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Der Israelit · 1878-08-21 · Heft 34 (21.8.1878) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 34 (21.8.1878)
Date
1878-08-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Rabbiner sind uns unbekannt geblieben, weshalb diese Liste einer wesentlichen Complettiruug bedarf. Herr Rabbiner Spitzer aus Wien hat in seinem gewohnten Eifer für das alte Judenthum zur Hebung dieser Feier wesentlich beigetragen. Obgleich die Vorstellungen der verschiedenen Deputationen für den 11. August, auf 3—5 Uhr Nachm, anberaumt waren, dauerte diese Ceremonie des großen und unerwarteten Andranges wegen dennoch bis in die späte Abendstünde. Eine unwiderstehlichen Eindruck machte eine Rede des Gefeierten, die wir unten in extenso wiedergeben. Der Bürgermeister, mehrere Sections-Chefs der verschiedenen Ministerien, vr. Marktbreiter und andere wissenschaftlich und social hervorragende Männer der Residenzstadt verliehen dem Feste rinen sehr günstigen Relief. Einen peinlichen Eindruck machte es anfangs, daß Herr Deutsch, der bekanntlich seit Jahren an einer hochgradigen Nervosität leidet, die in Vertretung ihrer re'sp. Gemeinden erschienenen Deputationen nicht sogleich empfangen konnte. Doch schwand das Uebel nach wenigen Minuten; Herr Deutsch blieb sodann ruhig und heiter» wie sehr auch solche festlichen Manifestationen selbst auf ein vollkommen gesundes Nerven-System leicht eine nachhaltige Aufregung übt. Wir unsererseits wünschen dem verdienten Manne ein noch langes, thatkräftiges Leben, das derselbe gewiß nach wie vor im Dienste des alten, unverfälschten Judenthums fruchtbringend verwenden wird! Die Ansprache des Gefeierten lautete; „Inmitten einer stürmischen, social schwerbewegten Zeiten haben mich meine Glaubensangehörigen, die an den Satzungen ihrer Väter treu und Unerschütterlich ansharren, der freundlichen Aufmerksamkeit werth gefunden, um ihre billigende Anerkennung für meine bisherige Thätigkeit im Interesse des alten Judenthums an meinem siebzigsten Geburtstage in einer ehrenden Weise offen kund zu geben. Was nun diese Kundgebung für die Person betrifft, so darf es wohl mit und ohne Bescheidenheit, der vollen Wahrheit getreu constatirt werden, daß Tausende im alten Judenthum derselben Richtung ihr ganzes Leben erfolgreich gewidmet haben, deren kleinster Finger — um mit der Bibel zu sprechen — umfangreicher war als meine Lenden, ohne daß ihnen jemals irgend eine Aufmerksamkeit erwiesen wurde. Eine ganz andere Bedeutung aber hat eine solche Kundgebung für die Sache des alten Judenthums und für die hochwichtigen religiösen und politischen Consequenzen desselben. „Die Weltgeschichte und die Geschichte aller „civilisirten Confessionen kennt nur das eine Juden- „thnm, welches an den Satzungen der heiligen „Schrift, als ein Ergebniß der göttlichen Offen- „baruvg unverbrüchlich festhält." Von dieser unerschütterlichen Ueberzeugung durchdrungen, haben die begeisterten Anhänger des alten JudenthumS dieses Glaubensbekenntniß durch die Welt getragen um eS allerwärts zu lehren und zu verbreiten. Aus diesem Judenthume sind all* die bestehenden, mächtigen Staatsreligionen hervorgegangen, welche inmitten einer heidnischen Weltüberfluthung die heutige gesellschaftliche Ordnung verbreitet und herbeigeführt haben. Dieses Palladium der göttlichen Wahrheit haben nun die gläubigen Israeliten durch 3190 Jahre auf dieser ganzen Erde» wo sie das Geschick hingeführt und unter welchen Bedinungen sie sich auch niederlassen mußten, ungeschmälert und unreformirt erhalten und vertheidigt. Keine Versuchung und keine Verfolgung konnte dieselben in ihrer religiösen Ueberzeugung erschüttern und alle Volksstämme, unter denen sie gelebt, können es bezeugen, was die Juden um den Glauben der Väter gedultet und ertragen. Die verhängnißvolle, materielle Weltanschauung aber, die sich seit dem Ende des achtzehnten Jahrhunderts über alle Völker und Länder, wie eine neue Sündfluth in einer verheerenden Weise verbreitete, hat in der alten Pietät für den Glauben und die Ueberlieferung der Väter unter allen Confessionen große Verwüstungen angerichtet. „Neue „Patriarchen, neue Propheten sind erstanden, die „sich an die Oberfläche der Gesellschaft drängen, „am eine neue Gottesverehrung für das ganze „Menschengeschlecht zu verkünden. Freiheit, Gleich- „heit und Brüderlichkeit, das Vermächtniß und die „Offenbarung der französischen Revolution, soll „das neue Glaubensbekenntniß in der neuen Aera „werden und für alle kommenden Generationen „bindend und geheiligt bleiben." Eine mächtige Welle dieser unheilvollen Zeitströmung hat nun auch das Fundament des mosaischen Glaubensbekenntnisses ergriffen und den größten Theil desselben in seinem Innersten unterwühlt. Die Mittel und Wege, um in der alten, religiösen Weltanschauung eine vollständige Wandlung herbeizuführen, sind allerdings unter allen Confessionen ganz dieselben. Allein das unvergleichlich schwere mosaische Ritualgesetz erscheint vollkommen geeignet, die Massen in der ganzen Judenheit um so leichter und sicherer bestimmen und leiten zu können. An diese Leiter und Führer eben möchte ich mir bei dieser Gelegenheit erlauben, ein ernstes,

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