Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1878)
- Date
- 1878-07-31
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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769 < langt, was diesen Bestimmungen zuwiderlüuft. — Diese Bestimmungen lauten: „Die Auswahl der einzuführenden Leserbücher ist auS denen zu treffen, welche ein volkSthümlicheS Gepräge haben und durch ihren gesummten Inhalt den erziehlichen Zweck der Schute fördern. — Unter diesen aber verdienen diejenigen den Vorzug, welche in ihrer Form correct sind und auch in den geschichtlichen und realistischen Theilen nicht eigene Ausarbeitungen der Herausgeber, sondern Proben aus den besten Darstellungen der Meister auf diesem Gebiete geben und welche sich von kirchlichen und politischen Tendenzen fernhalten rc. Die Summe dessen, was wir von einem deutschen Lesebuche für israelitische Schulen verlangten, lautete wörtlich: Vertretung, Erwähnung der Literatur desjenigen Volkes, dessenKinder daraus dieGrundlage für ihre zukünftige Lebensanschauung legen sollen. — Das ist doch wahrlich nicht zu viel verlangt und enthält Nichts, was außer dem Rahmen der einschlägigen Gesetzesbestimmungen liegt. — Der Herausgeber müßte denn glauben, die Literatur unseres Volkes behandele nur kirchliche oder confessionelle Themata; ein solches Verkennen unseres Schriftthums halten wir bei dem Director eines jüdischen Lehrerseminars aber nicht für möglich. Es bleibt uns daher nach wie vor unerfindlich, worin das Charakteristische zu suchen ist, welches dieses Lesebuch für israelitische Schulen geeignet erscheinen läßt. Zu den einsichtsvollen Lehrern, deren Fülle von Einsicht sich in der bedenklichen Genügsamkeit documentiren soll, ein Lesebuch für israel. Schulen als ein solches anzuerkennen, wenn eS nur keine Lesestücke mit christlicher Färbung enthält, zählt der Verfasser des Liter. Berichts in Nr. 26 allerdings nicht. Auch ist in diesem Berichte nirgends gesagt worden, israelitische Kinder müßten aus dem Lesebuche Stärkung ihres religiösen Bewußtseins gewinnen; obwohl dies auch kein Malheur wäre. Ebenso wenig war davon die Rede, daß der hohe Preis des Buches auf buchhändlerifcher Berechnung beruhe; dagegen war im Gegentheil der Nachweis versucht worden, daß sogar die sachlichen Mängel des Buches sich nicht durch eine Rücksichtnahme auf pekuniäre Interessen erklären ließen. Ob es angemessen ist, ein Buch für die Volksschule zu vertheuern zu Gunsten familiärer Zwecke, ist eine Frage, die von einsichtsvollen Lehrern nicht so entschieden bejaht werden kann, als dies von Herrn Dr. Stein geschieht. Unsere Beurtheilung resp. Verurtheilung devon Herrn vr. Stein bearbeiteten Lesebuchs müssen wir daher in allen einzelnen Punkten aufrecht erhalten. G. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. LtffU (Posen) Vorige Woche hat unsere Gemeinde einen unersetzlichen Verlust erlitten. Der große, fast in allen bedeutenden Städten Deutschlands rühmlichst gekannte pyipyn yienrp st -'VJDüip ist in ein besseres Jenseits übergegangev. Von dem immensen Wissen des Verstorbenen aus dem Gebiete des Talmuds uud der Forschung Be-- richt zu erstatten, wäre wohl überflüssig, denn davon zeugen seine hinterlassenen Schriften. ES dürste nur seine nach Tausenden zählenden Freunde inte^ ressireu, von seinem Ergehen während der letzten Jahre Auskunft zu erhalten. Der Verewigte konnte feit 4 Jahren das Qimmer nicht verlassen, selbst an den hohen Feftragen nicht einmal in das Gotteshaus gehen. Nichtsdestoweniger beschäftigte er sich unausgesetzt mit dem Thorastudium, und selbst auf dem Schmerzenslager waren die tcnip n©D seine Lieblingslectüre, so daß er mit Recht den AuSsprvch unsrer Weisen bewahrheitete: •Vnwa nie’ o din„ "jrppy rvoDtp 'v pD’pno mton nai Seine Leiden vergrößerten sich in den letzten Monaten derart, so daß sein am mp 's p“w“y erfolgter Tod von Allen als Erlösung begrüßt wurde. Die Beerdigung fand Sonntag non 'i unter zahlreicher Betheiligung statt, und hielt Herr Rabbiner vr. B a e ck erne tiefergreifende Leichenrede, worin er trefflich gewählte Talmud- und Midraschstellen erklärte, die er mit dem Wirken des Verstorbenen in paffende Beziehung brachte. Redner hob besonders hervor, wie außerordentlich es dieser b"rr"i 2-> verstanden, als tiefer Denker genau die Grenze zu ziehen. und nur so weit von der Philosophie Gebrauch zu machen, als diese die wahre miDN nicht stört, und daß er (in Bezug auf seine Werke) mit m'pm runo« gleichzeitig pnoaro .*wdk sinnreich vereinigte. Seine Forschungen sowie seine allabendlichen Vorträge waren stets nur in der edlen Absicht, dem Publikum die tiefen Wahrheiten unseres göttlichen Gesetzes an's Herz zu legen. Die trauernde Menge vertröstete Redner dahin, daß wenn auch der Körper dieses Mannes von uns geschieden, sein Geist aber in seinen