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Der Israelit · 1878-06-05 · Heft 23 (5.6.1878) · page 24

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 23 (5.6.1878)
Date
1878-06-05
Page
– (sequence 24)
Language
German
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570 Pa*iS. In einem die Pariser Weltausstellung besprechenden Artikel, in welchem erzählt wird von dem, was die Fremden daselbst sehen werden, schreibt „Univ. JSr.": Sie werden dahier etwas Bewunderungswürdiges, in ihrem eignen Lande Unbekanntes und Unerhörtes sehen: drei jüdische Generäle in der Armee, vier jüdische Präfecten und einen jüd. Präsidenten am Cassationshof, ohne die von kathol. Städten erbauten Synagogen und jüd. Schulen zu rechnen, ein vom Staate unterstütztes Rabbinerseminar. Palästina. Aus Jerusalem erhalten wir zugleich mit Schilderungen der schrecklichsten Noth und mit den dringendsten Bitten um baldige Hilfe die erfreuliche Nachricht, daß durch Zufuhr fremden Getreides die Theuerung ein wenig nachgelassen hat und daß die diesjährigen Ernte - Aussichten die günstigsten sind. Die Heuschrecken - Schwärme, welche das heilige Land bedrohten, sind, ohne Schaden gethan zu haben, wieder abgezogen. Feuilleton. Me Mrsen oder Ieueranöeter in Werften. An mehreren Stellen werden im Talmud die Gabrier '">211 oder Parsen (siehe Sabbat 21b., Gittin 17 a.) erwähnt, deren Cultus in der Anbetung des Feuers bestand. Am Chanukah-Feste duldeten die Gabrier das Anzünden der Chanukah- Lichter nicht, wenn sie gerade ein Feuerfest begingen. Zu dem kranken Rabbah bar bar Chana drang ein Gabrier in*s Zimmer und nahm — ebenfalls an einem derartigen Festtage, an welchem nur in den Tempeln Feuer unterhalten werden durfte — das Licht fort. Es wird daher unfern Lesern interessant sein, über diese uralte Secte etwas aus neuester Zeit zu erfahren. Dem „Wiener Fremdenblatt" wird auS Täbris (Nordpersien) unterm 2. April geschrieben- „Vor einigen Monaten habe ich Ihnen gemeldet, daß der Oberpriester der Feueranbeter in Aezd, dem Hauptsitz dieser ReligionSfecte, wo dieselbe nicht weniger alS 34 Feuertempel besitzt, gestorben ist, und daß darob in allen Städten Persiens und Indiens, in denen Colonien von Feueranbetern existiren, eine große Trauer herrsche. Heute kann ich Ihnen melden, daß die Feueranbeter nicht länger mehr verwaist sind, sondern sich seit Donnerstag den 7. März eines neuen geistlichen Oberhauptes erfreuen, das nun wieder sorgfältig über das Seelenheil seiner Herde und die heiligen Flammen in den verschiedenen Tempeln wacht. Es ist dies der Priester Hormunga Mori Azmida aus» der Stadt Iezd selbst, der bis zu seiner Wahl das Amt eines Feuerbewachers in den fünf ältesten Tempeln dieser Stadt erfüllte und von seinen Glaubensgenossen als ein besonders heiliger Mann stets hochgehalten wurde. Merkwürdigerweise ist derselbe heute kaum 28 Jahre alt, trotzdem er, wie seine Anhänger versichern, seit mehr als dreizehn Jahren einen beschaulichen Lebenswandel führt. Die Wahl dieses Oberpriefters vollzog sich in der Nacht in einem Tempel. Dort loderte vom Altäre, den sämmtliche Priester der Stadt und Umgebung, in lange weiße Gewänder gekleidet, umstanden, eine riesengroße Flamme gen Himmel. Der älteste der Priester richtete dann ein Gebet an die Gottheit, damit sie seine abwesenden Mitbrüder gehörig erleuchte, auf daß diese dem Sonnenvolke ein würdiges geistliches Oberhaupt geben sollen. Hierauf schritt man zur mündlichen Abstimmung, bei der Hormunga Mori Azmida fast einstimmig gewählt wurde. Noch in derselben Nacht wurden aus Freude über den glücklichen Ausgang der Wahl in allen Tempeln der Stadt die heiligen Flammen durch Hineinschüttung von Brennstoffen bedeutend vergrößert, und um sie tanzte das Volk und sang Freudenlieder. Am anderen Morgen nach Sonnenaufgang ward dann auch dem anderen göttlichen Symbol gehuldigt, indem die ganze Gemeinde auf freiem Felde vor der Sonne niederkniete und dieselbe anbetete. Der daraufffolgende Tag ward unter allgemeinen Lustbarkeiten verbracht. Beachten'Swerth ist es, daß unter den Parsen nur selten einer eine Cigarre oder Pfeife Tabak raucht, um nicht seine Gottheit zu beleidigen. Die persische Regierung benimmt sich stets liberal gegen die Feueranbeter und legt ihnen auch nicht das mindeste Hinderniß in der Erfüllung ihrer Vorschriften in den Weg.

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