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Der Israelit · 1878-06-12 · Heft 24 (12.6.1878) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 24 (12.6.1878)
Date
1878-06-12
Page
– (sequence 13)
Language
German
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und zwei polnische Gemeinden, die dem orthodoxen Ritus folgen. Herr vr. Schneeberger hat eine Religionsschule gegründet. Dieselbe zählt über 80 Schüler, die in allen Religionsgegenständen Unterricht erhalten; zwölf Knaben lernen sogar Dieses Resultat ist um so erstaunlicher, als fast sämmtliche Schüier früher nicht einmal richtig lesen konnten. Es ist ein Vergnügen, Knaben im Alter von 12—14 Jahren tüglich dreimal in der Synagoge zu sehen; am rot? fehlt nicht ein Einziger. Australien. Sydney. Die Einweihung der neuen großen Synagoge hat am 4. März stattgefunden. Das Gotteshaus, welches 750,000 Frs. gekostet, zählt zu den schönsten Gebäuden in den australischen Colonien. (Jew. Ehr.) Feuilleton. Licht und Schatten. Erzählung von Friedrich Rott. XXXX. Es war am Sabbat gegen Abend. Der alte Grün saß im Lehnsessel, dem Ofen gegenüber, in dem ein Helles Feuer knisterte und mit flackerndem Glanz das erbärmliche Stübchen erhellte. Ein enggedruckter Foliant lag vor dem Alten auf dem Tische. Hugo und Selma standen am Fenster und schauten auf die schneebedeckte «Straße. „Wann wird denn Tante endlich kommen?" sagte Hugo, indem er voll Ungeduld auf die Uhr sah. „Heute schwerlich mehr", entgegnete der Großvater, indem er das Buch schloß und zurückschob, „es ist schon spät und das Wetter all zu rauh und stürmisch." „Ach wie Schade! wenn es nur am Sabbat immer schön wäre, daß Tante zu uns kommen könnte." Die Kinder waren ernstlich betrübt, daß sie ihren gewohnten Sabbatgast heute entbehren mußten , und der Alte rief sie zu sich, um sie durch heitere Gespräche und Erzählungen zu zerstreuen. Die Nacht brach herein, Susanne zündete die Lampe an, der alte Grün' und Hugo hatten eben das Abendgebet verrichtet, als ein Wagen vor dem Hause hielt, und gleich darauf trat Bertha ins Zimmer. Laut jubelnd sprangen die Kinder ihr entgegen und auch der Großvater hieß sie herzlich willkommen. „Das hast Du schön gemacht, wir hatten schon alle Hoffnungen aufgegeben. Dich heute noch bei uns zu sehen." „Ja, Eduard hat mich am Tage nicht fortgelassen; das Wetter war zu unfreundlich, aber gegen Abend hat er sich an's Fenster gestellt und gewartet, bis er drei Sterne am Himmel gesehen und dann hat er gleich anspannen lassen — und da bin ich nun", fügte sie fröhlich hinzu, indem sie die schweren Ueberkleider abstreifte. „lind bist uns doppelt und dreifach willkommen", sprach der ulte Grün und schob einen Sessel für sie zum Tische. Die Kinder nahmen sie nun eine Zeitlang in Anspruch, da sie aber mit ihrem Schwiegervater ungestört zu reden wünschte, übergab sie den Kleinen ein Spiel und forderte sie auf, es am andern Ende des Zimmers zu ordnen. „Onkel," Hub sie an, indem sie sich lächelnd aber mit Herzklopfen zu ihm wandte: „ich habe eine Bitte." „Eine Bitte? Nun, laß' hören, liebes Kind, wenn ich Deine Bitte erfüllen kann, so sei überzeugt, ich thue es mit Freuden." „Aber es ist eine große Bitte." „Um so mehr würde es mich freuen, ihr entsprechen zu können." „Sie können es — wenn Sie nur wollen." „Nun, so sprich mein Kind." Aber sie konnte nicht sogleich fortfahren, es war ihr mit einem Mal so eigen zu Muth. „Onkel" begann sie und ärgerte sich selbst über das Vibriren ihrer Stimme, „ich habe hier bei Ihnen so Manches gesehen und so Manches gelernt, von dem ich nie im Leben eine Ahnung hatte. — Ich habe wohl gewußt, daß die frommen Juden ganz eigenthümliche Gebräuche haben, aber ich habe immer geglaubt, daß diese theils sinnlos, theils abergläubisch. — Aber bei Ihnen habe ich das Alles ganz anders kennen gelernt und wünschte sehnlichft, diese Vorschriften und diese Lehren, die Sie so schön zu erklären wissen, auch halten zu können." „Sei gesegnet für diesen Wunsch", rief der Alte mit leuchtenden Blicken, indem er ihre Hand ergriff und sie herzlich drückte. „Ja, aber lieber Onkel» ich weiß nicht wie ich es anfangen soll. Sie müssen mir dazu helfen." „Mit taufend Freuden, liebes Kind!" „Nun, dann bin ich auch sicher, daß Sie meine Bitte gewähren werden. Sehen Sie, liebster Onkel, ich will ja gern Alles thun und lasten, wir es die Vorschrift heischt, aber ich bin in dem Allen so

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