechen. Kläger: Wir haben jetzt Monat Elul. Richter: Was für Monat? Kläger: Elul — Richter: Elul? Wir haben jetzt September! Klager: Bei de Goien, aber nicht bei de Juden! In Elul bläst man alle Tag in der Früh Scheufer. Richter: Sie bringen mich zur Verzweiflung mit Ihrer A.:sdruckSweise. Was ist das schon wieder, was man bläst? Kläger: Scheufer — Richter: Ich weiß nicht, was das ist. Kläger: E Scheufer, was mer braucht Roscheschono. Richter: Bedauere, Sie noch immer nicht zu verstehen. Kläger: Manen Se, wie miß is mer! E Scheufer is e Trompet. Richter: Warum sagen Sie also nicht gleich Trompete? Kläger: Weil es ka Trompet is. E Trompet is aus Blech, e Scheufer aus Horn. Auf e Trompet kenn mer Sticklach spielen, auf e Scheufer nicht, e Trompet hat Klappeu, e Scheufer nicht — Richter: Kurz, Ihr Scheufer ist eine Trompete, die aber eigentlich keine Trompete ist. Sehr deutlich! Run sprechen Sie weiter! Kläger: Alleweil in de Früh blast man in dem Monat Scheufer. Vorgestern stehe ich auf, was manen Se, Herr Richter Hab ich nicht gefunden? Richter: Ich bin im Rathen sehr schwach. Sie werden mir das schon erzählen! Kläger: Sollen Se leben. Herr Richter, Se werden das nicht errathen. Mei Tichl hob ich nicht gefunden, un mit'n Tichl is auch der Scheufer verschwunden, un mit'n Scheufer is auch der Schegetz da aerschwunden, verkaft hat er ihn, un ich armer geschlagener Mensch kann jetzt in der Früh kein Scheufer blasen. Richter: Endlich kenne ich die Anklage. Leopold Stein, sagen Sie mir vor Allem, wie so heißen Sie Stein, wenn Ihr rechter Bruder Tarnow heißt? Geklagter: Mei Bruder is e Gottsfopper, wie in Allem, so in dem auch. Noch vor der Rebellation hat der Bezirksvorsteher von Tarnow meinen Vater gerufen, un hat ihm gesagt, ma muß e deutschen Nomen hoben. Vor unser Haus is e Stau gelegen, haßt mer uns Stein. Liegt mer viel auf. Er do — Jener, aber wor damals

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