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Der Israelit · 1878-07-31 · Heft 31 (31.7.1878) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 31 (31.7.1878)
Date
1878-07-31
Page
– (sequence 17)
Language
German
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rTT77 XIX. Jahrgang. ZWriteSeilage ju Ar. 31 des Israelit. Leitende Artikel. Lin jüd. Hemeindetag in Halizien. ii. Wenn sofort in der Eröffnungsrede des GemeindetagS, das jüdische Consistorium in Paris, und der deutsch-israel. Gemeindebund zu Leipzig, als Ideale hingestellt werden, welche den galizischen Gemeinden die Nothwendigkeit nahe legen sollen, eine ähnliche Institution zu begründen, so erscheint ein solcher Hinweis nichts weniger als glücklich gewählt, um der neuen Schöpfung die Sympathien Derjenigen zu sichern, welche die beiden genannten Verbände nur einigermaßen kennen. Das kaiserliche Coüsistorium ist eine Behörde, hervorgegangen aus den einseitigen Intentionen einer Juden und Judenthum allerdings wohlwollenden Regierung. Dasselbe ist ausgestattet mit einer Macht, welche den' einzelnen Gemeinden jede Autonomie entzog und sie vollständig mundtodt gemacht hat. Diese Behörde ist ausschließlich der staatlichen Regierung, in keiner Weise aber den Gemeinden eine Verantwortung schuldig, deren Geschicke sie leiten soll. Das Consistorium steht über den Gemeinden, aber es wurzelt nicht in ihnen. Es hat seine Machtstellung vielfach mißbraucht, um ungesetzliche Neuerungen einzuführen und zu fanctioniren; ein großer Theil seiner Mitglieder steht nicht auf dem Boden des überlieferten Judenthums. — Für Diejenigen, welche etwa dieses Urtheil hart finden, möge noch beigefügt werden, daß es dasjenige der gesinnungstüchtigen Glaubensgenossen Frankreich ist, wie es sich in der jüdischen Presse dieses Landes schon seit mehreren Decennien äußert. Der Leipziger Gemeindebund, dem jeder staatliche Rückhalt abgeht, erfreut sich im eigenen Lande nur so geringer Sympathien, daß von den Tausenden Gemeinden Deutschlands, nur ein ganz geringer Bruchtheil ihm angehört. Selbst diejenigen Gemeinden, welche ihn aüsmachen, stehen mit dem leitenden, Beschlüsse fassenden und ausführenden Leipziger Büreau, nur in sehr loser Verbindung, wie dieS in Folge der!n diesen Blättern eingehend besprochenen mangelhaften Organisation des Bundes füglich nicht gut anders sein kann. Bon einem Einfluß, einem wohlthätigen oder schädlichen, den der Gemeindebund etwa auf die deutsche Judenheit ausübt, ist nirgends etwas zu merken. — Die an der Spitze desselben stehenden Persönlichkeiten gehören in noch eclatanterer Weise dem Reformjudenthum an, als dies bei Denjenigen des französischen Consistoriums der Fall ist. Der wesentliche Unterschied zwischen beiden Institutionen ist, daß das Pariser Consistorium unglücklicher Weise zu viel Machtbefugniß hat, während der deutsch-israel. Gemeindebund glücklicher Weise, über gar keine Macht und nur über einen sehr bescheidenen Einfluß versügt. Gleich sind beide darin, daß sie dem überlieferten gefetzeStreuen Judenthume gegenüber Front machten, wann und wo sich eine Gelegenheit dazu, bot und seine Bekenner ihre Macht bczw. Ohnmacht fühlen ließen, weßhalb das conservative Judenthum in Frankreich und Deutschland sich stets apatisch beiden Repräsentanzen gegenüber verhielt imnsen. p’mp p-rw patp m»n lan. Wenn dies also wirklich die Ideale sind, die der galizische Gemeindetag anstrebt, so können die jüdisch - galizischen Gemeinden nicht darüber im Zweifel sein, welche Richtung sie fördern, wenn sie sich diesen Bestrebungen anschließen, und der Redner kann sich nicht darüber wundern, wenn das von ihm getadelte, jeder Neuerung, jedem Fortschritt feindliche, „starre Festhalten an Allem", noch starrer werden sollte. — Noch weniger dürste es gelingen, die galizisch. jüdischen Gemeinden zw überzeugen, der Gemeindetag sei eigentlich gar kein Product neuzeitlicher Bestrebungen, sondern eS handle sich nur um den wieder erstandenen „Waad der vier Länder", wie dies der Alterspräsident in den folgenden Worten auSspricht: „UebrigenS ist ein derartiges Institut hier zu Lande nicht einmal neu, kein bloßes Kind der Gegenwart, sondern vor Jahrhunderten schon fühlten die Juden hier zu Lande das Bedürfuiß sich zu vereinigen und so entstand der sogenannte Waad der 4 Länder, welcher in Jaroslau, wo die damaligen großen Jahrmärkte abgehalten wurden, seinen Sitz hatte und Rabbiner und Vorsteher in ähnlichem Sinne und Strebe» vereinigte, wie wir es jetzt zu thun eben im Begriffe sind. Das Institut, das wir schaffen wollen, ist darum echt jüdisch, ist alt, ist bewährt, ist im Interesse der Gesammtheit, und darum geeignet das Wohl derselben zu fördern."

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