Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1878)
- Date
- 1878-05-29
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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539 schon recht. Wie geht es ihnen denn, Susanne?" und freundlich bot sie ihr die Hand. Die Alte schaute verwundert zu ihr auf und wagte es nicht, auch nur die Fingerspitzen der mit elegantem Handschuh bekleideten Hand zu berühren. „Aber kennen Sie mich denn gar nicht mehr, Susanne? Haben Sie Bertha Norden ganz vergessen?" „Fräulein Bertha!" rief die Alte, die Hände zusammenschlagend, „Herr, du meine Güte! nein, vergessen habe ich Sie nicht, liebes Fräulein, aber wieder erkannt hätte ich Sie auch nicht. Du mein Gott! Sie waren ja dazumal, als die liebe selige Frau Grün noch lebte, und Sie dann und wann zu uns kamen, noch so ’n ganz junges Fräulein, und jetzt sind Sie so groß geworden und so schön und so vornehm —" „Und Sie haben sich gar nicht verändert," entgegnete Bertha, „ich habe Sie auf den ersten Blick wiedererkannt." „Ach du lieber Gott!" seufzte die Alte, „wenn ich mich auch noch verändern sollte." „Ist Herr Grün zu Hause, Susanne?" „Der Herr muß gleich kommen; bitte, wollen Sie nicht Platz nehmen, Fräulein?" Sie wollte der Dame einen Sessel holen, doch, Hugo kam ihr zuvor. „Ich danke Dir, liebes Kind," sagte Bertha, indem sie sich niederließ, „das ist wohl mein kleiner Neffe?" „Ihr NeffeDie Alte blickte ganz verdutzt zu ihr auf. „Herr, du mein Gott! Sie sind ja die Frau Gemahlin von Herrn Eduard, daran hatte ich ja ganz vergessen, und ich dumme GanS habe noch Fräulein zu Ihnen gesagt — Sie nehmen mir'S doch nicht übel, gnädige Frau?" „Unbesorgt, Susanne," lachte Bertha. „Aber nun kommt einmal her, Kinder, gebt mir Eure kleinen Hände und sagt mir, wie Ihr heißet." Schüchtern kamen die Kinder näher und reichsten ihr die Hand, aber die junge Frau wußte so freundlich und heiter ihnen einzureden, daß die Kinder bald ganz zutraulich wurden und mit der neuen Tante plauderten, als hätten sie sie seit Jahren gekannt. „Du bist beinahe so schön wie unsere liebe Tante Rosa," erklärte Selma, die sich auf Bertha's Schooß schon ganz behaglich fühlte. „Wo ist denn Eure liebe Tante Rosa?" fragte Bertha, indem sie um sich blickte. „Ach, Tante Rosa ist nicht hier, die ist weit, weit weg. Weißt Du, die ist mit Onkel Jakob in dem ganz heißen Land, wo der böse König Pharao die Juden so gequält hat." Während Bertha so mit den Kindern geplaudert, hatte Susanne rasch und. wie sie wähnte, unbemerkt die blechernen Löffel vom Tische entfernt, denn es war doch gar zu schrecklich, daß die noble junge Dame ihrer ansichtig werden sollte. Was mochte sie nur mit einemmal hier wollen? seit beinahe zehn Jahren hatte sie das Haus ihres Onkels nicht betreten. (Fortsetzung folgt.) A N ZEIG E N. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. ie Unterzeichnete Gemeinde wünscht pr. 1. Juli d. I. einen Cantor, anw ui« «np tyu, der diesen Fächern in jeder Beziehung gewachsen ist, zu engagiren. Gehalt, einschließlich der Nebeneinkünfte, 1800 bis 2000 Mk. Reflectanten wollen sich gefall' unter Einsendung ihrer Qualificationszeugnisse bei dem Unterzeichneten Vorstande sobald als möglich melden. Dt. Crone, Weftpreußen, im April 1878. Die Synagogen-Gemeinde. Der Vorstand: A. Hirsekorn. orsänger und 'Schächter gesucht für die Sommermonate in Baden-Baden. Hirsch Herz, 1439s Gastwirth. "ED llulcl Wolf, Bad Ems. Israelitisches Hotel ersten Ranges, empfiehlt sich für die kommende Saison bestens. Prompte Bedienung. Reelle Preise. Bei längerem Aufenthalte Pension. Hölelwagen an allen Zügen. [1496 1228]