Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1878)
- Date
- 1878-08-21
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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XIX, Jahrgang. Dritte Beilage zu Ar. 34 des Israelit. Feuilleton. ßin jüdischer König von tzypern. Josef Nassi, geb. 1515, war der Sohn eineportugiesischen Juden, der zu den nach Tausenden zählenden Marranen gehörte. Marranen wurden jene Juden genannt, die im Kampfe zwischen Leben und Ueberzeugung den allerdings nicht märtyrerhaft heroischen Entschluß faßten, zum Scheine sich zum Christenthume zu bekennen, im Herzen aber treu der Religion ihrer Väter blieben. Die stolzen spanischen Häuser von altem Adel stammen großentheils von solchen „Geheim-Juden" ab. Josef Nassi finden wir als Jüngling in Antwerpen unter dem Namen Juan Miquez. Durch seinen Geist und seine vornehme, schöne Erscheinung ward er allgemein beliebt und fand Aufnahme am Hofe der Statthalterin Maria von Oesterreich, der früheren Königin von Ungarn. Er verkehrte mit den hervorragendsten Männern der Hauptstadt, lernte die politischen Verhältnisse seiner Zeit kennen, und sein scharfsinniger, gewandter Geist fand sich bald zurecht in dem diplomatischen Jntrrguenspiel, das damals die Politik der Höfe lenkte. In dieser Zeit kam Donna Beatrice de Luna mit ihrer Tochter Reyna nach Antwerpen. Donna Beatrice gehörte ebenfalls zu den Marranen und war eine Frau von seltenen Geistes- und Herzenseigenschaften , hegte eine glühende Liebe für ihre Religion und ihr Volk und sehnte sich nach dem Augenblicke, wo sie wieder frei als Jüdin sich bekennen dürfte. Reyna hatte außer den edlen Eigenschaften ihrer Mutter die Reize der Jugend und einer unvergleichlichen Schönheit. Grafen und Fürsten bewarben sich um die Hand Reyna's — doch die Mutter wollte ihre Tochter keinem Christen geben. Unter den zurückgewieseuen Bewerbern war — wahrscheinlich au* gleichem Grunde — Juan Miquez, trotzdem er der Neffe von Dona Beatrice war Aber der feurige energische Juan hatte, wenn auch nicht die Gunst der Tante, doch die Liebe seiner schönen Cousine erlangt, und nicht gewillt, erst lauge gegen die Hemmnisse seines Glückes anzukämpfen, entführte er die Geliebte nach dem Paradiese der Liebenden — nch Venedig. Der guten Mutter blieb nun nicht* übrig, als post kestruu ihren Segen zu geben — und dazu 90,000 Dukaten.! Geschäftsverbindungen seiner sehr reichen j Schwiegermutter führten ihn nach Frankreich, wo er Heinrich dem Zweiten, der immer Geld brauchte, zu Kriegszwecken 150,000 Skudi lieh. ES ist unbekannt, was ihn veranlaßte, Frankreich zu verlassen: er ging mit seiner Familie nach Venedig. Wahrscheinlich durch Einfluß seiner energischen Schwiegermutter erfüllte ihn nun der Gedanke, frei und offen sich zum Judenthum zu bekennen. Dem stolzen, an Freiheit gewohnten Spanier widerstrebte es aber, demüthig, gedrückt und blos geduldet zu sein. Im 16. Jahrhundert hatten auch Republiken nicht Freiheit für Alle. Er faßte den kühnen Gedanken, einen kleinen jüdischen Staat zu bilden. Fähigkeit und — Geld hätte er hierzu gehabt. Er wandte sich an den Senat von Venedig mit der Bitte, ihm eine Insel auf venetianischem Gebiete abzutreten; aber der Senat der Republik wies diese Bitte zurück. Die Juden sollten keine Freiheit haben, vielleicht fürchtete auch die Handels-Republik die Concurreuz eines kleinen Staates — der aus Juden bestünde. Venedig hat dies später theuer bezahlt. Juan Miquez, energisch wie immer, entschloß sich kurz, mit 500 Auswanderern nach Constantinopel zu gehen. Der Sultan gab damals ein Asyl den Verfolgten, über zehntausend Marranen, Spanier und Italiener waren zu jener Zeit in Constantinopel. Im Jahre 1550 kam Juan Miquez nach Constantinopel und nahm hier als Jude den Namen Don Josef Nassi an. Durch seinen Reichthum, seinen Geist, sowie durch seine auffallend vornehme Erscheinung erregte er bald Aufsehen und der Sultan Soliman hörte von seinem Rufe. Er zeichnete ihn aus, hielt sehr viel von seinen Fähigkeiten und benützte seine vortrefflichen Kenntnisse der politischen Verhältnisse; doch spielte Nassi noch keine besondere politische Rolle. Don Josef'S Ehrgeiz fand in Constantinopel nicht feine volle Befriedigung, im Jahre 1558 ging er im Aufträge SolimanS nach Kuthahije an den Hof SelimS, des ältesten SohneS SolimanS. Er überbrachte diesem die Geschenke seines Vaters, 50,000 Dukaten baareS Geld und Werthsachen für 30,000 Dueaten. Bon diesem Angenblicke an bis zum Tode SelimS blieb der Jude der Liebling und Rathgeber des schwachen das schwelgerische, üppige Leben liebenden, aber nicht unedlen Fürsten. So-