Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1878)
- Date
- 1878-07-24
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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«»?/?■ * *rzr 744 -ische mao ist in diesen Sprüchen enthalten. Zizith, Tefillin, Mesnsah, Schabbos, Jom Kippur rc. rc. Für alle diese Pflichten, deren Uebung den Inden erst zum Juden macht, hat das Büchelchen keinen Spruch gefunden. Und selbst die citirten Sprüche, wie sind sie zugestutzt und verunstaltet! Um den Segen der Geschwisterliebe recht zu veranschaulichen, macht sich das Buch kein Gewissen, eine kleine fromme Fälschung vorzunehmen, indem es citirt. „Siehe, wie fein und lieblich ist es; wenn Brüder in Eintracht bei einander wohnen. D<r» selbst verheißt der Herr Segen und Leben immer rmd ewiglich. — Sogar der hebräische Text wird so citirt; und also nur verschwiegen, daß das Daselbst sich gar nicht auf die Eintracht der Brüder bezieht, sondern auf p'» mn, die „Berge Zions", die hier schlau wegescamotirt werden. Zur Charaeterisirung des den zweiten Th eil des Buches bildenden Gesangstoffes, brauchen wir nur zu erwähnen, daß derselbe mit einem dem evangelischen Gesangbuch entnommenen Choral beginnt, daß die zehn Gebote, und die dreizehn Glaubensartikel, ebenfalls in gereimte Lieder gebracht sind, daß — doch das ist genug; diese neuzeitliche Illustration der alten i'.i nvvttt Tpin Daß unter den weiteren Liedern, auch Joseph verherrlicht wird, und zwar durch Aufnahme de- —Ltedrs: „Ich war ein Jüngling noch an Jahren rc.» mag als Zeugniß des klassischen Geschmacks dienen, Melcher die Auswahl des Stoffes leitete. ES ist schade, über solche Machwerke ein Wort zu verlieren, aber es ist unrecht, derartige Erscheirmugen mit Stillschweigen zu übergehen, welche die Impotenz des Reformjudenthums so über alle Zweifel erhaben, documentiren. —n— Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Berlin. (Aus den Protokollen des Berliner Kongresses). Von Herrn Waddington wird die Angelegenheit der katholischen Geistlichen abermals zur Sprache gebracht. Es folgt eine längere Debatte über die Freiheit der Glaubensbekenntnisse im türkischen Reiche. Lord Salisbury bedauert, daß Herr Waddington sich auf einen so kleinen Theil jenes Gebietes der religiösen Freiheit beschränkt habe. Karatheodory Pascha erklärt dem gegenüber, daß alle Kulte sich innerhalb des türkischen Reiches der größten Freiheit erfreuten und daß die besondere Erwähnung und Forderung religiöser Freiheit vollständig überflüssig sein würde. Der Präsident nimmt im Namen der übrigen Mitglieder Akt von dieser Erklärung, der zweite Bevollmächtigte Englands behält sich dagegen vor, späterhin auf die Sache zurückmkommen. In der achten Sitzung vom 28. Juni kam Serbien au die Reihe. Bemerkenswerth: Vorfälle gab es jedoch bei dieser Berathunz nicht, und da das Publikum die Ergebnisse kennt, so können wir wohl ohne Weiteres darüber hinweggehen. Nur ein Intermezzo dürfte auch in weiteren Kreisen von Jntereffe sein. Den Serben ist nämlich wie bekannt, die Einführung einer vollkommenen Religionsfreiheit aufgetragen worden. Fürst Bismarck war es, der hierbei besonders der Juden gedachte. Fürst Gartschakow aber schien einer völligen Gleichstellung der Juden nicht ebenso geneigt zu sein, er machte darauf aufmerksam, daß auch in gewissen Theilen Rußlands Ausnahmebestimmungen für die Juden beständen. Herr Waddington wollte dagegen eine vollkommene Religionsfreiheit in den Kodex des allgemeinen europäischen Rechts ausgenommen sehen. Die zwölfte Sitzung vom 4. Juli wird um 2 Vs Uhr eröffnet. Es wird zunächst eine Mittheilung des serbischen Ministers Ristitsch verlesen, wonach Fürst Milan die erste Gelegenheit ergreifen würde, um alle gesetzlichen Bestimmungen hinwegzuräumen, welche etwa noch die rechtliche Stellung der Israeliten in Serbien ungünstig beeinflussen. Oesterr. - Ungarische Monarchie. Wien. Der wackere juris studiosus Herr Hugo Spitzer hat in Anerkennung seiner von uns seinerseits registrirten Heldenthat der Errettung eines Mädchens, das sich in die Donau gestürzt hat, von Sr. Majestät den silbernen Verdienstorden mit der Krone erhalten, und wurde ihm derselbe durch den Dekan der juridischen Fakultät an der k. k. Wiener Hochschule überreicht — der erste Fall, daß eine kaiserliche Dekoration durch den Dekan zugestellt wurde. Frankreich. Paris. Neulich wurde die feierliche Einweihung der Synagoge des portugiesischen Ritus vollzogen Während der religiösen Handlung siel der in der Mitte hängende größere Kronleuchter von der Decke auf die Erde nieder, glücklicherweise ohne Jemanden zu verwunden. Da die andern Leuchter auch mangelhaft aufhängen, so wurde gerichtlich eine sachverständige Untersuchung der betreffenden Mängel angeordnet. sJsr. Els.-Lothr.)