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Der Israelit · 1878-09-25 · Heft 39 (25.9.1878) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 39 (25.9.1878)
Date
1878-09-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Lastern, zu den schrecklichsten Verbrechen verführen, leitet die wahrhafte Erkenntniß zur Tugend, zum Edelmuth. zur Charaktergröße. Womit könnten wir demnach unsre Zeit wohl besser ausfüllen als mit dem Studium dieser Thora, die unser Wohl, unser Glück, unser Heil begründet in dieser Welt wie in der zukünftigen Welt? Und in der That, alle Schätze kommen ihr nicht gleich, nicht nur die irdischen Schätze: Reichthum, Schönheit, Körperkraft, sondern auch die geistigen und sittlichen Schätze, oto -u« min das Erlernen der Gotteslehre übertrifft Alles. bnj ntffjfo N’DDir no^nn, das Größte ist das Erlernen der Thora, denn es führt hin zur echten, rechten That. Das wollen wir beherzigen in diesen ernsten Tagen, da wir an der Wende des Jahres stehen, in den Stunden, da wir den Werth der dahinfliegenden, rasch entschwindenden Zeit so recht fühlen. Ein Jahr ist dahingegangen; ein beträchtlicher Abschnitt unseres Lebens. Wie manche'Stunde, wie Mauchen Tag haben wir unnütz verbracht, haben wir demnach nicht gelebt! Trauernd und beschämt schauen wir rückwärts; die verschwundene Zeit ist nicht wiederzubringen. Aber die kommende Zeit gehört noch uns; wir können sie erfüllen mit der schönsten, edelsten, besten Tüätigkeit, mit dem Eindringen in den uns geoffenbarten Gottesgeist: rwa mit der Thora, die rw genannt wird, «a» Bnpn, wollen wir eintreten in dcrs Heiligthum; mit dem festen Entschlüsse, jedes Zeittheilchen, das wir gewinnen, das wir dem Mühen um das tägliche Brod abringen können, dem Studium der Thora zu weihen. — Und Ihr, Ihr Knaben und Jünglinge, die Ihr noch nicht zu kämpfen habt den Kampf ums Dasein, Ihr lernt in unfern Tagen gar Vielerlei, Deutsch und Französisch, Englisch und Lateinisch, Naturlehre und Naturgeschichte, Mathematik und Weltgeschichte — aber unsere heilige Lehre, die schriftliche, wie die mündliche, fie bleiben Euch vielfach verschlossen; o, ergreifet doch die Gelegenheit, wenn sie Euch geboten wird, und wenn sie Euch nicht geboten wird, so schaffet fle Tuch, zu erlernen, zu erfahren, zu erforschen das Beste und Höchste, die von Gott, dem Allweisen uns geoffenbarte Lehre. — Und Ihr, Ihr Ettern, die Ihr Eure Kinder so sehr liebt, die Ihr sie unterrichten lasset in allen Kenntnissen und Wissenschaften, o, entzieht ihnen nicht das göttliche Erbe unsrer Vorfahren, damit sie das notwendigste und wichtigste Wissen ihr eigen nennen, das Wissen, das sie erst zu wahrhaften Juden macht und sie als Juden leben lehrt; und sollte die Gelegenheit zum „Lernen" sich in Eurem Wohnorte nicht bieten, so schaffet sie herbei mit aller Mühe und Kraft; kein Opfer sei Euch zu groß dafür. — Und wenn wir am hohen Neujahrsfeste, am heiligen Tage des Gerichts, betend vor Gottes Antlitz stehen, so wollen wir Ihn bitten, daß er uns Kraft und Ausdauer verleihe, unsere Kinder in der Thora zu erziehen; und Diejenigen, denen Gott Leibesfrucht versagt hat, gerade sie können am Meisten dazu beitragen, daß allüberall die Gelegenheit zum Thora-Lernen geschaffen oder gefördert werde, tcnpn ba 82' rwa, durch diesen einen festen Entschluß, wird Gott unser zum Leben gedenken und uns einschreiben und besigeln allsogleich und für immer im Buche des Lebens. (Fortsetzung folgt,) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, den 22. Sept. Im Annoncentheil finden unsere geschätzten Leser einen Aufruf der Administration der isr. Waisenanftalt zu Fürth, auf den wir hiermit besonders aufmerksam machen wollen. Wir zweifeln keinen Augenblick daran, daß wohlthätige Glaubensgenossen Deutschlands, namentlich Bayerns, diese so überaus segensreich wirkende Anstalt nach Maßgabe ihrer Kräfte unterstützen und damit ein edles Werk zu fördern helfen werden. _ Mainz, 23. Sept. Wir haben heute zum Besten der Armen, Nothleidenden rc. im heiligen Lande 1592 Mk. 19 Pf. an das CentralcoMtö zu Amsterdam geschickt. Die Summe der in diesem Jahre für obige Zwecke von uns gesammelten und überschickten Gelder beträgt nunmehr 17,842 Mk. 50 Pf. Vom oberen Neckar WÜrtembergK, 15. Sept. Der gegenwärtig viel genannte Karl Hirsch, Führer der Internationalen, persönlicher Freund von Karl Marx in London, in Paris verhaftet, ist Würtemberger, aus Mühringen, Oberamts Horb, wo sein Vater israelitischer Lehrer war. Der Sohn besuchte das Lyceum in Tübingen, studirte Ende der fünfziger Jahre mosaische Theo, logie und erstund das erste Rabbinatsexamen bei der dazu bestellten Commission in Tübingen. Er lebte dann als Literat in Stuttgart; lehnte es ab, sich von der königl. israel. Oberkirchenbehörde als Nabbinatsverweser verwenden zu lassen und siedelte nach Paris über, wohin ihm, nach des Vaters

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