Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1878)
- Date
- 1878-07-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XIX. Jahrgang. , J|?. 30* Der Israelit. Ein Central-Organ für das orthodoxe Judenthum. HerauSgegeben von Dr. Lehmann in Mainz. Mittwoch, den 24. Juli 5638 (1378). Diese Zeitung erscheint wSchenÄch einmal. Mittwochs, in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 10 Reichs - Mw2. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Inserate 25 Pfennige die Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut EourS. — Directe Francozusendung unter Streifband oro Jahrgang 12 Reichs-Mark oder 7 fl. österr. an die Expedition franco einzusenden. Is ft ft * l U Leitender Artikel: Lesfing's Nathan, der Weise. ZeiümgSnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Mainz. Aus Württemberg. Berlin. — Oest.-Ung. Monarchie. — Frankreich: Bordeaux. — England: London. — Asien: Kardy. — Fenilleton: Rabbi Joselmann von Rosheim. Anhalt der erste« Beilage: Leitender Artikel: Ein jüd. Gemeindetag in Galizien. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mergentheim. Feuilleton: Simon Reding. Anhalt der zweite« Beilage: Leitender Artikel: Literarischer Bericht. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. — Oest.-Ung. Monarchie: Wien. — Frankreich: Paris. — Leitend- Artikel. Lesfing's Kathan, der Weise. ii. Mainz, 19. Juli. Schon daß Lessing einen Juden zum Helden seines Stückes wählte, war von der höchsten Bedeutung. Auch vor Lessing wurden die Juden in Schauspielen und Romanen herangezogen; aber sie sigurirten stets als die Bösewichter, als der Ausbund von Schlechtigkeit, Bosheit, Pfiffigkeit und Eigenutz, wie es ja heute noch vielfach en yogue ist. So kann zum Beispiel der beliebte deutsche Schriftsteller Gustav Freitag kein Buch schreiben ohne den Juden einen Seitenhieb zu versetzen. Wir reden nicht von dessen Buch „Soll und Haben", das die Quintessenz von RischuS ist, sondern von seinen andern Werken, in denen dieser moderne Schriftsteller der Juden nur beiläufig, aber immer zum Schlechten gedenkt*). Wenn dem noch heute so ist. wie hat es erst vor hundert Jahren ausgesehen? Man kannte die Juden nur von der schlechtesten Seite, denn man verkehrte nur mit Hausirern oder Wucherern. Man hatte die Juden von Ackerbau, Handwerk und kaufmännischem Handel ausgeschlossen, hatte sie zuHausirhandel und Geldgeschäften gezwungen und machte ihnen dann aus diesen Geschäften den bitterste« Vorwurf. Von dem Edelmuth, der Aufopferungsfähigkeit, der Hochherzigkeit, dem innigen Familienleben, von all den erhabenen und herrlichen Eigenschaften, die sich innerhalb der Ghettimauern in so unendlich reicher Blüthe entfalteten, hatten die Draußenstehenden keine Ahnung. Lesfing war der Erste, welcher der großen Welt Kunde davon brachte. *) Es möge hier eine charakteristische Anccdote ihre Stell» finden Eine jüdische Frau, der man in einer Proceßsache Termine für Sonnabend angesetzt hatte, bat den Richter den Termin Freitag abzuhalten, da sie am Sonnabend nicht schreiben dürfe. „Was, fragte der Richter, am Sonnabend nicht schreiben? Was ist der Sonnabend anders als der Freitag?" — „Ganz recht, antwortete die Frau, „man sollte auch an Freitag (Gustav Freitag) das Schreiben verbieten!" —