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Der Israelit · 1878-08-28 · Heft 35 (28.8.1878) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 35 (28.8.1878)
Date
1878-08-28
Page
– (sequence 17)
Language
German
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865 würde Byron ausgerufen haben? Nach welcher Seite hätte er sich geneigt? Hätte er nicht die Waffen seines Hohnes hervorgeholt, um die ganze Aermlichkeit dieser flachen Richlung zu geißeln, wenn ihn ein so entstelltes Judenthum überhaupt noch angezogen und feinen Blick gefesselt hätte? Wie hätte die volltönende, inhaltsleere Reimerei, die die hebräische Dichtung ersetzen soll, von seinem reindichterischen Gefühl eine herbe Berurtheilung erfahren, ähnlich wie wir einst Lessing seine scharfen Waffen gegen die nüchterne, wortreiche und gedankenarme Gottsched'sche Dichtung kehren sahen und das hervorholen, was man bisher überklug verachtet hatte. Nie hätte ein solches Judenthum der Zerbröckelung den Dichter zu erhabenen Tönen veranlaßt, der etwas lebend sich Fortentwickelndes, Unwandelbares und Unerschütterliches suchte, der sich geekelt abwandte von dem Großscheinenden, das dem Umstürze nicht entgehen kann. Nur das wahre, strenge Judenthum, das kein Gut der Vorzeit aufgibt,, das Alles Erhabene ursprünglich, wie es der fühlende Mensch verlangt, ohne Verfeinerung und Verdünnung darbietet, nur unser geschichtliches Judenthum, das den Glanz und die Trümmer, Erhabenheit und Erniedrigung in sich faßt, konnte einen Juda Halevi, Salomo ben Gabirol und tausend andere begeisterte Sänger hervorbringen und einen Byron anregen. Was hat unsere Umsturzrichtung bisher Anderes geschaffen, als Tintenklekserei ohne Erhabenheit und Tiefe? Kann Jemand diese geschichtliche Wahrnehmung widerlegen? Wir wollen aber das Vertrauen auf unser ewiges Bestehen nicht verlieren, wollen mit dem trauernden Seher hoffnungsvoll ausrufen: „Erneue uns, Herr, die Tage der Vorzeit!" Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Baden-Baden. Es sind von mehreren Seiten, die sich für das Fortbestehen und Gedeihen des hiesigen israel. Betsaales interessiren, Anfragen an mich ergangen, wieviel Capital dieser bezügliche Fonds, welcher bereits im Jahre 1867 von Herrn Rabbiner Schott in Bühl gegründet wurde, besitzt. Soviel mir bekannt, und wie aus einem im Betsaal setzt in meinen Händen befindlichen Buche vom Jahre 1868 ersichtlich, ergibt sich eine Brutto- Einnahme, ohne Zuzug von Zinsen, bis zum Jahre 1875 eingeschrieben, fl. 5706. 22 kr. Vom Jahre 1875 bis dato ist nichts mehr eingeschrieben, wohl aber sind diverse Spenden auf Abschnitt aus dem hiesigen Badeblatt ohne Datum im Betsaal aufgeklebt. Außer diesem Capitalstock befindet sich zum Zweck der Erhaltung des Betsaals hier ein solcher in Mannheim, worüber aber z. Z. keinen Aufschluß geben kann. Es wäre daher der Zeit angemessen, daß die betreffenden Verwaltungen einmal hierüber öffentlich Rechenschaft oblegen würden und dies, wie es geziemt, jedes Jahr wiederholt, damit die verehr!. Spender von ihren Gaben jederzeit Einsicht nehmen können. Ich bitte um Unterstützung in dieser Sache. Karl Dreifuß. Schweiz. Bern, 15. Aug. Der Nationalrath ratifizirte in Uebereinstimmung mit den ständeräthlichen Beschlüssen vom 19. und 27. Juni abhin den Handelsvertrag mit Rumänien mit 51 gegen 15 Stimmen und den Freundschasts-, Handels- und Niederlassungsvertrag mit den Niederlanden. Bei dem Ersteren hatte Bautier von Genf beantragt, die Ratifikation bis nach der Regulirung der Niederlassungsfrage beziehungsweise der Gleichstellung aller Schweizerbürger, auch der Israeliten, zu verschieben und war dabei von C h alumeau, Brunner und Carterot unterstützt worden. Fischer von Luzern hatte sich verwundert, daß die Genfer sich so für die Israeliten in Rumänien interesfirten, und daheim die römischen Katholiken nicht besser behandelten, was zu einer geharnischten Replik von Seite Carterots Anlaß gab. Vom Bundesrath Heer, Frei und Heer war der Vertrag empfohlen worden. Nach den Beschlüssen des Berliner Congresses müßte den Israeliten in Rumänien die Gleichberechtigung eingeräumt werden. Es handle sich hier nur um einen Handelsvertrag. Mit Spanien habe man trotz der dortigen Protestantenunterdrückung längst einen solchen abgeschlossen. Die Ablehnung des Vertrages würde den schweizerischen Handel schwer scbäoigen, die Annahme desselben die Verhandlungen über einen Niederlassungsvertrag erleichtern. Bei dieser Gelgenheit wurde der Bundesrath eingeladen, die Frage des Abschlusses eines NicderloffungsvertrageS mit Rumänien auf Grundlage vollständiger Gleichberechtigung sämmtlicher Schweizerbürger unausgesetzt im Auge zu behalten und d»e diesfälligen Verhandlungen sobald als möglich wieder aufzunehmen.

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