Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1878)
- Date
- 1878-07-24
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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- ...gang. Zweite Scilage;u Ar. 30 -cs Israelit. Leitender Artikel. Literarischer Jericht. Memorir- und Gesangbuch für israelitische Schulen. — Zusammengestellt und herausgegeben von B. Straßburger, Lehrer in Buttenbausen. — Stuttgart 1878. Die Möglichkeit, daß in unserm Jahrhundert noch immer Bücher geschrieben, gedruckt. verlegt und verkauft werden können von der Sorte des vorliegenden, das ist und bleibt ein so wunderlicher Anachronismus, daß man darüber lachen könnte, wenn es nicht unsere jüdische Jugend wäre, die unter dieser Misere leidet. — Es handelt sich, , wie man schon aus dem Titel sieht, wieder einmal! um eine jener literarischen Productionen, die sich's i zur Aufgabe gesetzt haben, aus dem Judenthum; eine christelnde Katechismusreligion zu machen,! und das so ver lallhornisirte Judenthum unserer Jugend einzutrichtern. — Diesmal nicht durch Frag- und Autwortspiel, sondern mit Hilfe von Sprüchen und Liedern. — Der Herausgeber, der, wie im Vorwort bemerkt ist, nur den gesetzlich normirten Gesang- und Memorirstoff gesammelt und zusammengestellt hat,- wird nur theilweise durch die Mängel dieses Buches betroffen. Schmerzlich, unaussprechlich schmerzlich ist aber die Thatsache, daß dieses Büchelchen mit Zustimmung der Conferenz der iSr. Lehrer Würtembergs angefertigt wurde. Daß die isr. Lehrer Würtembergs für das Judenthum, welches sie in ihren Schulen lehren , ein Bedürfniß nach einem solchen Machwerk empfinden sollen, gibt viel, sehr viel zu denken über den kirchenräthliehen Segen, dessen sich nun « seit mehreren Decennien die würtembergische Judenheit erfreut. Der Memorirstoff beginnt mit Sprüchen Über biblische Geschichten. Was in aller Welt heißt denn das, Sprüche über biblische Geschichten? Wir nehmen an, daß in den Würtemb. Schulen biblische Geschichte gelehrt wird, was sollen die Sprüche darüber? Wird kein fföin, kein 1Z in den Würtembergische« Schulen gelernt? Ja? Dann kann man die Sprüche aus der Quelle lernen. Nein? Dann sollen die Lehrer die Ge- I sang- und Memorirbücher in den Winkel werfen, in welchem unsere heiligen Schriften vermodern und die Kinder mit Thnach bekannt machen, das schon den einen Vorzug hat, daß es älter ist als die kirchenrathliche Aera. und daher noch das wahre unverfälschte Judenthum zum Ausdruck bringt, j Man hat keine Zeit dazu? Aber man hat j doch Zeit für das Memoriren, geistlos gewählter,! geistlos geordneter, zum Theil widersinnig wieder-! gegebenen deutschen Sprüche? Man hat so viele Zeit dazu, daß das vorliegende Buch sich nicht auf die 24 Bücher der heiligen Schrift beschränkt, sondern auch noch eine verhältnißmaßig reiche Aus-! Wahl aus den apocryphischen Büchern aufweist! Aber, von Allem abgesehen, einmal zugegeben, -Judenthum, oder wie man in Würtemberg officiell sagt, jüdische Kirchenreligion, ließe sich mit Bibelsprüchen machen, und in die jungen Herzen dauernd eintrichtern, angenommen die moderne Pädagogik hätte noch nicht über dieses Trichtersystem besonders beim Religionsunterricht den Stab gebrochen; ein wenig Sinn mußte sich bei der Auswahl und! Gruppirüng der Sprüche doch wohl verrathen; j und das Buch würde selbst als Religionstrichter j nicht viel werth sein, wenn es nach dieser Seite! hin Mängel hatte. Der erste Spruch, der Sprüche über biblische Geschichten, mit der Ueberschrift: Für das erste Schuljahr, ist dem Buche Hiob entlehnt und lautet: „Gottes Geist schuf mich und des Höchsten Hauch belebte mich.- — Wenn das sechste Lebensjahr,. in Würtemberg ebenso wie anderwärts das erste Schuljahr ist, so drangt sich doch die Frage unwillkürlich auf, was sich wohl ein sechsjähriges Kind bei diesem Hiob'schen Sprüche denken kann, und falls denn überhaupt Spruche gelernt werden müssen, ob es ein Spruch sein müsse, der für das kindlicke Erkenntnißvermögen absolut unfaßbar ist? — Was soll sich ein sechsjähriges, unschuldiges Kind, aus dessen Auge jeder Blick, die Wahrheit wiederstrahlt son mino '2 nrutp norj vtot, was soll sich ein solches Kind denken, falls es sich überhaupt etwas dabei denkt, wenn ihm als zweiter Spruch gelehrt wird: „Das Dichten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf?" Für das letzte Schuljahr, sind die, die Pffichten des Menschen enthaltene« Sprüche reservirt; es sind 41 im Ganzen. Nicht eine fpecifisch jü-