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Der Israelit · 1878-09-25 · Heft 39 (25.9.1878) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 39 (25.9.1878)
Date
1878-09-25
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XIX. Jahrgang. Zweite Leilage zu Ar. 39 des Israelit. ZeitirrrgSirachvichten und Correfpondenzen. D e n t s ch l a n d. Berlin. Eine recht betrübende Erscheinung, die sich allerdings mehr oder minder alljährlich wiederholt, tritt hier zur Zeit der hohen Feste zu Tage. Da die wenigen ständigen Gotteshäuser der Haupt- und Nebengemeinden sür alle Mitglieder nicht genügenden Raum bieten, so sind Viele, vielleicht die meisten derselben in die Nothwendigkeit versetzt» ihre Andacht in Privatlocalen zu verrichten. Und da ist denn, besonders in unserer geschaftSlosen Zeit, der Concurrenz und Specutation ein weites Gebiet eröffnet und man hofft, auf diesem jetzt nicht mehr ungewöhnlichen Wege sein Geschäft zu machen. Da sieht man denn, wie nicht bloß Private, denen ein solches Unternehmen vielleicht noch zu verzeihen wäre, sondern sogar größere und kleinere Gemeinden, beispielsweise Schochare-Hattow mit ihrem Rabbiner Dr. Nascher und noch andere sich diesen wohlfeilen Verdienst nicht vollends entgehen lassen und fich mit unter die Speculation-Gründer begeben und die Herren Rabbinen und Cantoren debutiren abwechselnd bald in dem einen, bald im andern der Gemeinde gehörigen Betlocal zur Erbauung ihres andächtigen Auditoriums. Traurig ist es nur, daß die Herren einmal in der Wahl der Prediger und Vorbeter, sodann aber besonders in der Wahl des Locals, in dem die Andacht an den heiligen Festtagen verrichtet werden soll, zumeist wenig wählerisch sind. Es kann doch wahrlich keinen besonders günstigen Eindruck auf nichtjüdische Kreise machen, zu erfahren, daß an den heiligen Tagen des Roschhaschaua und Jomkippur in einem Hause Gottesdienst abgehalten werden soll, wo sonst Leute von überaus zweifelhaftem sittlichen Ruf ihre Versammlungen halten und wenige Stunden nach dem Schluß des Festes jenes wüste Treiben von Neuem beginnen soll. Uebrigens ist es begreiflich, daß bei der stets wachsenden Zahl solcher Gebetlocale und andererseits bei der stets abnehmenden Zahl der Theologen in diesem Jahre ein bedeutender Mangel an solchen Wanderpredigern eingetreten fei i soll. Um so mehr sind diese Uebelstände zu beklagen, als, wie wir hören, in Folge dessen die renommirten Synagogen heuer über Mangel au Betheiligung zu klagen haben, da der Berliner eben den Besuch des Gotteshauses als Luxus ansieht und sich mit jenen drei Tagen vollauf bezeugt, wenn es nur auf einige Stunden recht bequem in einem schönen Locale gesessen und durch eine erbauungsvolle Predigt unterhalten worden ist. Die Hauptschuld an dem Ueberhandnehmen dieses Unwesens, wodurch der schnödeste Mißbrauch mit dem Heiligsten getrieben wird, trägt natürlich die Hauptgemeinde, die den gerechten Wünschen mehrerer Stadttheile, die schon lange eine geregelte Synagoge dringend verlangen, den Rücken kehrte und glaubt, daß es einem jeden Gemeindemitgliede, wenn es auch noch so entlegen wohnt. zur besondern Ehre gereichen müsse, gegen hohes Honorar, natürlich in der neuen Synagoge, sich anorgeln und anpredigen zu lassen. Daß die Herren sich aber gewaltig irren, beweisen jene traurige Zustände. Dieser Tage wurde hier in der Lindenstraße die neuerbaute Synagoge der Adas-Jeschurun von ihrem Prediger Dr. Landsberger eingeweiht. Die Synagoge ist bekanntlich, da die jüdische Gemeinde fich trotz wiederholter Versprechungen nicht hatte entschließen können, in jenem Stadttheil eine Synagoge aus Gemeindemitteln zu erbauen, von einer Bereinigung jüdischer Bewohner jenes Bezirks errichtet worden und soll sich reger Betheiligunz erfreuen. Es wird dort täglich Gottesdienst abgehalten. Feuilleton. Der gestohlene Schofar. (Aus dem Gericktösaale.) Budapest, 1 >. September. Jsak Tarnow ist ein frommer Mann, der mit „Schaufäden" handelt. AuS ganz anderem Holze ist der Bruder Jsak Tarnow's geschnitzt, der sich Leopold Stein nennt, obschon sie durchaus keine Stiefbrüder sind. Leopold Stein ist ein „Aufgeklärter", er ißt Alles, waS ihn nicht ißt, mit den Gebeten hapert es auch sehr stark, und was seine Moral anbelangt, behauptet der Polizeiausweis von ihm, daß er ein Gewohnheitsdieb sei, welches vorgelesene Compliment der Angeklagte mit selbstbewußtem Lächeln der Befriedigung entgegennimmt.

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