Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 27 (3.7.1878)
- Date
- 1878-07-03
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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666 vorhanden gewesen, und daß von jeder vollzogenen Lehrerwahl der Schulinspector sofort in Kenntniß gesetzt werden muß. (Pesth. j. Zeit.) Pesth Das hiesige Amtsblatt veröffentlicht folgendes Handschreiben des Kaisers: Auf Vortrag meines ungar. Ministers um meine Person verleihe ich dem mit Titel und Charakter eines Hof- und Ministerialrathes bekleideten Sectionsrathe im Ministerium des Aeußern, Ludwig Dozi, für sich und seine gesetzlichen Nachkommen taxfrei den ungarischen Adelsstand. m. p. Franz Joseph. Rumänien. Suezawa, 18. Juni. Die Klagen der Juden in dem benachbarten Rumänien über deren Behandlung seitens der Gerichte und der obersten Behörden Rumäniens haben einen allgemeinen Protest aller civilisirten Staaten Europas hervorgerufen. Man sollte glauben, daß die rumänische Regierung, die doch ausschließlich auf die Gnade Europas angewiesen ist, und gerade jetzt den europäischen Protest nicht unbeachtet lassen dürfe. Allein die fürstlichen Gerichte und Behörden fahren trotz alledem fort, Unrecht auf Unrecht zu häufen und ihre jüdischen Unterthanen bei jeder Gelegenheit geradezu zu unterdrücken. Wo es sich um die Pflichten des Staatsbürgers handelt, wo es gilt, Geld- und Blutfteuer einzufordern, da genießt der Jude das gleiche Recht mit den übrigen Landes- Angehörigen; er muß pünktlich bei der Steuerkasse erscheinen und wehe ihm, sollte er einmal in Verzug gerathen sein; er muß seinen Mann stellen, wenn die Kriegstrommel wirbelt, und in den vordersten Reihen die Interessen seines Vaterlandes (!) vertheidigen. Kommt er aber einmal in die Lage, von den Rechten des Staatsbürgers Gebrauch zu machen, dann ist er ein Fremder, ein Vaterlandsloser. All dies ist durch so viele Thatsachen erhärtet, daß es gar keines nenen Beweises bedürfte. Jüngsthin hat sich aber wieder ein Fall ereignet, der als illustrirender Beitrag zur Behandlung der Juden in Rumänien hervorgehoben zu'werden verdient. Ein in Bakau geborener Jude, der acht Jahre hindurch im rumänischen Heere diente, der eS bis zum Sergent-major (manipulirenden Wachtmeister) gebracht, den vorjährigen Feldzug mitgemacht und den Typhus glücklicherweise überstanden hatte, legte ein mit vieler Mühe erspartes kleines Capital als Hypothek eines Hanfes an. Er trug kein Bedenken, sein Geld derart fruchtbringend zu machen, da im vorigen Jahre wiederholt von Juden Häuser erstanden wurden, er daher annahm, daß ihm vollkommene Sicherheit gegeben sei. Der Schuldner zahlte nicht, und es kam zur öffentlichen Versteigerung des Hauses. Nach den rumänischen Gesetzen kann der Gläubiger das erste Anbot machen und dann weiter mitlicitiren. Als es nun zur Licitation kam, wurde dem 8srgsnt-mazor untersagt, an derselben theilzunehmen, da er „ein Jude , daher Fremder" sei. Er telegraphirte sogleich an den Justizminister und bat um schleunige Hilfe. Es erfolgte jedoch keine Antwort, und so ist der Mann sammt Weib und Kind, in Folge der Kriegsstrapazen und einer schweren Krankheit zur Arbeit untauglich, auch noch um seinen für den Fall der Roth zurückgelegten Sparpfennig geprellt, da aus dem Erlöse des Hauses wenig oder gar nichts für ihn entfallen wird. Rußland. Aus Kaiisch wird gemeldet: „Die Verhaftung-'n dauern fort. Bis jetzt sind über 200, darunter 10 Geistliche, sistirt worden. Die Straßen sind durch Militär abgesperrt, es wird noch Militär erwartet , da weitere Unruhen befürchtet werden. Man schätzt den angerichteten Schaden auf über 200,000 Rubel. Frankreich. Paris, 19. Juni. Die Akademie der Wissenschaften schritt gestern zur Aufstellung der Liste von 2 Candidaten, welche sie dem Unterrichtsminister für den durch den Tod Leverrier's erledigten Posten des Directors der Sternwarte zu präsentiren hat. Folgende, sämmtlich dem Institut angehörigen Namen kamen in Frage: Maurice Loewy, Faye, Fregattenkapitän Mouchez. Tisserand, Ruiseux und Avon Villarceau. Faye hatte indeß im Voraus;ede Candidalur aus persönlichen Gründen abgelehnt und die Akademie gab ihm nur als Zeichen ihrer Verehrung gleich im ersten Wahlgang die meisten Stimmen. Im zweiten Wahlgang drang dann mit überwiegender Majorität Maurice Loewy durch, dem also allem Anscheine nach die Erbschaft Leverrier's zufallen dürfte. M. Loewy, ein Oesterreicher von Geburt, ist» einer der geschätztesten Astronomen der Pariser Sternwarte. Mitglied der Akademie des fciences, Mitglied des Längenbureaux und Redakteur der „Connaiffances des temps" und des „Anuanire". Paris, 28. Juni. Der Berliner Congreß hat in seiner Sitzung vom 25. Juni die völlige Gleichberechtigung aller Confessionen in Bulgarien votirt.