Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1878-07-17 · Heft 29 (17.7.1878) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 29 (17.7.1878)
Date
1878-07-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2447747-2447776--15136-2471073
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Herzigkeit und Verblendung geschlagen? ob der Friede seine wohlthuende Bande auch um unsere Mher unter dem schweren Joche schmachvoller Verfolgung und Bedrückung schmachtenden Brüder in, Rumänien, Serbien und Bulgarien schlingen wird? Wir wollen es hoffen, weil wir es von ganzem Herzen wünschen. Und in der That verlautet bereits die erfreuliche Kunde, der Covgreß habe die Freiheit fämmtlicher Culte als oonäi'tio sine qua non bei der Selbstständigkeitserklärung jener Provinzen hingestellt. Wenn die Garantie- Mächte nur auch gesonnen sein wollten, mit Nachdruck auf die strengste Erfüllung dieser mit rüh* znenswerther Einstimmigkeit aufgestellten Forderungen zu achten, fürwahr! es wäre den Humanitäts- -estrebungen unseres Jahrhunderts durchaus würdig. Vor Allem gebührt der eifrigen und rastlosen Thätigkeit der Alliance israölite die vollste Anerkennung jedes edel und human Denkenden, jenes Vereins, der wieder einmal durch sein leuchtend Beispiel gezeigt hat, waS die Bereinigung ernst und aufrichtig Gesinnter im Dienste der heiligen Sache vermag, und daran mahnt, den einmal betretenen Weg zur Befreiung unserer Glaubensbrüder von geistigem Drucke weiter zu verfolgen. Jeder wahrhafte Jehudi, dem das tu onan keine bloße inhaltsleere Phrase ist, wird sich gestehen müssen, daß es jetzt an uns ist, der Regierung jener nunmehr autonomen Provinzen beim innern Ausbau zu Hilfe kommen und sie in ihren Bestrebungen zur Emancipation der Israeliten thatkräftig zu unterstützen. Es ist bekannt, daß das Schulwesen in jenen Gegenden gar sehr im Argen liegt, und, wollen unsere dortigen Brüder als würdige Glieder der Gesellschaft dastehen, dann muß mit aller Sorgfalt an die Neubildung und Umgestaltung desselben gedacht werden. Ebenso bedürfen die communalen Verhältnisse in Folge der bisherigen desolaten Zustände etzrer völligen Reorganisation. Und hier bietet sich der Thätigkeit der Alliance ein weites ergiebiges Feld, um unfern Brüdern durch ihre Organe und Mittel sich nützlich zu machen und die noch ungeordnete Masse religiös-jüdischer Institutionen der dortigen Gemeinden in ein geordnetes, nutzbringendes System zu bringen. Vor Allem wird es nöthig sein, bei Gelegenheit der Berathung über den Haushaltsetat vor die Regierung mit ganz bestimmten formulirten Forderungen zu treten, die den localen und socialen Verhältnissen der dortigen Judenheit am meisten conform sind. Man wird vor Allem sein Augenmerk darauf zu richten haben, daß neben dem regelmäßigen GesetzeSstudium, das ja immer die erste und wichtigste Grundlage zu jeder öffentlichen und privaten Stellung bildet, auch der profane Unterricht geregelt und in Volksschulen, die mit event. staatlicher Subvention unter Aufficht und Leitung des Gemeinderabbinen stehen, der Jugend eine gründliche Ausbildung in der Landessprache und andern unbedingt erforderlichen DiScipline ertheilt werde. Auch würde es sich sehr empfehlen, wenn mehrere Gemeinde eines DistrictS sich zu gemeinsamer Thätigkeit vereinigten und gemeinschaftlich an die Begründung solcher niederen und höheren Anstalten schMten, in denen neben gründlichem Thorastudium auq profanes Wissen gepflegt wird. Wir sind überzeugt, daß diese Zeilen, die eben nichts als eine skizzenhafte Auseinandersetzung der Bedürfnisse jener Länder sein sollen, an maßgebender Stelle berücksichtigt werden, und ,wenn sie dazu beigetragen haben, die Aufmerksamkeit des jüdischen Publicums jene hochwichtige Angelegenheit zugewendet zu habe , dann haben sie ihren Zweck erreicht. Hoffen wir von diesem Anregen die besten Früchte. B. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berti«. Reges Leben herrscht hier in allen Kreisen. Alles bereitet sich für den großen bevorstehenden Wahlkampf vor, welcher die Gemüther schon lange bewegt. Und da hört man dekin die einzelnen Volksvertreter in wohlgeordneten Reden ihren Wählern den Ernst der Situation mit lebhaften Farben schildern und sie so gerüstet in den Kampf für die durch die Verfassung garantirten Rechte und Freiheiten führen. Mitten unter diesem Ernste fehlte es aber auch nicht am nöthiglN Humor. Die Socialdemocraten in Talar und Bäffchen, wie man hier mit Recht die Partei des christlich Socialen, eine Gesellschaft der ärgsten Mucker, nennt, tritt nun hier mit großem Pomp auf den Kampfplatz und, um die empfängliche Gemüther unserer Berliner durch ihre glatten und begeisterungsvollen Worte zu gewinnen, macht sie das Judenthum zumeist verantwortlich für all die Ausgeburten, die das sociale und politische Gedeihen unseres Volksleben gefährden. Und da gilt es denn, jeden Tag mit neuen Anklagen und Verläumdungen hervortreten, um die Agitation um so ergiebiger zu machen. Aber Gottlob mit solchem Gebühren geben sich diese Herren in den Augen jedes vernünftig Denkenden nur der Lächerlichkeit Preis und man hat für das Gewäsch dieser schwarzen Herren im Schafspelz in gebildete-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.