Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1878)
- Date
- 1878-09-18
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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951 einschmeichelnde Töne, als anch rollender Donner entquollen, nicht; — aber er ließ seinen Blick über die dichtgedrängte Menge schweifen, die mit athemloser Spannung eine Erzählung anhörte, die eigentlich mehr in ein Buch als auf die Kanzel zu gehören schien, aber von der er, der große Menschenkenner, wohl wußte, daß sie belehrend wirken, anziehend und resultatvoll sein könne. „Was sollte ich thun? das Weib hatte sich vertrauensvoll an mich gewendet, — ich dachte mir, vielleicht bin ich das geringe Werkzeug i der Hand des allwaltenden Gottes, vielleicht hat er in seiner unerforschlichen Weisheit gerade mich bestimmt,, das steinerne Herz des bösen Mannes zu erschüttern, einer armen unglücklichen Wittwe, verlassenen Waisen zu ihrem guten Rechte zu verhelfen. Kommt mit! sprach ich zu Sara Duschnitz und wir beide schritten — ich voran, sie einige Schritte hinter mir, dem Hause meines Gastfreundes zu . . . . ja, wie hatte ich ihn nur genannt?" „Wolf Demant" riefen tausend Stimmen. Trotz des Gepräges hoher Erregtheit, welche sich in Rabbi Joels Zügen ausfprach, überflog doch, unmerklich ein leichtes, feines Lächeln seine Züge, er sah mit Vergnügen, welches aufmerksame Publicum er hatte. „Soll ich Euch das Weitere kurz oder ausführlich erzählen?" und wieder brauste aus der Menschenmenge „ausführlich! recht ausführlich!" und die Stimmen klangen fast erschrocken, als befürchte man, der Rabbi könne ein Wort feiner interessanten Mittheilungen auslassen. „Als ich meiner Wohnung zuschritt, wußte ich nur, daß ich diese Nacht nicht mehr unter dem Dache des Bösewichtes schlafen, nicht mehr einen Bissen in seinem Hause genießen würde, dann fühlte ich mich von der Ueberzeugung durchdrungen, durch hakodosch boruch hu's Hilfe gelingen würde, ihn moralisch zum Geständniß seiner schweren Schuld zu zwingen, — aber ich hatte — das kann ich Euch an diesem Mokom kodosch^) schwören, noch keine Ahnung davon, welcher Worte, welcher Mittel ich mich bedienen würde. — Als ich in das Zimmer meines Gastfreundes trat, erwartete mich 124) Heiliger Ort. Besuch. einige hochangesehene Balebattim125), die sich bis zu meiner Ankunft mit meinem Hausherrn unterhalten hatten. Zuerst war mir die Verzögerung unlieb, — Sara Duschnitz wartete im Vorzimmer, und ich wäre am liebsten gleich auf mein Ziel losgeschritten; aber ich habe mein Lebelang dem Sprichworte Rabbi Akibas gehuldigt kol ma deowid Rachmono letow hu deowid^") — und ich hoffte trotz der Anwesenheit der Besucher, doch Gelegenheit zu sinden, meinen Zweck zu erreichen. Nach einigen einleitenden Worten bat mich einer der Balebattim ihm irgend eine Erklärung eines Bibelverfes oder einer dunkeln agadiftischen Talmudstelle oder eines Midrasch zu geben, und ein zweiter der Anwesenden frug mich, ob das wahr sei, was man von mir erzähle, daß ich im Stande sei zu jeder mir im Tnach^) oder im Talmud und Midrasch gegebenen Stelle sofort eine passende Erklärung zu geben, eine treffende Bemerkung zu machen. — Wer sich viel mit diesen heiligen Studien abgegeben, von Natur aus, nicht mit einem allzuschwerfälligen Geist begabt und des Wortes mächtig ist, dem kann das nicht schwer erscheinen, und ich erklärte mich sofort beceir, eine kleine Probe meines geringen Könnens abzulegen, und forderte die Anwesenden auf, mir irgend eine ihnen beliebige Stelle zu bezeichnen. In meinem Herzen nahm ich mir fest und heilig vor, jede Stelle immer, die mir angegeben würde, — auf Wolf Demant anzuwenden, sein taubes, verstocktes Gewissen wach zu rufen, — denn das ist eines der zahllos vielen, endlos großen Vorzüge unserer herrlichen Thora, daß ihre goldenen Strahlen, wie jene der Sonne in vielen schönen Farben brechen, daß: kepatisch jefourez sela, daß wie durch mächtigen Hammerschlag dem steinigen Felsen tausend zündende Funken entsprühen, so auch jedem Worte der göttlichen Lehre tausend verschiedene zündende Funken entlockt werden können. (Fortsetzung folgt.) 125) Familienväter. 126) Was Gott thut, thut er zum Guten Berachot, Fol. 60. 2. 127) Eine Zusammenziehung -er Anfangsbuchstaben von Thora, Newiim (Propheten), Ksubim (Schriften). ANZEIGER Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. Aur Stütze einer älteren, kränklichen Dame wird! ßtin israel. Lehrling für Manufactur- und Con» <3 ein gebildetes Fräulein, gesetzten Alters, zum fections-Geschäft gesucht, baldigen Eintritt gesucht. Gest. Offerten unter I Franco-Offerten unter Nr. 2646 an die Ex- Nr. 2756 besorgt die Exped. d. Bl.! pediüon d. Bl, *