Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1878)
- Date
- 1878-08-21
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447747-2447781--15284-2471226- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
?Vi"^T7't^'vvV 852 liman selbst schenkte ihm die Stadt Liberias in Palästina und fünf umliegende Ortschaften, die nur von Juden bewohnt werden durften. Der kühne Traum des Spaniers wäre jetzt erfüllt gewesen, doch Don Josefs Ehrgeiz war nun auf höhere Ziele gerichtet. 1566 starb Soliman und Selim folgte ihm auf dem Throne. Als Selim, von Belgrad kommend, in seiner Hauptstadt einzog, war auch Don Josef unter den Würdenträgern, die ihm entgegengingen und sich vor ihm niederwarfen. Der Sultan, Selim der Zweite, hob den Juden Don Josef Nässt auf, umarmte ihn und ernannte ihn auf der Stelle zum regierenden Herzog von NaxoS und von eilf cykladischen Inseln. Der Herzog hatte die Befugniß, nach eigenem Willen, ganz unabhängig zu regieren und mußte jährlich blos 14,000 Ducaten Tribut zahlen. Der Herzog von NaxoS blieb jedoch in Constantinopel, wurde Mitglied des KriegSratheS und Ließ durch einen Stellvertreter sein Fürstenthum regieren. Der Ruhm Don Josef's erfüllte damals die Welt; im Volke war die Sage verbreitet, daß Selim selbst ein Jude sei und daher den Juden so begünstige und erhöhe. Don Josef gab dem Sultan Beweise seiner wahrhaft großen staatsmännischen Fähigkeiten , es konnte daher nicht anders sein, als daß die Gesandten der fremden Höfe, deren Schliche er durchschaute und durchkreuzte, einen wüthendeu Haß gegen den jüdischen Emporkömmling hatten, der nur die Macht seines Herrn wollte. Die Krone Frankreichs schuldete ihm noch immer die 150,000 Scudi, die er Heinrich dem Zweiten geliehen hatte. Karl der Neunte und seine Mutter Katharine von Medicis hätten schon darum gerne den Sturz des jüdischen Fürsten herbeigeführt, da sie dadurch die Schuld an ihn zu zahlen enthoben gewesen wären. Ein Complot wurde gegen ihn geschmiedet, dem Sultan sollte bewiesen werden, daß ihn sein Günstling schmählich verrathen — und falsche Zeugen waren schon bereit, Alles zu beschwören. Karl der Neunte ließ sich in geheimer Chiffreschrift über den schönen Plan und dessen Ausführung berichten; — zur rechten Zeit erfuhr dies Don Josef und natürlich gelang es ihm, indem er seinen Gegnern zuvorkam, den Sultan von seiner Treue zu überzeugen. Seine Feinde waren beschämt. Karl der Neunte behauptete nun, da Selim sogar einen außerordentlichen Gesandten an ihn geschickt hatte wegen der alten Kronenschuld, in folgender wahrhaft königlichen Argumentation, daß er vollständig das Recht habe, das Vermögen des Herzogs von Naxos zu constsciren. In Frankreich nälillich sei kein Jude berechtigt, Geschäfte zu machen. Da nun der Herzog von N.-ros irrotzdem er zur Zeit als das Geschäft abgeschlosien worden, Christ war) ein Jude sei, könne der König sein Vermögen constsciren. Der Herzog von RaxoS, der Jud Don Josef Nässt, glaubten jedoch selbst im sechszehnten Jahrhundert und selbst von einem Könige von Frankreich kein Unrecht erdulden zu müssen. Mit Einwilligung Selims ließ er im Jahre 1569 alle französischen Handelsschiffe, die in türkischen Häfen ankerten, in Beschlag legen und Karl der Neunte, der König von Frankreich, konnte mit allen Reclamationen sich nicht helfen — er mußte die Demütigung einfach ertragen. Die Macht des Herzogs von Naxos war in Europa bekannt; als Maximilian von Oesterreich wegen Erneuerung des Friedens als Gesandten Herrn von Minkwitz nach Konstantinopel sandte, überbrachte dieser außer seinem Beglaubigungsschreiben an den Großvezier ein eigenes Handschreiben des Kaisers an den jüdischen Herzog, in welchem er ihn als Herzog anerkannte — und demselben schmeichelte. Ein seltenes hohes Ziel hatte Don Josef erreicht, seinem Ehrgeize — winkte eine Königskrone. Im Kriegsrathe hatte er dem Sultan die Eroberung Cypervs, das durch die Venetianeriu Conaro in den Besitz Venedigs gelangt war, und welches unter Omar den Arabern gehörte, mit den glühendsten Farben feiner Beredtsawkeit als für die Weltmacht der Türkei unentbehrlich dargestellt. In Wahrheit war der Besitz Cyperns für d'.e Türket von höchster Wichtigkeit, und der Snltan Selim, der den Cypernwein leidenschaftlich liebte — rief, ganz hingerissen von dem kühnen Plane, ans: „Wenn Cypern mein ist, sollst Du König von Cypern fein!' Der Krieg um Cypern begann im Jahre 1570 und währte ein Jahr lang. Cypern gehörte dem Sultan. Der Herzog von NaxoS glaubte so sicher der Königskrone zu sein, daß er bereits eine Fahne mit der Aufschrift: „König von Cypern" besaß — doch der Sultan, bestürmt durch den Großvezir, den größten Feind des Herzogs, konnte seinen Liebling nicht zum König ernennen; zum Fürsten hatte er ihn jedoch gemacht. Die erlauchte Republik Venedig hatte eine« glühenden Haß gegen den Urheber des Krieges um Cypern, und nichts Schändliches gab eS, womit man seinen Namen nicht verunglimpfte. Selim's Liebe für Don Josef^aber dauerte länger als sein Leben. Auf seinem Sterbebette empfahl er ihm noch seinem Sohn Murad. Nach Selim's Tod lebte er zurückgezogen von allen Staatsgeschästen. Seine Schwiegermutter, seine einzige Tochter waren gestorben. Er unterstützte die jüdischen Gelehrten,