Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1878)
- Date
- 1878-08-21
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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■ .; , XIX. Jahrgang. Zweite Leilage zu Nr. 34 des Israelit. Leitende Artikel. Wyron's Derhaüniß zum Judenthume. Bon Ludwig A. Rosenthal in Brylon. Ob! weep for those, that wept by Babel’s stream, . . , Weep for the harp of Judab’s broken shell! Beweint sie, die an Babels Flüssen weinten! . . . Um die zerbrochnen Harfen Juda's klagt. (Byron, hebr. melodies.) Unter den großen Geistern der Neuzeit gibt eS wenige, die nicht dem jüdischen Schriftthum, also auch mehr oder weniger dem Judenthume und seinen Bekennern selbst näher getreten wären. Die Art, wie sie es thaten, läßt stets auf ihren eigenen Bildungsstand, sowie auf die Stellung schließen, die unsere Glaubensgenossen eingenommen haben. Ueber einen Punkt können die Meisten nicht herauskommen, und mag ihr Blick sonst noch so vorurtheilsfrei fein, mögen sie den Glaubens satzungen im Allgemeinen die größte Gleichgiltigkeit entgegenbringen — soweit haben die Einflüsse der Jugend und die anerzogenen Grundsätze stets auf sie gewirkt, daß sie das Judenthum selbst nur mit sehr getrübtem Blicke betrachten. Die Meisten sehen darin nach echt kirchlicher Anschauung nur die Vorbereitung einer vollkommneren Lehre. Ihnen hat der Bestand Israels nur solange einen Werth, als dieser „neue Bund" noch nicht bestand, mit dessen Entstehung halten sie das Judenthum für überflüssig, denn eS hat ja seinen Zweck erreicht und muß darin aufgehen. Selbst große Denker und bedeutende Dichter sind gerade dem Judenthume gegenüber in dieser Anschauung befangen und können davon nicht loskommen. Wenn sie nun heilige Stoffe dichterisch behandeln, so erscheinen ihnen die Helden Israels gewöhnlich in einem ganz eigenthümlichen Lichte. Sie treten dann im Zwiespalt mit ihrer Zeit und in fieberhafter Erwartung einer bessern auf. Muß doch selbst Racine in seiner Athalie, worin er sich sonst um streng-jüdische Färbung bemüht, dieser Gefühlsseite seinen Zoll entrichten. Er läßt darum den Hohenpriester Jojada (HI, 7) in dem Auftritt, wo er den jungen JoaS zur GefetzeStreue ermahnt und seine Krönung vorbereitet, plötzlich auSrufen: Quelle Jerusalem nouvelle Sort du fond du desert brillante de clartäs! „Doch seht! Jerusalem, daS neue, Steigt aus dem Schutt im Strahlenglanz empor!" Welches Jerusalem der fromme Dichter den Hohenpriester vorausahnen läßt, kann sich Jeder leicht denken. Dies eine Beispiel für viele. In folgenden Spalten wollen wir einen betrachtenden Blick auf Byron's Stellung zum Judenthume werfen, wollen seine „hebräischen Lieder" heranziehen, denen unter seinen Werken ein nicht geringer Werth zuerkannt ist. Den Namen Byron'S hört die Lesewelt mit sehr verschiedenen Empfindungen nennen. Während der Eine sich mit schauderndem Entzücken in die Welt versetzt, die der Dichter in all' ihrer Finsterniß vor unseren Augen öffnet, und mit Begierde den seltsamen, schwermüthigen Tönen lauscht, die allein seiner Harfe entrauschten, fühlt der Andere sich zurückgeschreckt von dieser entsetzlichen Dichterkraft, die mit Behagen allein in dem finstersten Bereiche der Gefühlswelt sich bewegt und nur da gewaltig hervortreten kann, wo eS gilt, über die Schattenseiten des Menschen und des GemütheS, über die Nichtigkeit aller menschlichen Bestrebungen zu klagen und besonders die Wunden seines Herzens seinem Zeitalter und der Nachwelt zu zeigen. Welche Stellung wird nun dieser Geist der Verneinung dem Judenthume gegenüber eivnehmen? Wird er, der seinen Spott über Alles ergießt, hier nicht reichlich Gelegenheit finden, seiner Neigung die Zügel schießen zu laffen, mit dem Trosse über die Verblendung, Hartnäckigkeit und Kleinlichkeit der Juden zu spotten, sie noch tiefer in den Staub herabzudrücken, weil sie das Ehrwürdige nicht fahren lassen und an dem nach seiner Meinung Veralteten mit allen Fasern ihres Herzens hänge«? Seltsam! Er, der in seiner eigenen Zeit Alles so erbärmlich fand, sich daher gerne und mit einer wollüstigen Empfindsamkeit im heidnischen Alterthume bewegte oder in den Bildern des fernen mohamedanischen Ostens, der ihn mit seinem Blüthenschmucke berauschte; er, der in jede Schilderung sein unüberwindliches Schmerzgefühl eindriugen läßt, so daß man hinter dem Griechen, dem Babylonien oder dem Türke« stets Byron stecken sieht: Er wird ein ganz Anderer, da er die Gestalten der israel. Helden belebt unter den Klängen der geheiligten Harfe, „die einst der königl. Sänger